Zensur im Internet
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Die Zensur im Internet bezeichnet Verfahren von Staaten, Institutionen, Unternehmen und einzelnen Personen, im Internet publizierte Inhalte zu kontrollieren, zu unterdrücken oder im eigenen Sinn zu steuern. Vor allem Nachrichten, künstlerische Äußerungen und Meinungsäußerungen sind davon betroffen. Die Zensur im Internet unterscheidet sich damit nicht grundsätzlich von der Zensur anderer Medien.
| Inhaltsverzeichnis |
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2 Beispiele für praktizierte Zensur im Internet 3 Technische Mittel gegen Online-Zensur 4 Siehe auch 5 Weblinks |
Problem der fehlenden Staatsgrenzen
Daraus, dass im Internet keine Staatsgrenzen existieren, ergibt sich eine hohe Komplexität rechtlicher Fragen, da Unvereinbarkeiten zwischen Rechtssystemen nicht lösbar sind. Regierungen und staatliche Organe können durch das Sperren von Webseiten, die in ihrem Rechtsbereich liegen, auch die Bürger anderer Staaten von diesen Informationen abhalten, jedoch können sie nicht verhindern, dass die Bürger sich Zugang zu illegalen Informationen verschaffen, die im Ausland liegen.In Deutschland sind zum Beispiel die Verherrlichung der NS-Kriegsverbrechen oder auch die Verleugnung des Holocaust verboten. Auf US-Servern hingegen können diese Dinge ungestraft verbreitet werden, da sie im US-Recht von der Meinungsfreiheit abgedeckt werden. Einen Vorstoß in Richtung Zensur gab es 2001 durch die Bezirksregierung Düsseldorf, der zwar mit geringen technischen Kenntnissen umgehbar war, rechtlich aber gerichtlich durch mehrere Instanzen Bestand fand. Bereits im Jahr 2000 hatte der Bundesgerichtshof ein Grundsatzurteil getroffen (siehe [1] und [1]), nach dem auch z.B. ein australischer Staatsangehöriger für eine holocaustleugnende Website, die in Australien gehostet ist, in Deutschland haftbar gemacht werden kann.
Beispiele für praktizierte Zensur im Internet
China ist das bekannteste Beispiel für starke Zensur im Internet (siehe dazu Internetzensur in China). Aber auch viele andere Länder schränken den Zugriff auf das Internet ein.Auch in Europa und den USA ist Zensur im Internet ein Thema:
- Das US-amerikanische Project for the New American Century, dessen Mitglieder sich in der Regierung Bush (2000-?) wiederfanden, veröffentlichte im September ein Dokument, in dem dem Internet eine große Bedeutung in der modernen Kriegsführung und Informationspolitik und -beschaffung zukommt (the creation of 'US Space Forces', to dominate space, and the total control of cyberspace to prevent 'enemies' using the internet against the US).
- Das Europäische Parlament und der Rat der Europäischen Union haben 2003 einer Weiterführung eines Aktionsplans zur sicheren Nutzung des Internet zugestimmt. Es soll stärker gegen illegale und schädliche Inhalte vorgegangen werden. [1]
Im Februar 2004 zensierte der Internetdienstanbieter Freenet.de Webseiten, die sich kritisch zu dem Unternehmen äußerten, indem er einen Teil der Nutzer seines Dienstes, die versuchten, die unternehmenskritischen Seiten aufzurufen, auf andere Webseiten umlenkte. Technisch wurde dies durch einen transparenten Proxy realisiert.
Technische Mittel gegen Online-Zensur
- Manipulierte Nameserver lassen sich leicht umgehen, indem man auf einen anderen ausweicht.
- Ein Verstecken eigener Webseiten vor zensierenden Behörden ist nur unvollkommen möglich. Man kann deren IP-Nummern-Blöcke recherchieren und mit dynamischem HTML einen behördentauglichen, alternativen Inhalt präsentieren, wenn von einer zweifelhaften IP-Adresse aus drauf zugegriffen wird, was andererseits staatlicherseits leicht umgangen werden kann.
- Zensur-resistente Netze: Das etablierteste ist das Freenet. Ein weiterer Ansatz ist das Publius-Projekt.
- Verschlüsselte Festplatten-Partitionen stellen sicher, dass auf einem beschlagnahmten Rechner keine strafbaren Inhalte technisch nachweisbar sind.
- Anonyme Remailer eignen sich zum unerkannten Veröffentlichen im Usenet, wobei staatlicherseits die Versuchung groß sein dürfte, einen eigenen Remailer als Falle zu betreiben - man achte darauf, welche Remailer man benutzt.
- Versuche, herauszufinden, welche Personen auf eine illegale Webseite zugreifen, sind bei den Strafverfolgungsbehörden sehr beliebt. In den USA wurden sogar schon "aufgeflogene" illegale Websites von der Polizei weiter betrieben, um weiterhin Personen zu identifizieren (und zu verhaften), die darauf zugreifen. Hiergegen bietet das Ausweichen auf offene Proxy-Server im Ausland einen begrenzten Schutz. Dienstleister, die gegen Bezahlung Zugriffe auf Webserver anonymisieren und weiterleiten, haben sich ebenfalls etabliert.
Siehe auch
Weblinks
- Datenreise.de - Internetzensur im In - und Ausland
- HOWTO: Internetzensur umgehen
- Experiment zu Internet-Filter und Zensur
- Kampagne gegen Internetzensur
- Internet-Zensur, Website des Chaos Computer Clubs
- Artikel: Internet Zensur Schwerpunkt China und Lösungsansätze