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Thomas Morus

Thomas Morus oder Thomas More (* 7. Februar 1478 in London; † 6. Juli 1535 in London) war englischer Staatsmann und humanistischer Autor.

Inhaltsverzeichnis
1 Biographie
2 Die Scheidung Heinrichs VIII.
3 Leistung
4 Biografien
5 Zitate
6 Werke
7 Heiligsprechung
8 Literatur
9 Siehe auch
10 Weblinks

Biographie

Thomas More war Sohn eines Richters, besuchte eine Lateinschule und leistete als Zwölfjähriger Pagendienste. Danach studierte er zwei Jahre mit einem Stipendium Rechtswissenschaft in Oxford. Er wurde ein erfolgreicher Rechtsanwalt und Unterhändler. 1504 wurde er Parlamentsmitglied. Eine Zeit lang hatte er vor, Mönch zu werden und lebte als Laie im Kartäuserkloster in London. Mit 26 Jahren heiratete er Joan Colt. Dieser Ehe entstammten vier Töchter und ein Sohn. Seine Frau starb überraschend nach sechs Jahren glücklicher Ehe. Bald darauf ging er eine zweite Ehe ein, die kinderlos blieb. Seine zweite Frau brachte allerdings eine Tochter aus erster Ehe mit.

Von 1510 an war er acht Jahre lang Undersheriff von London. König Heinrich VIII wurde auf More aufmerksam und schickte ihn auf diplomatische Missionen. 1517, mit 39 Jahren, trat er ganz in den Dienst des Königs, der ihn bald zum Mitglied des Geheimen Rates machte. 1521 wurde er zum Ritter geschlagen. Er war ein entschiedener Gegner von Martin Luther und half Heinrich VIII., eine Arbeit über ihn zu schreiben, die dem König den Titel "Verteidiger des Glaubens" eintrug. Mores eigene Arbeit über Luther wurde europaweit gelesen.

1523 wurde er Parlamentssprecher und 1529 Lordkanzler, eine Position, die etwa der des heutigen Premierministers entspricht.

Im Privatleben engagierte sich More sehr für die Erziehung seiner Töchter, denen er die gleiche Bildung zukommen ließ wie seinem Sohn. Seine älteste Tochter Margaret Roper war eine der gelehrtesten Frauen ihrer Zeit. Er war auch sehr freigebig, ernährte während einer Hungersnot Hunderte aus seiner eigenen Tasche und entließ seine Landarbeiter nicht wegen mangelnder Arbeit.

1532 trat er vom Amt des Lordkanzlers zurück, drei Jahre später wurde er wegen angeblichen Hochverrats angeklagt, verurteilt und hingerichtet.

Die Scheidung Heinrichs VIII.

Kardinal Thomas Wolsey, Erzbischof von York, hatte es nicht zuwege gebracht, die Scheidung von Katharina von Aragón, die Heinrich gesucht hatte, herbeizuführen und musste 1529 von seinem Amt als Kanzler zurücktreten. More wurde an seiner Stelle ernannt, jedoch unterschätzte Heinrich offenbar Mores Widerstand in diesem Fall. Soweit es sich um die Auseinandersetzung mit dem Protestantismus gehandelt hatte, hatte Thomas Morus die Innenpolitik seines Königs unterstützt. Jedoch: wohlbewandert im Kirchenrecht und auch sehr religiös, wusste More, dass die Annullierung des Sakraments der Ehe ein Fall für die Gerichtsbarkeit des Papstes war; Papst Klemens VII war aber klar gegen eine Scheidung.

Heinrichs Reaktion darauf war, dass er sich selbst in das höchste Amt der Kirche in England einsetzte. Der Geistlichkeit wurde vorgeschrieben, den Suprematseid zu schwören und damit den weltlichen Herrscher als Haupt dieser (der anglikanischen) Kirche anzuerkennen. More, als Laie, brauchte diesen Eid nicht abzulegen. Aber er legte lieber am 16. Mai 1532 das Amt des Kanzlers nieder, als diesem neuen Regime zu dienen (möglicherweise standen auch gesundheitliche Beschwerden hinter seinem Rücktrittsgesuch).

More konnte sich später dem ersten Versuch noch entziehen, ihn mit verräterischen Machenschaften in Verbindung zu bringen. Doch verabschiedete das Parlament 1534 den Act of Succession, der den Eid beinhaltete, der die Legitimität aller Kinder bestätigte, die Heinrich und Anne Boleyn geboren wurden; außerdem wies er jedwede fremde Autorität, ob Prinz oder Potentat (das heißt: auch des Papstes) zurück. Wie vorher schon der Suprematseid, war auch dieser nicht von der gesamten Bevölkerung zu leisten, sondern nur von denen, die dazu vorgeladen wurden. Also von Inhabern öffentlicher Ämter und denen, die im Verdacht standen, Heinrich nicht zu unterstützen. More sollte diesen Eid im April 1535 ableisten. Weil er dies ablehnte, wurde er im Tower von London eingekerkert. More wurde vor Gericht gestellt, verurteilt und am 6. Juli auf dem Tower Hill hingerichtet. Es war dies der klassische Fall eines Justizmordes durch einen rachsüchtigen Herrscher. Sein Kopf wurde einen Monat lang auf der London Bridge zur Schau gestellt und dann von seiner Tochter Margaret Roper gegen ein Bestechungsgeld heruntergeholt.

Leistung

Thomas More war ein ungewöhnlich gebildeter Mann, gleichzeitig fachkundiger Jurist und ein geschickter Unterhändler. Seine Unparteilichkeit als Undersheriff (und in anderen Positionen) wurde gerühmt. Er galt als ausgezeichneter Administrator, der sämtliche anhängigen Gerichtsfälle erledigte, was etwas noch nie Dagewesenes darstellte. Als gläubiger Christ setzte er sich konsequent für die Autorität des Vatikans ein. Gleichzeitig jedoch focht er mit der Feder für ein humanes Miteinander der Menschen.

Sein bekanntestes Werk war De optimo statu rei publicae deque nova insula Utopia, in dem er ein erfundenes Inselkönigreich beschreibt, welches heutige Gelehrte als ein idealisiertes Gegenbild von Mores zeitgenössischem Europa sehen. Andere Gelehrte sehen darin eine boshafte Satire desselben Europa. In dem Stadtstaat dieser Insel herrscht eine Art Kommunismus: die Interessen des Einzelnen sind denen der Gemeinschaft untergeordnet. Wie in einem (idealen) Kloster hat jeder zu arbeiten; jedermann (und jedefrau!) bekommt Bildung und genießt religiöse Toleranz. Anders als in der Realität der Renaissance sind Grund und Boden gemeinsamer Besitz. Nach dem Erscheinen in Leuven wurde es bald in mehrere Sprachen übersetzt und wurde der Vorläufer der Romanutopie (u.a. Voltaire: Candide ou l’optimisme, 1759).

Erasmus von Rotterdam, der mehrfach bei Thomas More zu Besuch war, widmete ihm sein Lob der Torheit. Während More als Undersheriff amtierte, fand er die Zeit, eine Geschichte König Richards III zu verfassen. Sie wird - auch wegen ihrer meisterlichen Beherrschung der englischen Prosa - als Edelstein der englischen Geschichtsschreibung betrachtet.

Biografien

In Robert Bolts Stück „Ein Mann für jede Jahreszeit“ geht es um Sir Thomas' verlorenen Kampf gegen König Heinrichs Entschluss, England eine nationale Kirche zu geben, die er kontrollieren könnte. Zwei Filme wurden auf Grund dieses Stückes gedreht: ein Film von 1966 mit Paul Scofield, der einen Oscar gewann und eine Version von 1988 mit Charlton Heston.

Zitate

"...wenn Ehre profitabel wäre, jeder wäre ehrenhaft."

''"Nie hätte ich daran gedacht, einer Sache zuzustimmen, die gegen mein Gewissen gewesen wäre."
Dieses Zitat ist zum Leitspruch der Katholischen Junge Gemeinde (KjG) geworden. Thomas Morus ist der Schutzpatron der KjG

Werke

Die Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf (Link zur Homepage) besitzt eine umfangreiche Sammlung mit Werken von und über Thomas More, das sogenannte Morianum.

Heiligsprechung

1886 erfolgte die Seligsprechung von Thomas Morus durch den Heiligen Stuhl, die Heiligsprechung erfolgte 1935, zu einer Zeit, als die Konflikte zwischen NS-Regime und Katholischer Kirche durch Nichtachtung der Konkordatsvereinbarungen seitens der politischen Machthaber immer offenkundiger wurden. Damit wurde von höchster Stelle ein Zeichen zum religiösen Widerstand gegen totalitäre Herrschaftsansprüche gesetzt, für den Thomas Morus den Märtyrertod gestorben war. Am 31. Oktober 2000 ernannte Papst Johannes Paul II. ihn zum Patron der Regierenden und der Politiker (siehe Homepage des Vatikan). Außerdem ist er der Patron der KJG (Katholische junge Gemeinde). Der Gedenktag in der katholischen Kirche ist der 22. Juni, in der anglikanischen Kirche der 6. Juli.

Literatur

Siehe auch

Weblinks



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