Konstruktivismus (Philosophie)
| Inhaltsverzeichnis |
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2 Erlanger Konstruktivismus 3 Vergleich 4 Siehe auch 5 Links zur Abgrenzung 6 Literatur zur Abgrenzung |
Radikaler Konstruktivismus
Vertreter: Humberto Maturana, Francisco Varela, Ernst von Glasersfeld, Heinz von Foerster und Gerhard Roth
Der Radikale Konstruktivismus vertritt als allumfassende Kernthese, dass "wir uns die Welt (kognitiv) konstruieren". Der Radikale Konstruktivismus hat folgende Varianten produziert:
Erlanger Konstruktivismus
Vertreter: Wilhelm Kamlah/Paul Lorenzen, Christian Thiel u.a.
Der Erlanger Konstruktivismus umfasst die Projekte einer von Missverständnissen freien Wissenschaftssprache, dialogische Logik, konstruktive Mathematik, Protophysik und eine darauf aufbauende Theorie von Gesellschaft und Technik. Kern des Erlanger Konstruktivismus ist die zirkelfreie und nachvollziehbare Konstruktion von Begriffen. Folgende Schulen haben sich aus dem Erlanger Konstruktivismus entwickelt:
- Konstanzer Schule Jürgen Mittelstraß, Friedrich Kambartel und viele andere gründen in Konstanz in den 1970er Jahren eine geschichtlich und enzyklopädisch orientierte Philosophie und Wissenschaftstheorie;
- Dialogischer Konstruktivismus (Kuno Lorenz, Wilhelm Kamlah Philosophische Anthropologie);
- Marburger Schule (Peter Janich pragmatisch-operationalistischer Kulturalismus). Janich nimmt eine Umbenennung von Erlanger Schule in Methodischen Konstruktivismus vor und arbeitet später in Marburg einen methodischen Kulturalismus aus.
- Argumentationstheorie. Von Carl Friedrich Gethmann, Harald Wohlrapp und Holm Tetens wird im Anschluss an die Erlanger Schule eine Argumentationstheorie entwickelt.
Vergleich
Obwohl sie den gleichen Namen teilen, sind die Motive der beiden Hauptformen des Konstruktivismus verschieden. Der Radikale Konstruktivismus versteht sich in erster Linie als Kritik des naiven Realismus. Er setzt jenem einen Relativismus entgegen, der Objektivität zur Unmöglichkeit erklärt. Tendenzen zum Solipsismus sind vorhanden, dennoch grenzt sich der Radikale Konstruktivismus von diesem klar ab. Der Erlanger Konstruktivismus wiederum macht sich die nachvollziehbare Konstruktion von Begriffen zum Programm und ist bestrebt der Wissenschaft jegliche sprachlichen Missverständnisse insbesondere durch eine Erarbeitung von Dialogischer Logik und Protophysik auszutreiben. Der Radikale Konstruktivismus beschränkt sich also auf Kritik, wohingegen der Erlanger Konstruktivismus ein Wissenschaftsprogramm ist.Siehe auch
- Konstruktivismus
- Konstruktivismus (Lernpsychologie)
- Sozialkonstruktivismus
- Konstruktivismus (Kunst)
- Konstruktivismus (Politologie)
Links zur Abgrenzung
- Bochumer Arbeitsgruppe für sozialen Konstruktivismus und Wirklichkeitsprüfung
- Konstruktivismus
- Gemeinsamkeiten zwischen Radikalem Konstruktivismus und Erlanger Konstruktivismus? - Ein Aufsatz von Walter Zitterbarth
Literatur zur Abgrenzung
Peschl, M. F. (ed.) (1991) Formen des Konstruktivismus in der Diskussion. Wien: WUV–Universitätsverlag.