Spiritus lenis
Der Spiritus lenis (lateinisch für leichter Hauch; auf Griechisch die ψιλή, Psilí) bezeichnet dabei den Knacklaut ("Glottisschlag"), der im Deutschen - obwohl er in vielen Varietätenen auftritt - in der Orthographie nicht vorkommt, also zwar gesprochen, aber nie geschrieben wird. Der Glottisschlag ist im Gegensatz zum Spiritus asper zu verstehen, der im Deutschen als der Konsonant "h" erscheint. In der griechischen Schrift werden beide Anlaute wiedergegeben, aber nicht mit Buchstaben, sondern mit diakritischen Zeichen.
Typografisches Zeichen: ᾿ mit Buchstaben: ἀ
Der Spiritus lenis in der griechischen Schrift sieht wie ein spiegelverkehrtes, sehr kleines "c" aus und steht über dem wortbeginnenden Vokal (oder über dem zweiten Vokal eines wortbeginnenden Diphthongs), bei einem mit Knacklaut + Vokal, ohne voran gehenden "h"-Laut, anfangenden Wort. Bei großem Anfangsbuchstaben, etwa am Satzanfang oder bei Eigennamen, steht er wie alle griechischen diakritischen Zeichen links davor statt darüber. Wenn der gleiche Vokal auch einen Akzent trägt, steht der Spiritus links vom Akutus oder Gravis, aber unter dem Zirkumflex.
Jedes griechische Wort, das in der Schrift mit einem Vokalbuchstaben beginnt, erhält entweder einen Spiritus asper oder einen Spiritus lenis -- niemals beide, niemals keinen. Dabei tragen mit Ypsilon beginnende Wörter immer den Spiritus asper, bei allen anderen Vokalbuchstaben kommt beides vor.
Wenn das Spritus-lenis-Zeichen über einem Vokal im Wortinneren erscheint, hat es eine andere Bedeutung; es zeigt dann ähnlich wie ein deutscher Apostroph an, dass hier durch Zusammenziehung zweier Wörter Laute ausgefallen sind.
Im Neugriechischen, das sowohl den Knacklaut als auch den "h"-Laut am Wortanfang verloren hat, wurden die nutzlos gewordenen und nur Schülern unnötigen Lernaufwand verursachenden Spiritus-Zeichen 1982 beide offiziell abgeschafft. Nur einige konservative ältere Menschen verwenden sie heute noch.