Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes
Es folgte dem EK I und übernahm die Stellung des im Ersten Weltkrieg verliehenen Pour le Mérite. Mit dem Ritterkreuz wurden bis 1945 von Adolf Hitler persönlich insgesamt 7.318 Soldaten ausgezeichnet. Unter den Ritterkreuzträgern finden sich 438 Angehörige der Waffen-SS.
Dass eine Halsdekoration den Namen Ritterkreuz erhielt, ist ungewöhnlich. Bei allen europäischen Orden ist sonst das Ritterkreuz die niedrigste, 4. oder 5. Stufe der Auszeichnung. Einzige Ausnahme bilden die alten geistlichen Ritterorden, wo das Ritterkreuz eine Halsdekoration ist.
Da der Krieg länger dauerte als erwartet, wurde es erforderlich, das Ritterkreuz sukzessive um drei höhere Klassen zu erweitern. Zum Ende des 2. Weltkrieges wurde noch eine fünfte Klasse hinzugefügt, die jedoch nur einmal vergeben wurde.
Das Ritterkreuz entspricht im Aussehen dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse, unterscheidet sich aber dadurch, dass es:
- etwas größer ist
- aus wertvolleren Materialien besteht
- als Halsorden am Band in den Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot getragen wird.
- das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes
- das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit dem Eichenlaub (ab 3.6.1940)
- das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit dem Eichenlaub mit Schwertern (ab 21.6.1941)
- das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit dem Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten (ab 15.7.1941)
- das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit dem Goldenen Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten (ab 29.12.1944)
- besondere Tapferkeit vor dem Feind
- und für hervorragende Verdienste in der Truppenführung verliehen werden soll.
Das Ritterkreuz konnte nicht nur an Soldaten der Wehrmacht oder der SS verliehen werden, sondern z. B. auch an Polizisten, Feuerwehrmänner oder SA-Mitglieder.
Die höheren Klassen des RK wurden äußerst selten verliehen und ihre Inhaber (nicht: Ritter) genossen hohes Ansehen, denn es handelte sich durchweg um fronterprobte Soldaten oder hervorragende Strategen. Sie durften den Mantelkragen offen tragen, damit die Auszeichnung sichtbar war.
Ab der Klasse "mit dem Eichenlaub" wurde die Verleihung nummeriert. So war Generalfeldmarschall Erwin Rommel beispielsweise der 6. Träger der Brillianten.
Verleihungspraxis
Der zu Beleihende musste vor der Verleihung des RK beide Klassen des Eisernen Kreuzes besitzen. In Ausnahmefällen wurde das RK gleichzeitig mit dem EK II und I verliehen. Eine Verleihung nach dem Tode war ebenfalls in Ausnahmefällen möglich. Das Ritterkreuz mit goldenem Eichenlaub hätte höchstens 12 Mal verliehen werden können.
Verleihungszahlen:
- RK: 7.313
- RK mit EL: 883
- RK mit EL u. Schwertern: 159
- RK mit EL, Schwertern und Brillanten: 27 (Kesselring, Rommel, Model, Schörner, Dietrich, Balck, Hube, v. Manteuffel, v. Saucken, Dr. Mauss, Ramcke, Gille, Tolsdorff, Galland, Schulz, Graf Strachwitz, Lent, Mölders, Gollob, Rudel, Brandi, Lüth, Nowotny, Schnaufer, Graf, Hartmann, Marseille)*
- RK mit Goldenem EL, Schwertern u. Brillanten: 1 (Rudel)
Bei den Verleihungen sind Offiziere überrepräsentiert. Sie wurden zwar grundsätzlich nicht bevorzugt ausgezeichnet, kamen aber auf Grund ihrer Führungspositionen eher für eine Verleihung in Frage. Für ausschließliche Kampftaten existierte eine Vielzahl anderer, zum Teil ebenso hoch angesehener Waffen- und Kampfabzeichen: das Deutsche Kreuz (in Gold und in Silber, auch "Spiegelei" genannt), die Nahkampfspange (Bronze, Silber, Gold), die Ehrenblatt-Spange, das Infanterie-Sturmabzeichen, das Allgemeine Sturmabzeichen, das Abzeichen für die Vernichtung von Feindpanzern usw.
Fraglich ist, ob es sich beim RK um eine eher politische oder eher militärische Auszeichnung handelte. Dass das RK in der Regel von Hitler persönlich (oder von einem Stellvertreter) verliehen wurde (wie dies auch in anderen Staaten dem Staatsoberhaupt für allerhöchste Auszeichnungen vorbehalten war und ist), vermag darüber wenig Aufschluss zu geben, da die Empfehlungen nicht von Hitler selbst, sondern von den vorgesetzten Offizieren ausgesprochen wurden. Die bloße Tatsache, dass lediglich 0,04 % aller deutschen Soldaten das Ritterkreuz erhielten, kann die Geehrten nicht automatisch von der NS-Ideologie freisprechen. Darüber hinaus ist keine positive Korrelation zwischen der Anzahl der Ehrungen und der politischen Gesinnung des Geehrten festzustellen. Als sehr wahrscheinlich ist jedoch anzusehen, dass die Angehörigen der Waffen-SS, die ausgezeichnet wurden, durch den politischen Charakter dieser Gruppe, wohl in jedem Fall überzeugte Nationalsozialisten waren, so dass eine Ehrung mit dem Ritterkreuz für große Teile der Waffen-SS auch eine Art politische Auszeichnung darstellte. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass nur knapp 6 % aller verliehenen Ritterkreuze an die Waffen-SS verliehen wurden.
Günter Grass verwendet das Ritterkreuz in seinem Roman Katz und Maus als Beispiel, wie Menschen versuchen, durch Medaillen ihre eigenen Schwächen oder körperlichen Gebrechen (hier: ein überdimensionierter Adamsapfel) zu überspielen.
Die noch lebenden Ordensträger sind in der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger organisiert. Der Bundesminister der Verteidigung hat am 4. März 1999 entschieden, dass die Bundeswehr keine dienstlichen Kontakte zur OdR und ihren regionalen Unterorganisationen mehr unterhält. Grund für diese Entscheidung war das - nach Ansicht des SPD-Verteidigungsministers Scharping - revanchistische Verhalten dieser Gruppe. Unberührt von diesem Verbot kann zu Trauerfeierlichkeiten für Träger des RK mit Genehmigung des Bundesministers für Verteidigung ein Kleines oder Großes Ehrengeleit gestellt werden.