Leid
Die Bedeutungen schwanken; ein kurzes Leid ist denkbar ('schnell getrocknete' Kindertränen), ein längerfristig wirkendes Leid wird körperlich eher als [ein] "Leiden" (verschärft: "Siechtum") benannt. Seelisch wird bei anhaltendem Leid auch von "Kummer" (altertümlich: von einem "Weh") gesprochen, ein Ausdruck, der aber dann eher in die Richtung von "Gram" und "Trauer" zielt.
Kontrastbegriff ist redensartlich (a) "Freude" (vgl. den Freud-und-Leid-Butterkuchen bei Beerdigungen), (b) "Liebe" (Lieb und Leid als wechselnde Menschenschicksale), auch (c) "Lust".
Die Redensart Das tut mir leid war bereits zu einer mündlichen Bekundung recht schwachen Bedauerns (etwa wie sorry!) abgesunken, in der neuen deutschen Orthographie (Das tut mir Leid) bekam sie durch die Großschreibung jedoch ein neues emotionales Gewicht - als Hinweis wertvoll, dass gesprochene Worte etwas Anderes als gleichlautende geschriebene übermitteln können.
Das (intransitive) Verb "leiden" (= Leid tragen) kollidiert mit einer zweiten Wortbedeutung: Denn die Bedeutung von ("jemanden leiden können" (= "jemanden ertragen können") ist inzwischen geändert, die Redensart meint heute, jemanden ganz gern zu haben, so dass Ich mag ihn/sie leiden eine zurückhaltende Liebeserklärung sein kann.
Literatur
- Reinhard Schmidt: Der Gott der Liebe ist für Leid, Schmerz und Tod nicht verantwortlich. Texte und Gedichte im Spannungsfeld zwischen natürlicher Evolution und christlichem Glauben. Helmbrechts 2004 ISBN 3-8311-0704-1