Konsumgesellschaft
Kritische Verwendung
Der Begriff Konsumgesellschaft wird auch häufig als abschätzige Bezeichnung mancher Kritiker für einen Lebensstil breiter Bevölkerungsschichten verwendet, bei dem das Konsumieren von Waren und Dienstleistungen im Mittelpunkt steht und Eigeninitiative, solidarisches Handeln und Interagieren mit anderen Menschen verdrängt.
Eine Konsumgesellschaft beschränkt sich Kritikern zufolge nicht auf die Beschaffung notwendiger Güter, sondern trachtet danach, das Konsumieren zum Erlebnis zu machen. Während es zunehmend schwieriger wird, Gebrauchsartikel abseits der Massenware zu finden, locken Handel und Industrie mit „Einkaufserlebnissen“ in Form von Berieselungsmusik, längeren Öffnungszeiten und Einkaufszentren mit Parkplatz und Kinderbetreuung. Die Freizeit wird ebenfalls mit standardisierten und berechenbaren Erlebnissen ausgefüllt, etwa mit Besuchen in „Erlebnisparkss“ oder mit Grenzerfahrungen beim „Bungee-Jumping“. Eine Auslandsreise reduziert sich auf einen Aufenthalt in einem Ferienclub, in dem man sich „animieren“ lässt anstatt außerhalb des eingezäunten Geländes auf Entdeckungsreise zu gehen. Die Fremdenverkehrsgemeinden vermarkten Landschaft und Tradition, und selbst das Verweilen am Meeresstrand wird zum Konsumartikel, für den man Eintritt zahlen muss.
Der ungebremste Ausbau der alpinen Skigebiete zur Befriedigung des Freizeitkonsums oder die dichte Besiedelung von Flussufern zur Befriedigung des Bedürfnisses nach dem eigenen Häuschen hat in den letzten zehn Jahren zu mehreren Überschwemmungen geführt und den Gegensatz zwischen Konsumgesellschaft und umweltgerechter Lebensweise sichtbar gemacht.