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Konrad Lorenz

Konrad Zacharias Lorenz (* 7. November 1903 in Wien, † 27. Februar 1989 in Wien) war einer der wichtigsten Vertreter der so genannten klassischen vergleichenden Verhaltensforschung. Er selbst nannte dieses Forschungsgebiet bis 1949 "Tierpsychologie" und wird in Deutschland als dessen Gründervater angesehen; der "Spiegel" bezeichnete ihn einmal als den "Einstein der Tierseele". Für seine Leistungen wurde ihm 1973 gemeinsam mit Karl von Frisch und Nikolaas Tinbergen der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin zugesprochen: für ihre Entdeckungen betreffend den Aufbau und die Auslösung von individuellen und sozialen Verhaltenselementen (im Original: "for their discoveries concerning organization and elicitation of individual and social behaviour patterns").

Inhaltsverzeichnis
1 Von der Gans zum Ganzen
2 Werdegang
3 Konrad Lorenz' Karriere im Nationalsozialismus
4 Die wissenschaftliche Bedeutung von Konrad Lorenz innerhalb der Verhaltensforschung
5 Werke
6 Literatur
7 Konrad Lorenz zum Anhören
8 Zitate
9 Weblinks

Von der Gans zum Ganzen

Zur Veranschaulichung seiner Grundüberzeugung, das Verhalten der Tiere werde vor allem durch innere Instinkte und weniger durch äußere Auslöser gesteuert, entwickelte Konrad Lorenz ein (gegen Reflex-Theoretiker und gegen behavioristische Anschauungen opponierendes) anschauliches und daher Jahrzehnte lang akzeptiertes psychohydraulisches Instinktmodell: Instinktenergien können sich diesem Modell zufolge - ähnlich wie das Wasser in einem Wasserleitungsnetz - in bestimmten Bahnen ausbreiten, aufstauen und überlaufen. Heute gilt diese Theorie unter Verhaltensforschern als überholt und wurde u.a. ersetzt durch soziobiologische, verhaltensökologische und an der Computertechnik orientierte Modelle.

Konrad Lorenz wurde in den 1950er Jahren weit über die Grenzen seines Fachgebietes hinaus bekannt, als er seine Studien (u.a. an Graugänsen), verpackt in unterhaltsame und anekdotenreiche Tiergeschichten, auch für naturwissenschaftliche Laien, ja sogar für Kinder zugänglich machte. Seit den 1960er Jahren stieg seine Bekanntheit durch diverse engagierte populärwissenschaftliche Publikationen - u.a. "Das sogenannte Böse" (1963) und "Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit" (1973) - weiter an: mit der Folge, dass er in der Öffentlichkeit zunehmend als Kulturpessimist und Philosoph wahrgenommen wurde; geprägt sind diese Schriften von seiner tiefen Überzeugung, dass auch das Verhalten des Menschen sehr weitgehend durch biologische, stammesgeschichtliche Vorgaben bestimmt wird. Immer wieder und heftig kritisiert wurde Konrad Lorenz, weil er häufig einzelne Phänomene aus der Tierwelt unmittelbar auf menschliche Handlungsweisen übertrug und gleichzeitig menschliche Eigenschaften ohne jede experimentelle oder sonst nachvollziehbare Begründung in Analogie zu einzelnen Phänomenen aus dem Tierreich setzte ("Anthropomorphismus").

Werdegang

Konrad Lorenz' Karriere im Nationalsozialismus

Am 31. August 1940 wurde Konrad Lorenz zum Professor am Lehrstuhl für Psychologie der Philosophischen Fakultät der Universität Königsberg (Ostpreußen) ernannt. Eine wesentliche Rolle spielte hierbei der Soziologe Arnold Gehlen. Dieser hatte 1936 gefordert, Immanuel Kant, Hegel und Fichte zur Basis des Rassenverständnis im Nationalsozialismus zu machen. 1938 übernahm Gehlen den renommierten Kant-Lehrstuhl an der Universität Königsberg, auf dem ihm Konrad Lorenz nachfolgte, nachdem Gehlen an die Universität Wien gewechselt war. Aus dieser Zeit (1941) stammt auch ein Artikel von Konrad Lorenz über „Kants Lehre vom Apriorischen im Lichte gegenwärtiger Biologie“, dessen Gedankengänge er in den 1960er-Jahren zur Evolutionären Erkenntnistheorie ausbaute.

Jede Berufung von Hochschullehrern war um 1940 ein Politikum, aber bei Lorenz paarten sich fachlichen Kompetenz und „politische Qualifikation“ nachgerade optimal, da Lorenz gegenüber dem NS-Regime genügend große Vorleistungen erbracht hatte und auch in Biologenkreisen anerkannt war.

Schon in seinem Antrag auf Mitgliedschaft in der NSDAP hatte er sich als besonders engagiert dargestellt (Wortlaut siehe unten, Zitat 1), und aus Lorenz' Berufungsakten geht hervor, dass er „Mitarbeiter des Rassenpolitischen Amtes mit Redeerlaubnis“ war. 1939/40 hatte er zudem mehrere Aufsätze geschrieben, deren ideologische Nähe zum rassistischen Gedankengut des NS-Regimes derart auffällig war, dass sie schon damals von seinen Fachkollegen als bewusste Anbiederung und als „Selbstgefährdung als Wissenschaftler“ empfunden wurden. So beklagte Lorenz in der vor allem von Lehrern herangezogenen Zeitschrift „Der Biologe“, es gelte, die durch „Mangel einer natürlichen Auslese entstehenden Verfallserscheinungen an Volk und Menschheit“ rechtzeitig zu bekämpfen (Wortlaut siehe unten, Zitat 2). Ab 1941 wurden solche Gedankengänge in Auschwitz grausige Realität.

Eine weitere Veröffentlichung von 1940 kann noch eindeutiger als wissenschaftliche Unterfütterung der rassistischen Gesetze der deutschen Nazi-Regierung gelesen werden. In dieser erörtert Lorenz u.a. die Notwendigkeit einer „Ausmerzung ethisch Minderwertiger“ und sagt voraus: „Versagt diese Auslese, mißlingt die Ausmerzung der mit Ausfällen behafteten Elemente, so durchdringen diese den Volkskörper in biologisch ganz analoger Weise und aus ebenso analogen Ursachen wie die Zellen einer bösartigen Geschwulst“ (zitiert nach: Taschwer/Föger 2003, S. 91; vergl. auch Zitat 3 unten): Eine Wortwahl, die er 1973 wieder aufgriff (siehe unten, Zitat 4)

Die US-amerikanische Wissenschaftshistorikerin Theodora Kalikow hat 1980 Lorenz' ideologische Nähe zum NS-Regime als „bewussten Opportunismus“ bezeichnet und deren fachlich-biologisierende Basis so beschrieben:

Die daraus von ihm abgeleitete Schlussfolgerung, krankes Erbmaterial müsse zur Erhaltung einer lebenstüchtigen Zivilisation ausgesondert werden, bildeten bis zu seinem Tode den Kern seines biologisch determinierten Gesellschaftsverständnisses - erkennbar u.a. daran, dass seine 1943 veröffentlichte, umfangreiche Begründung dieser Anschauung noch in den 1960er Jahren auf der Einbandrückseite seiner populärwissenschaftlichen dtv-Bücher als "Hauptwerk" bezeichnet wurde. Seine Mitgliedschaft in der NSDAP leugnete er mit dem naiven Hinweis, er habe nie einen Mitgliedsausweis besessen und räumte allenfalls ein, sich in seinen Aufsätzen der 1940er-Jahre „in der uns heute mit Recht verhaßten Sprache des Naziregimes“ ausgedrückt zu haben. In einem Gespräch mit der Wiener Abendzeitung betonte er 1973 aber zugleich die Kontinuität seiner Grundüberzeugungen: „Es ging mir darum zu zeigen, daß die zunehmende Domestikation des Menschen seine Menschlichkeit bedroht. Dieses Problem, das mich auch heute noch intensivst beschäftigt, hat sich mir damals zum erstenmal aufgedrängt.“ (nach Taschwer/Föger 2003, S. 234) Die von ihm beobachtete wachsende Jugend-Kriminalität deutete er als Zeichen eines genetischen Verfalls (siehe unten, Zitat 4). 1988 empfand Lorenz gar eine offenbar evolutionsbiologisch motivierte „Sympathie für Aids" (siehe unten, Zitat 5).

Auch die US-amerikanische Wissenschaftshistorikerin Theodora Kalikow kam zu dem Schluss, „daß die grundlegenden ideologischen Elemente“ von Lorenz ungebrochen in die Nachkriegszeit transferiert wurden: „Somit haben jene Ethologen, Soziobiologen und populärwissenschaftlichen Autoren, die sich Lorenz‘ biologistische Anschauung der Gesellschaft zunutze gemacht haben, auch – bewußt oder unbewußt – ihre totalitaristischen Implikationen akzeptiert, daß nämlich die erfolgreiche Gesellschaft genetisch und politisch manipuliert werden muß.“ (Kalikow 1980, S. 210)

Die wissenschaftliche Bedeutung von Konrad Lorenz innerhalb der Verhaltensforschung

Konrad Lorenz gilt heute zu Recht als einer der Mitbegründer der Biologie des Verhaltens und als ihr wichtigster Vorkriegstheoretiker. Er bündelte in den 1930er-Jahren die Tierbeobachtungen diverser Forscher in einer griffigen, physiologischen Theorie der Instinktbewegungen und bahnte so ab 1937 den Weg für Verhaltensexperimente sowie für das Vergleichen von Verhaltensweisen auch zwischen unterschiedlichen Arten. "Der grundlegend neue Ansatz, den Lorenz mit dieser Theorie in die Verhaltensforschung hineingetragen hat, liegt in der Annahme, dass sich in den vielfältig und variabel erscheinenden komplexen Verhaltensabläufen der Tiere gleichartig aufgebaute Grundbausteine des Verhaltens, die Erbkoordinationen oder Instinktbewegungen, identifizieren lassen. (...) Im Gegensatz zu der Anfang der dreißiger Jahre noch weitgehend akzeptierten Ansicht, dass tierisches Verhalten rein reaktiv sei, betont Lorenz die Spontaneität tierischen Verhaltens, speziell der Instinktbewegung." (Zippelius 1992, S. 6) Lorenz selbst sah in Oskar Heinroth den Urvater der Ethologie, und in Nordamerika wird diese Rolle William Morton Wheeler zugeschrieben.

Lorenz' Bedeutung liegt ferner darin, dass er, deutlicher als andere Forscher vor ihm, in seinen wissenschaftlichen Arbeiten den Blick auf zwei genetische Besonderheiten gelenkt hat: auf angeborene Auslöser für Verhaltensweisen ("Schlüsselreize" und "angeborene Auslösemechanismen", AAM) sowie auf eine bei diversen Tierarten nachweisbare Entwicklungsphase, in der eine gleichsam unwiderrufliche "Prägung" möglich ist.

Andererseits liegt Lorenz' wissenschaftliche Bedeutung mindestens ebenso darin begründet, dass er ganz wesentlich dazu beitrug, die Verhaltensbiologie (er selbst nannte das Gebiet bis 1949 oft auch "Tierpsychologie") als eigenständiges Forschungsgebiet an den deutschen Hochschulen zu etablieren und diese Fachrichtung überdies ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Hierzu trugen vor allem seine diversen, seit 1949 erschienenen und auch heute noch gut lesbaren Tiergeschichten bei, in denen er - anders als die meisten Sachbuchautoren vor ihm - das Verhalten der Tiere aus ihrer jeweils eigenen Sichtweise zu schildern sich bemühte (statt ihr Verhalten aus dem Blickwinkel des Menschen zu schildern). Seine Instinkttheorie des Verhaltens regte zwischen 1935 und 1970 zudem zahlreiche Wissenschaftler zu Forschungsarbeiten an, da diese Theorie ein Erklärungsmodell bot, das man in empirischen Studien überprüfen konnte.

Viele Deutungsversuche von Verhaltensweisen der Tiere, die Konrad Lorenz veröffentlichte, halten jedoch heutigen wissenschaftlichen Kriterien nicht stand, und seine Instinkttheorie wird heute von keinem ernsthaften Verhaltensforscher mehr als Arbeitshypothese benutzt. Schon seit Mitte der 1970er-Jahre rückten immer mehr Forscher von Lorenz' Instinkttheorie ab und wandten sich zunehmend verhaltensökologischen und neurobiologischen Fragestellungen zu - es gab kaum offensive Kritik an den Lorenz'schen Arbeiten, man zog sie einfach nicht mehr als Arbeitshypothese heran; Lorenz-Schüler Wolfgang Wickler diskreditierte die Instinkttheorie kurzerhand als "modernes Phlogiston". Erst 1992/93 kam es zu einer nennenswerten öffentlichen Debatte, als die Bonner Verhaltensforscherin Prof. Hanna-Maria Zippelius diverse klassische Verhaltensstudien wiederholte und hierbei nachwies, dass von einer glaubwürdigen experimentellen Grundlage der Arbeitsergebnisse von K. Lorenz (und auch von Nikolaas Tinbergen!) nicht gesprochen werden kann. Einige Ergebnisse der Studien von H. M. Zippelius (siehe unten, Sekundärliteratur und Link-Verweise) legen dabei sogar den Verdacht nahe, dass Lorenz und Tinbergen experimentelle Daten selektiv veröffentlichten oder wegließen, damit sie zu ihrer Theorie "passten".

Lorenz' Instinkttheorie des Verhaltens entstand in den 1930er Jahren auf der Basis relativ weniger und zudem anfangs eher anekdotisch interessanter Tierbeobachtungen. Es fehlte - vergleichbar mit den Theorien Sigmund Freuds - von Beginn an eine breite empirische Unterfütterung. Daher wurde die Instinkttheorie zu einem herausragenden Beispiel für das Erzeugen von Pseudoerklärungen innerhalb einer Wissenschaftsdisziplin: So ist beispielsweise die so genannte Übersprungbewegung eine unmittelbare Folge der Lorenzschen Grundannahme, im Konfliktfall setze sich jeweils der "stärkere" von zwei gleichzeitig aktivierten Instinkten im Verhalten durch; da jedoch der Fall zweier genau gleich stark aktivierter Instinkte denkbar ist, musste der Instinkttheorie eine Art Kompromiss für diesen Spezialfall beigegeben werden - die "Übersprungbewegung" ist somit eher eine Konsequenz (!) der Theorie als das Ergebnis empirischer Befunde. Die (sehr wenigen) "empirischen Belege" wurden dann rasch "entdeckt", oder genauer gesagt: Bestimmte Beobachtungen wurden im Licht der theoretischen Annahmen entsprechend gedeutet.

Obsolet geworden ist die Lorenz'sche Instinkttheorie allerdings nicht in erster Linie aufgrund solcher wissenschaftstheoretischer Mängel, sondern weil die moderne Hirnforschung keinerlei physiologisches Korrelat zu den unterstellten Instinkten auffinden konnte. Wie seine Biographen K. Taschwer und B. Föger hervorheben, kamen seine Untersuchungsmethoden "aber auch deshalb aus der Mode, weil sie jahrelange Beobachtungen voraussetzten - im Zeitalter des publish or perish ein Ding der Unmöglichkeit."

Werke

Literatur

Konrad Lorenz zum Anhören

Konrad Lorenz spricht u.a. über "wertphilosophische Aspekte der Evolution"; über moral-analoges Verhalten geselliger Tiere; und mit Erich von Holst über das Entstehen tierischen Verhaltens.

Zitate

Wikiquote hält .
  1. Lorenz' Begründung in seinem NSDAP-Aufnahmegesuch vom 28. Juni 1938: „Ich war als Deutschdenkender und Naturwissenschaftler selbstverständlich immer Nationalsozialist und aus weltanschaulichen Gründen erbitterter Feind des schwarzen Regimes (nie gespendet oder geflaggt) und hatte wegen dieser auch aus meinen Arbeiten hervorgehenden Einstellung Schwierigkeiten mit der Erlangung der Dozentur. Ich habe unter Wissenschaftlern und vor allem Studenten eine wirklich erfolgreiche Werbetätigkeit entfaltet, schon lange vor dem Umbruch war es mir gelungen, sozialistischen Studenten die biologische Unmöglichkeit des Marxismus zu beweisen und sie zum Nationalsozialismus zu bekehren. Auf meinen vielen Kongreß- und Vortragsreisen habe ich immer und überall mit aller Macht getrachtet, den Lügen der jüdisch-internationalen Presse über die angebliche Beliebtheit Schuschniggs und über die angebliche Vergewaltigung Österreichs durch den Nationalsozialismus mit zwingenden Beweisen entgegenzutreten. Dasselbe habe ich allen ausländischen Arbeitsgästen auf meiner Forschungsstelle in Altenberg gegenüber getan. Schließlich darf ich wohl sagen, daß meine ganze wissenschaftliche Lebensarbeit, in der stammesgeschichtliche, rassenkundliche und sozialpsychologische Fragen im Vordergrund stehen, im Dienste Nationalsozialistischen Denkens steht!“ (zitiert nach: Taschwer/Föger 2003, S. 84-85)
  2. "Mangel einer natürlichen Auslese": „Ob wir das Schicksal der Dinosaurier teilen, oder ob wir uns zu einer ungeahnten, unserer heutigen Gehirn-Organisation vielleicht gar nicht erfaßbaren Höherentwicklung emporschwingen, ist ausschließlich eine Frage der biologischen Durchschlagskraft und des Lebenswillens unseres Volkes. Im Besonderen hängt gegenwärtig die große Entscheidung wohl von der Frage ab, ob wir bestimmte, durch den Mangel einer natürlichen Auslese entstehende Verfallserscheinungen an Volk und Menschheit rechtzeitig bekämpfen lernen oder nicht. Gerade in diesem Rennen um Sein oder Nichtsein sind wir Deutschen allen anderen Kulturvölkern um tausend Schritte voraus.“ (zitiert nach: Bäumer 1990, S. 201)
  3. "Ausmerzung ethisch Minderwertiger": „Sollte es mutationsbegünstigende Faktoren geben, so läge in ihrem Erkennen und Ausschalten die wichtigste Aufgabe des Rassepflegers überhaupt (...). Sollte sich dagegen herausstellen, daß unter den Bedingungen der Domestikation keine Häufung von Mutationen stattfindet, sondern nur der Wegfall der natürlichen Auslese die Vergrößerung der Zahl vorhandener Mutanten und die Unausgeglichenheit der Stämme verschuldet, so müßte die Rassenpflege dennoch auf eine noch schärfere Ausmerzung ethisch Minderwertiger bedacht sein, als sie es heute schon ist.“ (zitiert nach Taschwer/Föger 2003, S. 91)
  4. "Parasiten der Gesellschaft": "Das verderbliche Wachstum bösartiger Tumoren beruht, wie schon angedeutet, darauf, daß gewisse Abwehrmaßnahmen versagen oder von den Tumorzellen unwirksam gemacht werden, mittels deren der Körper sich sonst gegen das Auftreten ‚asozialer‘ Zellen schützt. Nur wenn diese vom umgebenden Gewebe als seinesgleichen behandelt und ernährt werden, kann es zu dem tödlichen infiltrativen Wachstum der Geschwulst kommen. Die schon besprochene Analogie lässt sich hier weiterführen. Ein Mensch, der durch das Ausbleiben der Reifung sozialer Verhaltensnormen in einem infantilen Zustand verbleibt, wird notwendigerweise zum. (...) Wenn die fortschreitende Infantilisierung und wachsende Jugend-Kriminalität des Zivilisationsmenschen tatsächlich, wie ich befürchte, auf genetischen Verfallserscheinungen beruht, so sind wir in schwerster Gefahr.“ (Konrad Lorenz, Die Acht Todsünden der Menschheit. München 1973, S. 64)
  5. "Sympathie für Aids": "Es zeigt sich, daß die ethischen Menschen nicht so viele Kinder haben und die Gangster sich unbegrenzt und sorglos weiter reproduzieren." "...gegen Überbevölkerung hat die Menschheit nichts Vernünftiges unternommen. Man könnte daher eine gewisse Sympathie für Aids bekommen." (Konrad Lorenz in einem Gespräch anlässlich seines 85. Geburtstags, in: »Natur«, Nr. 11, München 1988)
  6. "Es ist ein auch unter Erkenntnistheoretikern verbreiteter Irrtum, daß eine Hypothese durch eine einzige oder einige wenige Tatsachen, die sie nicht einzuordnen vermag, endgültig widerlegt werde. Wäre dem so, so wären sämtliche existierenden Hypothesen widerlegt, denn es gibt kaum eine, die allen einschlägigen Tatsachen gerecht wird. All unsere Erkenntnis ist nur eine Annäherung an die außersubjektive Wirklichkeit, die wir zu erkennen trachten, allerdings eine fortschreitende Annäherung. Widerlegt wird eine Hypothese niemals durch eine einzige widersprechende Tatsache, sondern immer nur durch eine andere Hypothese, die mehr Tatsachen einzuordnen vermag als sie selbst. »Wahrheit« ist somit diejenige Arbeitshypothese, die am besten geeignet ist, den Weg zu jener anderen zu bahnen, die mehr zu erklären vermag." (zitiert nach "Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit")

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