Taufe
Etymologie
Das griechische Wort für taufen im Neuen Testament ist baptizein.In der ersten germanischen Bibel, der gotischen Bibel von Wulfila im 4. Jahrhundert, wird baptizein mit daupjan übersetzt, das ebenso wie das griechische Wort "eintauchen" bedeutet und durch die spezifische christliche Bedeutung "durch Untertauchen zum Christen machen" eine Lehnbedeutung bekam, die z.B. im Deutschen taufen, (althochdeutsch toufen) schließlich die ursprüngliche Bedeutung ganz ersetzte. Das Englische übersetzt baptizein mit baptize oder christen, das Schwedische und Isländische kristna (von christianisieren).
Dem Wort daupjan entsprechen altnordisch deypa, altenglisch dyppan, althochdeutsch toufen, die alle in etymologischer Verwandtschaft zu dem Wort "tief" stehen.
Geschichtliche und konfessionelle Aspekte
Die Taufe ist in allen christlichen Kirchen eine zentrale Handlung, die in den meisten Kirchen als Sakrament bezeichnet wird. Sie ist der erste der Initiationsriten. Weitere Initiationshandlungen sind in der katholischen Kirche Erstkommunion und Firmung, in der evangelischen Kirche die Konfirmation. Die Taufe fügt ein in den Leib Christi und gibt Anteil an der Kraft seines Todes und seiner Auferstehung, dem Heiligen Geist (Röm. 6,3ff).In den meisten christlichen Kirchen ist die Taufe das rechtliche Merkmal der Mitgliedschaft (d.h. man muss getauft sein, um Mitglied einer christlichen Kirche zu sein). Der Getaufte erhält die Rechte und Pflichten eines Gemeindeglieds seines Lebensalters. Ohne Taufe können keine weiteren Sakramente empfangen werden.
Die Taufe in der Bibel
Die Taufe des Johannes
Die erste Taufe, die in der Bibel erwähnt ist, ist die des Johannes, der von daher den Beinamen Täufer erhielt. Sie geschah durch Wasser im Jordan, war mit einem Sündenbekenntnis und innerer Umkehr (Buße) verbunden und hatte die Vergebung der Sünden zum Ziel (Matthäus 3,6, Markus 1,4f, Lukas 3,3ff.). Diese Taufe wurde von der frühen Kirche nicht als christliche Taufe anerkannt (Apostelgeschichte 19,1-7).Die Taufe Jesu
Alle vier Evangelien schildern, dass Jesus sich von Johannes dem Täufer taufen ließ. Dabei werden folgende Begleitumstände berichtet: (1) Johannes weigert sich zunächst, dem Taufbegehren Jesu Folge zu leisten; er - Johannes - sei nicht würdig, die Taufe an dem, der größer ist als er, zu vollziehen. - (2)Nach der Taufe öffnet sich der Himmel; der Heilige Geist kommt "wie eine Taube" auf Jesus herab. - (3) Eine Stimme aus dem Himmel verkündet: "Dies ist mein geliebter Sohn. Ihn habe ich erwählt!" Matthäus, Markus und Lukas berichten, dass Jesus kurze Zeit nach Vollzug der Taufe durch Gottes Geist in die Wüste geführt wird, um dort von Satan versucht zu werden. (4)Im Zusammenhang seiner Taufe kommt es zu ersten Begegnungen zwischen Jesus und seinen späteren Aposteln.Im Johannesevangelium wird berichtet, dass Jesus selbst nicht tauft (Johannes 4,2), wohl aber seine Jünger(Johannes 3,22, 4,2). Ob diese Taufe durch die Jünger bereits als christliche Taufe bezeichnet werden kann, ist umstritten.
Taufe in der Urgemeinde
Das Matthäus-Evangelium endet mit dem Taufbefehl von Jesus (Matthäus 28,18-20):- "Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret (wörtlich: machet zu Jüngern) alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende."
- "Tut Buße und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes."
Taufritus
Die Taufe als äußerlich sichtbare Handlung geschieht mit Wasser. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten mit jeweils unterschiedlicher Symbolik: Entweder durch das dreimalige Übergießen mit Wasser für die drei Personen der Dreifaltigkeit, oder durch das vollständige Untertauchen als Symbol für das Begrabenwerden des alten Menschen und das Auferstehen in das neue ewige Leben. Das nebenstehende Bild zeigt ein frühchristliches Baptisterium, in der die Taufe durch Untertauchen vollzogen wurde.
Im Urchristentum geschah die Taufe durch Untertauchen, wie sie heute noch in den Ostkirchen, bei Baptisten und vielen anderen Freikirchen sowie in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und bei den Zeugen Jehovas durchgeführt wird. In der lateinischen Kirche war das Untertauchen bis etwa zum 12. Jahrhundert üblich, im Mittelalter verbreitete sich das Übergießen anstelle des Untertauchens. (Bloßes Besprengen gilt im katholischen Kirchenrecht als Grund für die Ungültigkeit der Taufe.)
Bereits im zweiten Jahrhundert gab es jedoch Taufen, wo das Untertauchen nicht möglich war (Kranke, im Gefängnis) und die Taufe durch Übergießen mit Wasser vollzogen wurde. Dass aus diesen Ausnahmen später in vielen Kirchen die Regel geworden ist, hängt vor allem mit der Einführung der Säuglingstaufe zusammen. Die Ostkirchen halten allerdings auch bei Kleinkindern an der Taufe durch Untertauchen fest, führen sie aber erst durch, wenn das neugeborene Kind kräftig genug ist.
Wesen der Taufe
In der Taufe wird der Täufling mit Christus "begraben" und erhält Anteil an dessen Auferstehung (vgl. Römer-Brief, Kapitel 6). Gleichzeitg wird er Teil des universalen Leibes Christi.Gültigkeit der Taufe
Die Gültigkeit einer Taufe hängt bei den meisten Kirchen nicht von der Konfession des Täuflings oder Taufenden ab. Von den meisten Kirchen anerkannt wird eine Taufe die vollzogen ist- auf den Namen des dreieinigen Gottes (z.B. 'ich taufe dich auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes'). Eine interessante Variante bietet hier die Taufpraxis mancher freikirchlicher Kreise. Sie verstehen den Taufbefehl Jesu von den Taufberichten der Apostelgeschichte (Apostelgeschichte 2,38; 10,48; 19,5 u.a.) her. Der geoffenbarte Name des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes (Apostelgeschichte 4,12) ist von daher für sie "Jesus". Deshalb taufen sie allein auf den Namen Jesus, der für sie der Name des dreieinigen Gottes ist.
- durch Untertauchen oder Begießen (in taufgesinnten Freikirchen, insbesondere bei den Baptisten, oft nur durch Untertauchen)
- mit der richtigen Intention. Die Intention muss lediglich darin bestehen zu tun, was die Kirche in der Taufe tut. Ein tiefer gehendes theologisches Verständnis der Taufe durch den Taufenden ist nicht nötig.
Bei manchen Freikirchen (insbesondere Baptisten und Pfingstgemeinden) hängt die Gültigkeit einer Taufe auch davon ab, ob der Täufling sich bewusst für die Taufe entschieden hat. Christen, die als Säuglinge getauft wurden, gelten hier als ungetauft. Sie werden, sofern sie sich zum christlichen Glauben bekennen, dennoch als Mitchristen anerkannt.
Säuglingstaufe - Erwachsenentaufe - Glaubenstaufe
Die Taufpraxis verschiedener Konfessionen wird in Säuglingstaufe und Erwachsenentaufe (sachgemäßer auch Glaubenstaufe genannt), unterschieden.Die Säuglingstaufe steht dafür, dass bereits dem neugeborenen Kind die Gnade Gottes „ohne Verdienst“ zugesprochen wird, somit steht hier die in der Taufe vollzogene Tat Gottes im Zentrum. Die Erwachsenentaufe auf der anderen Seite verdeutlicht die individuelle Entscheidung eines Gläubigen, sich öffentlich zu Jesus Christus zu bekennen. Somit wird hier weniger als in der Säuglingstaufe die Tat Gottes, stattdessen aber die Entscheidung des Gläubigen betont. Im Neuen Testament wird nur von Glaubenstaufen explizit berichtet. In der frühen Kirche etablierte sich dann aber die Kindertaufe als Normalfall. Erwachsenentaufen gab es vor allem beim Übertritt von einer anderen Religion zum Christentum. Im Zuge christlicher Mission kam es auch zu Zwangstaufen.
Seit dem 16. Jahrhundert gibt es wieder Bestrebungen, welche die Gläubigentaufe favorisieren. Heute sind dies vor allem die Baptisten, Mennoniten und andere freikirchlich orientierte Gemeinden, aber auch in anderen evangelischen Kirchen gibt es seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts solche Bestrebungen. Mindestens die Hälfte aller protestantischen Christen weltweit sind aufgrund ihres persönlichen Glaubens an Jesus Christus getauft worden.
In den säkularisierten Gesellschaften Europas spielt die Erwachsenentaufe auch deshalb wieder eine größere Rolle, weil viele Menschen keiner christlichen Kirche angehören und viele Kindern deswegen nicht getauft werden.
Katholische Tauffeier
In der katholischen Tauffeier spiegelt sich die urchristliche Praxis der Gläubigentaufe: Der Täufling wird nach seinem Taufbegehren und Glaubensbekenntnis gefragt und erst aufgrund seines Bekenntnisses getauft. Da heute in der Regel Säuglinge getauft werden, antworten Eltern und Paten stellvertretend für das Kind auf diese Fragen. Folgende Riten schließen sich bei einer katholischen Tauffeier an([1], [1]): Die Übergabe der an der Osterkerze entzündeten Taufkerze mit den Worten Empfange das Licht Christi (die Taufe hieß in der Alten Kirche auch griech. phôtismós "Erleuchtung"). Die Salbung mit Chrisam, die auf die Salbung der Könige, Priester und Propheten im Alten Testament und auf den Christus-Namen verweist. Die Überreichung des weißen Kleides als Symbol der Reinheit und Unschuld in Christus (vgl. Weißer Sonntag). Der Effata-Ritus, der die Sinne des Täuflings für Gottes Gebote und seinen/ihren Mund für das Lob Gottes öffnen soll. Die Überreichung einer Taufkerze ist auch Brauch in der evangelischen Kirche.Baptistische Tauffeier
Für die baptistische Tauffeier gibt es keine vorgeschriebene Liturgie. In der Regel hat sie jedoch folgenden Ablauf: Der Täufling berichtet vor der versammelten Gemeinde von seinem Weg zum christlichen Glauben und bekennt sich mit eigenen Worten zu Jesus Christus als seinem Herrn und Erlöser. Oft schließt sich an das persönliche Zeugnis das gemeinsam gesprochene Apostolische Glaubensbekenntnis an. Danach steigt der Täufling (meist weiß gekleidet) in das Baptisterium oder - sofern die Taufe im Freien statt findet - in das Gewässer, wo bereits der Täufer (Pastor oder Gemeindeältester) auf ihn wartet. Der Taufbegleiter verliest den Taufspruch (ein für den Täufling persönlich ausgesuchtes Bibelwort). Daraufhin wird der Täufling durch einmaliges Untertauchen auf den Namen des dreieinigen Gottes (und / oder auf den Namen Jesus) getauft. Täufer und Täufling begeben sich in die Umkleideräume, während die Gemeinde in frei gesprochenen Gebeten für die erlebte Taufe dankt und gleichzeitig für den Täufling Gottes Segen erbittet. Anschließend wird der Getaufte unter Handauflegung von den Ältesten der Gemeinde gesegnet und in die Gemeinde aufgenommen. Eine Abendmahlsfeier beschließt in der Regel den Taufgottesdienst.
Taufe durch den Heiligen Geist
Pfingstlerische oder charismatische christliche Kirchen betonen neben der sichtbaren, äußeren Taufhandlung besonders die Taufe durch den Heiligen Geist. Als Beispiel aus dem Neuen Testament sei Pfingsten genannt: Der Heilige Geist verleiht den Aposteln mit der Geistestaufe unter anderem die Fähigkeit der Glossolalie, d.h. in ihnen unbekannten Sprachen zu reden. Nichtcharismatische Kirchen sehen in der Taufe durch den Heiligen Geist eher eine innere Wandlung als eine nach außen sichtbare Veränderung.Vor allem in Kreisen des Dispensationalismus, d.h. in denen die Bibel heilsgeschichtlich eingeteilt wird, wird die Geistestaufe als "ein" Ereignis mit der Wiedergeburt gesehen. Dies wird vor allem in den Bibelstellen in 1Kor 12,13 und Apg 11,1-18; deutlich.
Taufähnliche Handlungen
Kultische Waschungen gab es bereits in vorchristlicher Zeit in orientalischen und griechischen Mysterienkulten. Auch dort handelte es sich um Reinigungs- oder Aufnahmeriten, oder das Untertauchen wurde im Rahmen einer Weihehandlung vollzogen. Auch der Übertritt zum Judentum ist mit einem Tauchbad verbunden.Da durch die Säuglingstaufe die Taufhandlung immer mehr als Initiationsritus und Fest der Namensgebung verstanden wurde, entwickelten sich nach ihrem Vorbild auch nichtkirchliche Rituale, die aber mit dem ursprünglichen Sinn des Taufgeschehens nichts mehr zu tun haben; zum Beispiel: Schiffstaufe, Ballonfahrertaufe Gesellentaufe etc.
Siehe auch
Weblinks
- EKHN: Infos zur Taufe (christliche Bedeutung, Taufgespräch, Aufgabe der Paten, Taufsprüche, Fürbitten)
- http://www.bayern-evangelisch.de/web/glauben_stationen_im_leben_taufe.php
- katholische Kirche in Deutschland: Die Taufe
- http://www.people.freenet.de/biblische_lehre : "Die eine Taufe - die im Geist"
- http://www.oncken.de u.a. Baptistische Literatur zur Taufe
- http://www.onia.net/heiligergeist.html Die Taufe im Heiligen Geist