Konkurrenz (Wirtschaft)
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Die Gliederung erscheint mir wenig logisch. Da tauchen viele Dinge wiederholt auf. Auch sollte man das Konkurrenzverhalten betriebs- und volkswirtschaftlich trennen. -- 11:19, 7. Apr 2005 (CEST)
Unter Konkurrenz versteht man im ökonomischen Sinne die Intensität des Wettstreits bzw. den Grad an Wettbewerb zwischen verschiedenen Anbietern bzw. Nachfragern auf einem Markt. Die Variationsbreite reicht von Feindschaft (z. B. im kriminellen Milieu und bei mafiösen Wirtschaftsstrukturen) bis hin zu kollegialer Zusammenarbeit (z. B. Preisabsprachen).
Wettbewerbsbegriff
Der Begriff des wirtschaftlichen Wettbewerbs ist weder juristisch noch wirtschaftswissenschaftlich eindeutig definiert.
John Maurice Clark versteht unter Wettbewerb: Ein nie abgeschlossener Prozess, der aus Vorstößen einzelner Pionierunternehmen und aus Verfolgungsaktionen sog. Nachahmer besteht, bei dem vorübergehende Machtpositionen des "Vorreiters" hingenommen, sogar erwünscht sind, weil sich nur dadurch wirtschaftliches Wachstum und technischer Fortschritt erzielen lassen.
Allgemeiner gefasst: Wettbewerb sei das Verhalten selbstständiger Unternehmen, die zum Geschäftsabschluss mit Dritten zu gelangen suchen.
Wettbewerb wird in seiner Urform auch als "Streben mehrerer Personen bzw. Unternehmen nach einem gleichen Ziel in der Absicht, den jeweiligen Konkurrenten zu überholen, jedoch mindestens mit ihm gleich auf zu sein" verstanden.
Ökonomischer Wettbewerb führt zu Konkurrenz.
Konkurrenzarten
- generische Konkurrenz
- Produktformkonkurrenz
- Unternehmenskonkurrenz
- Vollständige oder Totale Konkurrenz
- Produktkategoriekonkurrenz
- Produktartenkonkurrenz
- Markenkonkurrenz
- Vertriebswegekonkurrenz
Konkurrenzverhalten
Das Verhalten der Konkurrenten untereinander ist - auch abseits der Extreme - sehr unterschiedlich und oft branchentypisch. Insbesondere kann es zu Verdrängungskämpfen und "Preiskriegen" kommen. Es kann aber auch ein allgemeines (nicht verabredetes) Stillhalten zu kartellähnlichen Verhältnissen führen.
Im praktischen Geschäft findet Wettbewerb immer nur zwischen sehr wenigen Marktteilnehmern statt. So stehen für den einzelnen Kaufprozess im allgemeinen kaum mehr als fünf Teilnehmer in der Auswahl des potentiellen Kunden. Oft vergleichen "Stammkunden" überhaupt nicht und betrachten Mitbewerber erst bei Unzufriedenheit mit ihrem Stammlieferanten.
Konkurrenz auf der Nachfrageseite kann in (offenen oder verdeckten) Versteigerungen organisiert werden, oder (beim durch den Anbieter festgelegten Preis etwa einer Mietwohnung) durch schnelle Zusagen.
Konkurrenz als Strukturierung des Risikos
Niklas Luhmann sieht den Nutzen wirtschaftlicher Konkurrenz darin, dass sie Risiken strukturieren könne. Wenn ein komplexes System der Wirtschaft Intransparenz und Risiken erzeuge und ein Mangel an Informationen und die Nichtanwendbarkeit mehrwertiger Logik nicht erlaube, mit dieser Situation rational zurechtzukommen, dann bliebe die Beobachtung von Konkurrenten als praktikable Möglichkeit, mit Risiken umzugehen. (N. Luhmann: Die Wirtschaft der Gesellschaft, 1988, Kapitel 3, Abs. IX, S.124; ISBN 3-518-28752-4)Diese These ist dort, wo Konkurrenz nur zwischen wenigen Marktteilnehmern stattfindet, auch eine Warnung. Denn ist die Konkurrenz nicht divers genug, besteht die Gefahr, dass die Strategien der Konkurrenten schnell in einen gemeinsamen Attraktor laufen und keine Strategie überlebt. Ein aktuelles Beispiel sind Banker, die Massenentlassungen bei bereits sehr hohen Profiten mit den noch höheren Profiten von Mitbewerbern rechtfertigen, die ähnlich denken. Die für selbstreferentielle Verhaltensbegründung erforderliche Komplexität und Diversität ist wegen der geringen Zahl von Mitbewerbern nicht ausreichend gegeben.
Selbst bei einer großen Zahl von Mitbewerbern kann die Voraussetzung der Komplexität verschwinden, wenn sie synchronisiert sind, zum Beispiel durch ähnliche Ausbildung, ähnliche Sozialisation oder durch gegenseitigen Abgleich über schnell arbeitende Kommunikationsmittel und Massenmedien usw. Die Synchronisierung erfolgt auch dann, wenn Konkurrenten ähnlich funktionierende softwaregestützten Entscheidungsverfahren einsetzen.
Ein krasses und hinsichtlich der tödlichen Konsequenzen nicht nur anekdotisches Beispiel für ein Versagen von Konkurrenz bei fehlender Diversität sind Spiele, bei denen zwei Wettbewerber mit ihren Autos auf eine Klippe zurasen. Wer zuerst bremst, verliert. Im Anglosächsischen ist single-minded ein positiv besetzter Begriff, jedoch führt er hier zur Ausschaltung der Konkurrenz in einer trotzdem bestehenden Konkurrenzsituation. Diese ist bereits die Struktur des Risikos; die Konkurrenten strukturieren mangels fehlender Diversität ihres Denkens das Risiko nicht mehr selbst in einer ihr Überleben fördernder Weise. In dieser Situation dient Konkurrenz nicht der Strukturierung des Risikos, sondern ist die Ursache des Risikos.
Dies ist ein Beispiel dafür, dass die Begründung für das Wirkenlassen von Konkurrenz die Voraussetzungen berücksichtigen muss, unter denen Konkurrenz Risiko zu strukturieren hilft.
Kosten und Nutzen von Konkurrenz
Im marktwirtschaftlichen Modell führt (offener, informierter) Wettbewerb zur fairen Preisbildung und zur optimalen Verwendung von Ressourcen. Wenn Konkurrenz in der Wirtschaft bewirkt, dass der Verbraucher bessere Produkte zu niedrigeren Preisen erhält, so hat sie einen Nutzen für den Verbraucher.Konkurrenz verursacht auch Kosten. Konkretes Beispiel: Heute werden Telefonleitungen auch für Breitbandkommunikation über DSL verwendet. Um Wettbewerb zu ermöglichen, müssen in vielen Ländern die Betreiber von öffentlichen Telefonleitungen und Telefoneinrichtungen privaten Unternehmen, die DSL anbieten, Zugang zu ihren Telefonleitungen gewähren. Eine Trennung der Märkte für die traditionelle Telefontechnik und der Märkte für DSL-Technik wurde strukturpolitisch gefördert, um im DSL-Bereich einen freieren Markt zu ermöglichen. Wird auf eine Telefonleitung DSL aufgeschaltet, müssen die Einrichtungen für DSL z.B. neben den lokalen Vermittlungsstellen montiert werden. Weitere Kosten entstehen durch elektromagnetische Bauteile, die bei der Verbindung der Systeme nötig werden.
Alternativ dazu ist es technisch jedoch möglich, in den lokalen Vermittlungsstellen die Telefonleitungstreiberkarten gegen moderne Baugruppen auszutauschen, in denen Telefonfunktionen und DSL-Funktionen weitestgehend integriert sind und in denen Ressourcen gemeinsam besser genutzt werden können. Die Kopplung von Telefon und DSL erfolgt auf digitaler Ebene in einem Chip. Viele zusätzliche Bauteile und zusätzliche Infrastruktur entfallen. Durch solch eine Integration lassen sich die Kosten für die Kombination von Telefon und DSL mehr als halbieren. Aber die Integration von Telefon und DSL erschwert die Trennung des DSL-Marktes vom Telefonmarkt. In vielen Ländern hat sich darum nie ein bedeutender Markt für derart hochintegrierte Lösungen entwickeln können. Die Kosten, die sich durch technische Integration einsparen ließen, sind hier die Kosten des Konkurrenzerhalts. Irgend jemand (Anbieter, seine Arbeitnehmer, Kunden usw.) muss das bezahlen.
Konkurrenz ist ein Faktor, der neue Technologien wie DSL erst hervorbringt und ihre Einführung beschleunigt. Ohne Konkurrenz hätte zum Beispiel ein Monopolist versuchen können, DSL zu verzögern, um Investitionen in ISDN zu schützen. Und die Telefongebühren wurden politisch gestaltet. Das Telefonieren war deutlich teurer als heute. Obwohl zum Beispiel zusätzliche Kabelverlegung durch Konkurrenten zusätzliche Kosten bedeuten, sanken die Preise.
Ein Nutzen von Konkurrenz liegt also darin, Innovation voranzutreiben. Der frühere Monopolist Bundespost erlaubte z.B. keine schnurlosen Telefone, die in anderen Ländern schon eine Selbstverständlichkeit waren. Andererseits trug er zusammen mit anderen europäischen Netzbetreibern dazu bei, dass die Technik (DECT) für schnurlose Telefone zuverlässiger und störungsfreier war, als in Ländern mit einfachen analogen Systemen. Bei DSL wiederum führte Konkurrenz der privaten Unternehmen dazu, dass auf Telefonleitungen Datenraten übertragen werden können, die die Leistung von ISDN um Größenordnungen übertreffen.
Allgemein formuliert: Bei der Bewertung aller Aspekten der Konkurrenz sind Kosten und Nutzen miteinander zu vergleichen. Ob und wieviel Konkurrenz nützt oder ob koordinierte Kooperation zu von den Menschen erwünschteren Ergebnissen führen würde, kann zum Teil mit Verfahren und Erkenntnissen aus der Optimierungsrechnung und der Spieltheorie bewertet werden. Bei dieser Bewertung spielen auch wirtschaftspolitische Überzeugungen eine bedeutende Rolle.
Wettbewerbsvorteile
Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz zu erlangen, ist das Bestreben der Marktteilnehmer. Diese Wettbewerbsvorteile können Preisvorteile sein, aber auch in der besonderen Qualität der Produkte bzw. Dienstleistungen liegen. Termintreue, Freundlichkeit der Mitarbeiter, Zuverlässigkeit in Zusagen, Verfügbarkeit der Waren usw. können solche Wettbewerbsvorteile darstellen. Genießt ein Produkt oder ein Anbieter besonderes Vertrauen bzgl. einiger oder vieler dieser Merkmale, so spricht man von einer starken Marke unabhängig vom rechtlichen Schutz derselben.
Wettbewerbsvorteile können grundsätzlich in drei Kategorien eingeteilt werden
- Prozessorientierte Vorteile bringen Kostenvorteile
- Kundenorientierte Vorteile erlauben ein sehr schnelles Einstellen auf veränderte Kundenwünsche
- Technikorientierte Vorteile ermöglichen das Angebot der technisch fortgeschrittensten und ausgereiftesten Produkte
Alte und neue Wettbewerber
Der Klassiker des Marketing, Michael Porter, beschreibt fünf "Treibkräfte des Wettbewerbs", nämlich
- Mitbewerber innerhalb der Branche,
- Potentielle neue Mitbewerber,
- Lieferanten, die die Vermarktung selbst übernehmen wollen,
- Abnehmer, die die Produktion selbst übernehmen wollen,
- Ersatzprodukte, die "unser" Produkt überflüssig machen.
Kartelle
Kartelle schalten den Wettbewerbscharakter des Marktes aus, indem Absprachen über Konditionen (nicht nur über Preise) getroffen werden.
Solche Kartelle können gesetzlich vorgeschrieben sein und heißen dann meist Monopol, weil eine staatliche "Monopolverwaltung" zu festgelegten Konditionen Waren an- und wieder verkauft. Ein Beispiel hierfür ist das staatliche Branntweinmonopol.
Kartelle können in der Bundesrepublik Deutschland auch vom Bundeskartellamt zugelassen werden. Sie beschränken sich dann meist auf bestimmte Aspekte des Marktes wie zum Beispiel Flaschenformen für Getränke oder Allgemeine Vertragsbedingungen für eine Branche. (Bitte noch durch Regelungen in Österreich und der Schweiz ergänzen)
Unzulässig sind Kartelle, wenn sie ohne Genehmigung des Kartellamts operieren. In der Praxis gibt es unzulässige Absprachekartelle zum Beispiel im Bauwesen zum Erlangen öffentlicher Aufträge.
In Kammern werden für bestimmte Berufsgruppen (unter anderem Ärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater) die Preise ("Gebühren") und die Leistungen festgesetzt. De facto handelt es sich hier ebenfalls um Kartelle.
Gleichwohl gibt es auch unter Kartellbetrieben Konkurrenz, die allerdings nicht über die vereinbarten gemeinsamen Konditionen ausgetragen wird. Konkurrenz ist die Grundlage der Freien (liberalen) Wirtschaft.
Weblinks
Siehe auch
Substitutionskonkurrenz, Ausschreibungskonkurrenz, Marketing, Wettbewerbsrecht, Schöpferische Zerstörung