Soziale Verteidigung
Aufgebaut wurde dabei unter anderem auf den Grundlagen des von Henry David Thoreau entwickelten zivilen Ungehorsams und dem gewaltfreien Widerstand Mahatma Gandhis und Martin Luther Kings. Angeknüpft wurde auch an den Ruhrkampf, den Widerstand in Dänemark und Norwegen gegen die deutschen Besatzer während des Zweiten Weltkriegss und den Widerstand nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in der ČSSR am 21. August 1968 (vgl. Prager Frühling). Dies bedeutet jedoch nicht, dass es sich bei den genannten oder weiteren Beispielen bereits um "Soziale Verteidigung" im Sinne des theoretisch ausgearbeiteten Konzepts gehandelt hat.
In den 1980er Jahren wurden Methoden der Gewaltfreien Aktion von der bundesdeutschen Friedensbewegung und Ökologiebewegung eingesetzt, oft verbunden mit Überlegungen, wie eine Gesellschaft eigentlich aussehen muss, um sich mit Mitteln der Sozialen Verteidigung gegen eventuelle Angriffe behaupten zu können. Um das Konzept weiter zu entwickeln und zu verbreiten, gründeten Organisationen und Personen aus der Friedensbewegung 1989 den Bund für Soziale Verteidigung.
Vordenker des Konzepts der Sozialen Verteidigung waren in Deutschland unter anderen Theodor Ebert, Dieter Senghaas, Eva Senghaas-Knobloch, Dieter S. Lutz und die Mitarbeiter der im Suhrkamp-Verlag erschienen Buchreihe Friedensanalysen. An der Weiterentwicklung beteiligten sich unter anderem Wolfgang Sternstein, Christine Schweitzer und Barbara Müller. In den USA waren unter anderem Gene Sharp und Adam Roberts an der Entwicklung dieses Konzepts maßgeblich beteiligt, in Skandinavien Johan Galtung, Andrew Mack und Anders Boserup. Interessant sind auch die Beiträge des Australiers Brian Martin.
Politische Relevanz erreichte das Konzept durch seine Rezeption in der Partei Die Grünen, in deren Partei- und Wahlprogramme es zeitweilig aufgenommen wurde.
Literatur
- Maja Bisig u.a.: Soziale Verteidigung. Eine gewaltfreie Alternative zur militärischen Verteidigung der Schweiz. Nr. 5 der Schriftenreihe des Schweizerischen Friedensrates. Zürich 1976.
- Theodor Ebert: Soziale Verteidigung. Formen und Bedingungen des zivilen Widerstands. Waldkircher Verlag, Waldkirch 1981.
- Andreas Maislinger: Soziale Verteidigung und österreichische Völkerrechtslehre. In: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft 1979/3, S. 359-371.
Weblinks
- - Linksammlung beim Open Directory Project
- - Bund für Soziale Verteidigung (BSV)
- - Barbara Müller: "Zur Theorie und Praxis Sozialer Verteidigung", pdf-Download
- - Michael Schmid: "Soziale Verteidigung als Alternative zu Bundeswehr und militärischer Gewalt?"
- - Albert Einstein Institution, umfassende Quelle in den USA zu nonviolent action/nonviolent struggle mit vielen Volltext-Downloads in zahlreichen Sprachen
- - Brian Martin: publications on peace, war and nonviolence