Kojiki
Das Kojiki wurde von Ō no Yasumaro, einem Schriftgelehrten bei Hofe, um das Jahr 712 als Auftragsarbeit für die japanische Regierung angefertigt. Es beruht auf den auswendig gelernten Kenntnissen des/der Traditionsmeister/in Hieda no Are. Unklar ist allerdings, ob Hieda no Are ein Mann oder eine Frau war, der Name lässt beide Möglichkeiten zu.
Das Kojiki beschreibt die Entstehung des Himmels und der Erde (also Japan), die vom Urgötterpaar Izanagi und Izanami „gezeugt“ wurden. Die bekanntesten Kinder des Urgötterpaares sind die Sonnengöttin Amaterasu und ihr Bruder Susanoo, der teilweise als Mondgott, teilweise als Trickster-Gestalt auftritt und nach einem Konflikt mit seiner Schwester auf die Erde und schließlich ins Totenreich hinabsteigt. Auch Amaterasus Enkel Ninigi steigt zur Erde herab und begründet die Dynastie der japanischen Tennō (die ihren Stammbaum bis heute in direkter Linie auf die Sonnengöttin zurückführen). Der Rest des Werkes ist den Regierungsperioden der einzelnen Tennos gewidmet, doch auch hier sind die meisten Erzählungen wohl eher dem mythologischen Bereich zuzuordnen.
Im Jahr 720 entstand das Nihonshoki, ein Werk ähnlichen Inhalts, das aber auf Chinesisch geschrieben, ausführlicher und stärker an realen historischen Daten orientiert ist. Das Nihonshoki galt lange als die bedeutendere Quelle. Erst durch die Studien von Motoori Norinaga (1730-1801), durch die vor allem die urtümliche Sprache des Kojiki hervorgehoben wurde, erfuhr dieses Werk eine neue Wertschätzung.
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