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Oskar Lafontaine

Oskar Lafontaine [Dieser Artikel enthält IPA-Lautschrift. Bei einigen Browsern muss für die fehlerfreie Darstellung eine entsprechende Unicode-Schriftart einmalig manuell eingestellt werden. Mehr dazu unter Wikipedia:Lautschrift.
] (* 16. September 1943 in Saarlouis-Roden) ist ein deutscher Politiker. Er war von 1985 bis 1998 Ministerpräsident des Saarlandes und von 1998 bis 1999 Bundesminister der Finanzen. Von 1995 bis 1999 war er außerdem Bundesvorsitzender der SPD. Seit 2005 ist Lafontaine Mitglied der WASG.

Inhaltsverzeichnis
1 Ausbildung und Beruf
2 Familie
3 Partei
4 Abgeordneter
5 Öffentliche Ämter
6 Politisches
7 Buchveröffentlichungen
8 Weblinks

Ausbildung und Beruf

Oskar Lafontaine besuchte als Internatsschüler (Bischöfliches Konvikt) das Regino-Gymnasium in Prüm (Eifel). Hier erwarb er 1962 die Allgemeine Hochschulreife. Er studierte dann Physik in Bonn und Saarbrücken und beendete sein Studium 1969 als Diplom-Physiker. Bis 1974 war er bei der Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Saarbrücken tätig, ab 1971 als Mitglied des Vorstandes.

Familie

Oskar Lafontaine ist Sohn des Bäckers Hans Lafontaine und seiner Frau Katharina, sein Vater fiel im Zweiten Weltkrieg.

Lafontaine ist in dritter Ehe verheiratet mit Christa Müller und hat zwei Söhne.

Partei

1966 trat Lafontaine in die SPD ein, zwei Jahre später 1968 wurde er in den Landesvorstand der SPD gewählt. Von 1977 bis 1996 war er Landesvorsitzender der saarländischen SPD. 1987 wurde er zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD gewählt.
Nach seinem Wahlsieg bei der Landtagswahl im Saarland am 28.1.1990 (54,4 %) wurde er von der SPD als Kanzlerkandidat und Herausforderer von Helmut Kohl für die Bundestagswahl 1990 nominiert. Im Wahlkampf wurde er bei einem Attentat durch eine geistesgestörte Frau (Adelheid Streidel) am 25. April 1990 lebensgefährlich verletzt. Bei der Bundestagswahl im Dezember 1990 erreichte die SPD nach einem wiedervereinigungskritischen Wahlkampf mit 33,5% der Stimmen ihr schlechtestes Ergebnis seit der Bundestagswahl 1957. Danach zog Lafontaine sich zunächst aus der Bundespolitik zurück, verzichtete auf den ihm angebotenen SPD-Vorsitz und blieb saarländischer Ministerpräsident.

Als Kandidat für das Amt des Bundesfinanzministers gehörte er 1994 zusammen mit Gerhard Schröder der so genannten Troika von SPD-Kanzlerkandidat Rudolf Scharping an. Die SPD verlor die Bundestagswahl 1994 trotz Zugewinnen jedoch mit 36,4 % der Stimmen.

In einer Kampfkandidatur gegen den bisherigen Amtsinhaber Rudolf Scharping wurde Lafontaine dann aber im November 1995 auf dem SPD-Parteitag in Mannheim mit 321 zu 190 Stimmen zum Bundesvorsitzenden der SPD gewählt, der er bis 1999 blieb.

Am 24. Mai 2005 erklärte er in Saarbrücken gegenüber dem ZDF und dem SR seinen Austritt aus der SPD.

Am selben Tag erklärte Lafontaine seine Bereitschaft, ein Linksbündnis bei der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 zu unterstützen. Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering sagte dazu, er sehe ein Linksbündnis aus WASG und PDS als „ganz klare Herausforderung“ für seine Partei an.

Am 30. Mai 2005 gab er sein Parteibuch endgültig zurück und beendete somit auch formal seine Parteimitgliedschaft.

Am 10. Juni kündigte Oskar Lafontaine an, zusammen mit Gregor Gysi für ein Linksbündnis aus PDS und Wahlalternative WASG zu kandidieren.

Führungsgremien der PDS und der WASG hatten sich am selben Tag auf ein Bündnis für die geplante vorgezogene Bundestagswahl im September geeinigt. Danach sollen Mitglieder der WASG auf offenen Listen der PDS antreten. Im Gegenzug will die PDS eine Namensänderung prüfen. Geplant ist der Name Demokratische Linke.PDS.

Am 18. Juni trat Lafontaine der WASG bei und wurde am selben Tag auf dem WASG-Landesparteitag in Nordrhein-Westfalen auf Listenplatz 1 für die vorgezogenen Bundestagswahlen im Herbst 2005 gewählt.

Abgeordneter

1994 sowie von 1998 bis 1999 war Lafontaine Mitglied des Deutschen Bundestages. Zuvor war er von 1985 bis 1998 Landtagsabgeordneter im Saarland.

Er war zuletzt (14. Wahlperiode 1998) mit 56,4 % der Stimmen direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Saarbrücken I.

Öffentliche Ämter

Von 1974 bis 1976 war er Bürgermeister und von 1976 bis 1985 Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Saarbrücken.

Von 1985 bis zum Oktober 1998 war er als erster SPD-Politiker Ministerpräsident des Saarlandes. Die 1985 erreichte absolute Mehrheit konnte er zweimal (1990 und 1994) verteidigen. In seiner Eigenschaft als Ministerpräsident war er vom 1. November 1992 bis zum 31. Oktober 1993 Bundesratspräsident.

Nach dem Sieg der SPD bei der Bundestagswahl 1998 trat Lafontaine am 27. Oktober 1998 als Bundesminister der Finanzen in das erste Kabinett Gerhard Schröders ein. Am 11. März 1999 erklärte Oskar Lafontaine seinen Rücktritt vom Amt des Vorsitzenden der SPD und gleichzeitig auch vom Amt des Bundesfinanzministers, sein Bundestagsmandat legte er gleichfalls nieder.

Politisches

In der Nachrüstungsdebatte zu Beginn der achtziger Jahre bezog er klar Position gegen den NATO-Doppelbeschluss bis zur Forderung nach dem Austritt der Bundesrepublik Deutschland aus der NATO und wurde damit zu einem innerparteilichen Gegner von Bundeskanzler Helmut Schmidt (Zitat: "Helmut Schmidt spricht weiter von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzis gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben."). Für diese Äußerung hat er sich später bei Schmidt entschuldigt. Seine Positionen legte er 1983 in dem Buch Angst vor den Freunden. Die Atomwaffenstrategie der Supermächte zerstört die Bündnisse dar.

Am 1. September 1983, dem Antikriegstag, versperren mehrere tausend Rüstungsgegner, unter ihnen auch Oskar Lafontaine, der Schriftsteller Heinrich Böll und der frühere Regierende Bürgermeister von Berlin Heinrich Albertz, mit einer dreitägigen Sitzblockade die Zugänge des US-Militärdepots in Mutlangen, das als Stationierungsort von Pershing-II-Raketen vorgesehen ist.

1992 deckte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" auf, dass Oskar Lafontaine ungerechtfertigte Bezüge aus früheren Ämtern erhielt. Der saarländische Landesrechnungshof bestätigte diese Auffassung später und Lafontaine musste rund 230.000 DM zurückerstatten.

1993 recherchierte der Journalist Kuno Haberbusch für das Nachrichtenmagazin "Panorama" in der sog. Rotlichtaffäre über Verstrickungen Lafontaines im Rotlichtmilieu. Unter anderem soll Lafontaine während seiner Amtszeit als Oberbürgermeister von Saarbrücken einem befreundeten Bordellbesitzer Steuervorteile gewährt und Informationen über bevorstehende Razzien ins Rotlichtmilieu weitergeleitet haben. Lafontaine verweigerte die Stellungnahme und verhinderte die Ausstrahlung der Reportage durch eine gerichtliche Verfügung. Er kritisierte die unbewiesenen Vorwürfe als "Schweinejournalismus" und setzte 1994 eine Änderung des saarländischen Presserechts durch, das die redaktionelle Kommentierung von Gegendarstellungen verbot.

Im Oktober 1999 veröffentlichte er sein Buch Das Herz schlägt links, in dem er auch die Gründe für den Bruch mit der Regierung und seinen Rücktritt formulierte. Laut diesen Buches sagte ihm Gerhard Schröder in einem persönlichen Gespräch, das Attentat von 1990 hätte ihm bei seiner Ministerpräsidentenwahl 2% gebracht. Dies stellte damals eine Belastungsprobe für die ohnehin angeschlagene Beziehung der beiden Weggefährten dar. Nach Erscheinen des Buches war Lafontaine innerhalb der SPD weitgehend isoliert.

Lafontaine schreibt eine regierungskritische politische Kolumne für die Boulevardzeitung "BILD". Im September 2003 schlug er vor, die Ost-SPD solle mit der PDS fusionieren. Spekulationen über eine erneute Spitzenkandidatur für die saarländische SPD bei der Landtagswahl 2004 dementierte er erst spät.

Mit seinem Zehn-Punkte-Programm für den Sonderparteitag der SPD am 21. März 2004 kam Lafontaine zurück ins Rampenlicht. Mit Forderungen wie "Rücknahme der Nullrunde für Rentner", "Streichung der Praxisgebühr" und "Entziehung der Staatsbürgerschaft der im Ausland versteuernden Deutschen" wollte er die SPD retten.

Bei den Demonstrationen gegen die Gesetzgebungsmaßnahmen "Hartz IV" beteiligte sich Lafontaine trotz Widerstands im Kreise der Veranstalter am 30. August 2004 als Redner bei einer Montagsdemonstration in Leipzig.

Ihm wurde von der Berliner Parteiführung an der erneuten SPD-Wahlniederlage im Saarland am 5. September 2004 eine erhebliche Mitschuld zugeschrieben.

Am 24. Mai 2005 trat er aus der SPD aus.

Am 15. Juni 2005 sagte er auf einer Demonstration in Chemnitz: »Der Staat ist verpflichtet zu verhindern, dass Familienväter und Frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter ihnen zu Billiglöhnen die Arbeitsplätze wegnehmen«. Mit dem Begriff »Fremdarbeiter« bezeichneten die Nationalsozialisten ausländische Zwangsarbeiter, die aus den von der Wehrmacht besetzten Gebieten nach Deutschland deportiert wurden. Seine Äußerung wurde deshalb in weiten Kreisen mit Empörung und Unverständnis aufgenommen. Bei der NPD stieß er hingegen auf positive Resonanz.

Buchveröffentlichungen

Weblinks



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