Themenzentrierte Interaktion
TZI ist aus den Erfahrungen und Erkenntnissen der Psychoanalyse und aus Einflüssen der Gruppentherapie und des Experientalismus in den USA von Ruth Cohn entwickelt worden. Ziel ist das Erschließen besserer Verständigungsmöglichkeiten: Wir begreifen Zusammenhänge sowohl über den Verstand als auch über das emotionale Erleben. Dabei ist TZI ein Interaktionsmodell, das die Person, die Gruppe und die Aufgabe (das Thema) als gleichwertig behandelt und das Umfeld dabei stets mit berücksichtigt. Die drei Faktoren sind voneinander abhängig und sollten sich in einem dynamischen Gleichgewicht befinden, um optimal und lebendig kommunizieren und lernen zu können. Die Verarbeitung von Sachfragen wird damit mit der Förderung der Persönlichkeit verbunden. Viele bekannte Regeln für die Zusammenarbeit in Gruppen finden in der TZI Verwendung oder stammen daraus. So z.B. “jeder ist für sich selbst verantwortlich“, “Interpretationen vermeiden und in der Ich-Form sprechen“, “Störungen sind vorrangig zu behandeln“.
| Inhaltsverzeichnis |
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2 Absicht der TZI 3 TZI lernen 4 Quelle 5 Links |
System der TZI
Das Strukturmodell beschreibt vier Faktoren, welche eine Gruppe konstituieren:
- 1. das ICH. Damit sind die einzelnen Personen mit ihren Anliegen und Befindlichkeiten gemeint;
- 2. das WIR. Hierbei geht es um das Miteinander der Personen, also um Beziehungen;
- 3. das ES umfasst die Aufgabe, das Ziel der Gruppe;
- 4. der Globe. Er meint das strukturelle, soziale, politische, ökologische, kulturelle engere und weitere Umfeld der Gruppe.
Axiome der TZI
Die TZI entwickelt sich auf der Basis dreier Problemstellungen, der sogenannten "Axiome."- "Der Mensch ist eine psycho-biologische Einheit. Er ist auch Teil des Universums. Er ist darum autonom und interdependent. Autonomie (Eigenständigkeit) wächst mit dem Bewusstsein der Interdependenz (Allverbundenheit)." (Cohn, Von der Psychoanalyse zur Themenzentrierten Interaktion 1975, Seite 120)
- "Ehrfurcht gebührt allem Lebendigem und seinem Wachstum. Respekt vor dem Wachstum bedingt bewertende Entscheidungen. Das Humane ist wertvoll, Inhumanes ist wertbedrohend." (Cohn, Von der Psychoanalyse zur Themenzentrierten Interaktion 1975, Seite 120)
- "Freie Entscheidung geschieht innerhalb bedingender innerer und äusserer Grenzen. Erweiterung dieser Grenzen ist möglich." (Cohn, Von der Psychoanalyse zur Themenzentrierten Interaktion 1975, Seite 120)
Postulate der TZI
Die Axiome führen zu den zwei Postulaten:- Sei deine eigene Chairperson, die Chairperson deiner selbst!
- Störungen haben Vorrang! (im Sinne von "nehmen sich Vorrang")
Hilfsregeln der TZI sind:
Die Hilfsregeln können die Interaktion in einer Gruppe günstig beeinflussen. Sie sind nicht als allgemeingültige Weisungen zu betrachten.- 1) Vertritt dich selbst in Deinen Aussagen; Sprich per "Ich" und nicht per "Wir" oder per "Man".Diese Formen lassen auf ein "Verstecken" hinter der Gruppe oder einer öffentlichen Meinung schließen. Hinzu kommt, dass es durch eine derartige Kommunikation leicht fällt, Hypothesen entgegen ihrer Natur als Tatsache darzustellen.
- 2. Wenn du eine Frage stellst, sage, warum du fragst und was deine Frage für dich bedeutet. Sage Dich selbst aus und vermeide das Interview.
- 3) Sei authentisch und selektiv in deinen Kommunikationen. Mache dir bewusst, was du denkst und fühlst, und wähle, was du sagst und tust.
- 4) Halte dich mit Interpretationen von anderen so lange wie möglich zurück. Sprich stattdessen deine persönlichen Reaktionen aus.
- 5) Sei zurückhaltend mit Verallgemeinerungen!
- 6) Wenn du etwas über das Benehmen oder die Charakteristik eines anderen Teilnehmers aussagst, sage auch, was es dir bedeutet, dass er so ist, wie er ist (d.h. wie du ihn siehst.)
- 7) Seitengespräche haben Vorrang. Sie stören und sind meist wichtig. Sie würden nicht geschehen, wenn sie nicht wichtig wären.
- 8) Nur einer zur gleichen Zeit bitte.
- 9) Wenn mehr als einer gleichzeitig sprechen will, verständigt euch in Stichworten, über was ihr zu sprechen beabsichtigt.
- 10) Beachte die Körpersignale!
Absicht der TZI
Die TZI hat das Ziel, zwischen den Bedürfnissen der einzelnen Gruppenmitglieder sowie der Gruppe insgesamt, der gemeinsamen Aufgabe und dem Umfeld ein dynamisches Gleichgewicht herzustellen und es zu erhalten. Dazu wird das Thema als Brennpunkt der vier Faktoren gesetzt. Damit soll ein effektives kognitives und emotionales Lernen (das sog. lebendige Lernen) ermöglicht werden.TZI lernen
TZI wird im Ruth-Cohn-Institut gelehrt. Die Ausbildung besteht aus einer Grundausbildung und einer Diplomausbildung. Die Grundausbildung umfasst Persönlichkeitsbildung und Methodik, dauert 6 1/2 Wochen und schliesst mit einem Zertifikat ab. Die Diplomausbildung dauert etwa zehn Wochen und enthält Elemente wie Supervision, Arbeit in Peergruppen und weiterführende Workshops zur Persönlichkeitsentwicklung und Methodik.Quelle
- Cohn Ruth C., "Von der Psychoanalyse zur themenzentrierten Interaktion", Stuttgart 1975, Klett-Cotta
Links
- Regeln und Hilfsregeln (in zwei getrennten Textteilen)
- Ruth Cohn Institut für Themenzentrierte Interaktion (TZI) WILL Schweiz
- Ruth Cohn Institut für Themenzentrierte Interaktion international
- Literaturdatenbank
- Weiterbildendes Studium "Themenzentrierte Interaktion: Leitung und Moderation von Gruppen" am Kurt Lewin Institut für Psychologie der FernUniversität in Hagen
- Das pädagogische Konzept der TZI von RUTH COHN
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