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Kleinlitauen

Kleinlitauen (litauisch Mažoji Lietuva) ist ein Landesteil Litauens im äußersten Westen des Landes, an der Ostsee. Ein weiterer Teil des historischen Kleinlitauen streckte sich entlang der damaligen preußischen Ostgrenze bis hinunter nach Goldap. Dieser gehört heute weitgehend zur Oblast Kaliningrad, einer russichen Exklave.

Als Memelland wurde zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg der Landesteil des damaligen Ostpreußens bezeichnet, der nördlich der Memel gelegen ist und seit 1918/23 zu Litauen gehört, also der heute litauische Teil des historischen Kleinlitauen. Die größte Stadt Kleinlitauens ist Klaipėda/Memel. Von der heutigen litauischen Bevölkerung wird das früher "Memelland" genannte Umland von Klaipėda meistens als integraler Bestandteil Niederlitauens angesehen.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs lebten hier viele Deutsche, heute bildet die Region einen Schwerpunkt der russischen Minderheit in Litauen. In rechtsgerichteten litauischen Kreisen wird auch häufig die heutige russische Oblast Kaliningrad als Bestandteil eines historisch größeren "Kleinlitauen" angesehen.

Geografie

Zum Memelland gehört die moränenreiche Landschaft direkt nördlich der Fluss von Schmalleningken/Šmaleninkiai bis zur Ostseeküste einschließlich der nördlichen Kurischen Nehrung (heutige Stadt Neringa) und der Region um die Stadt Klaipėda (Memel)).

Geschichte

Vor der Zugehörigkeit des späteren Memellandes zu einem Staat waren lose verbundene baltische Stämme dort sesshaft, die mit Litauern im Osten und Slawen im Süden Handelsbeziehungen unterhielten. Nach dem Festungsbau bei der Stadt Memel und der Eroberung des Umlandes durch den Deutschen Orden wurde das Memelland etwa 1328 Teil des Ordensstaats und nach der Reformation dann des Herzogtums Preußen. Mit dem Königreich Preußen kam es dann 1871 zum Deutschen Reich.

Die Grenze zwischen dem ostpreußischen Landesteil um die Memel und Litauen blieb von 1422 bis 1920 weitgehend unverändert, eine im Vergleich zum übrigen Europa seltene Konstellation (siehe z.B. erste Strophe des Lieds der Deutschen aus dem 19. Jahrhundert: Von der Maas bis an die Memel...).

Nach dem Ersten Weltkrieg trennte der Vertrag von Versailles in seiner Festlegung der neuen Grenzen Ostpreußens (Artikel 28) das von nun an in Deutschland "Memelland" genannte Gebiet ohne Abstimmung vom Deutschen Reich ab. Deutschland musste sich außerdem bereit erklären, eine später von den Alliierten zu treffende staatliche Zugehörigkeit des Memellandes anzuerkennen (Artikel 99). Diese Abtrennung erfolgte aufgrund der litauischsprachigen Minderheit, den so genannten Kleinlitauern.

Seit 1920 war das Memelland unter französischer Verwaltung (Schutzherrschaft), da Litauen als Staat nicht international anerkannt war. Im Januar 1923 ergriffen nationalistische Litauer und Freischärler unter Leitung von Erdmann Simonaitis die Macht in Kleinlitauen, als Deutschland durch die Besetzung des Ruhrgebiets durch Frankreich und Belgien geschwächt war. Diese Annektion wurde in der Memelkonvention vom Völkerbund anerkannt, allerdings wurde eine Autonomie des Memellandes innerhalb Litauens verlangt. Wahlen im Memelland erbrachten hohe Stimmenanteile (etwa 80%) für die deutschen Parteien, so dass 1926 per Kriegsrecht die Autonomie weitgehend aufgehoben wurde.

Im März 1939 wurde das Memelland nach intensivem Druck Deutschlands wieder Teil des Deutschen Reiches. Obwohl vorwiegend von der deutschen Bevölkerung erwünscht, waren auch viele (Klein)litauer von der Politik Litauens enttäuscht und unterstützten die Rückkehr zu Deutschland.

Mit Ankunft der Roten Armee am Ende des Zweiten Weltkrieges fiel Kleinlitauen unter sowjetischen Besatzung. Es wurde der litauischen Sowjetrepublik angegliedert, und bildet seit dem Zerfall der UdSSR den Hauptteil der litauischen Küstenregion.

Die Bevölkerung Kleinlitauens ist seit Flucht und Vertreibung der deutschsprachigen Bewohner am Ende des Zweiten Weltkriegs sowie einer folgenden innersowjetischen Umsiedlung verstärkt aus Menschen des restlichen Litauens sowie Russlands zusammengesetzt. Alteingesessene Kleinlitauer und Deutsche gibt es nur noch recht wenige. Dadurch ist das seit der Reformation evangelisch geprägte Gebiet heute vorwiegend katholisch geworden.

Weblinks



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