Hauptseite | Deutsche Enzyklopädie

Klassizismus

Klassizismus ist in der Kunstgeschichte ein Name für eine Stilepoche, in der die Nachahmung des klassischen Altertums (Antike) zum Programm erhoben wird.

Die Abgrenzung dieser Epoche ist nicht einfach. So bezeichnet man beispielsweise die Baukunst Palladios (1508 bis 1580) als Klassizismus, ebenso die Kunst Frankreichs, Hollands und Englands im 17. Jahrhundert. Tatsächlich gibt es seit der Renaissance (die ja selbst eine Interpretation der antiken Kunst darstellt) eine klassizistische Unterströmung, die auch in der Zeit des Barock immer wirksam bleibt (Barock-Klassizismus), wofür die Bildhauerei Donners und seiner Nachfolger ein gutes Beispiel bietet. Besonders in Frankreich ist ein klassizistischer Grundgeschmack (Goût classique) das ganze 17 und 18. Jahrhundert über hegemonial.

Hauptsächlich aber wird als 'Klassizismus' eine Epoche der gesamten Kunstgeschichte im späten 18. Jahrhundert und frühen 19. Jahrhundert (etwa zwischen 1770 und 1830) bezeichnet, die die (vor allem griechische) Klassik zu erneuern versuchte. Als ihr geistiger Begründer gilt Johann Joachim Winckelmann. In Frankreich heißt diese Epoche Empire-Stil.

in Kassel, 1779

Inhaltsverzeichnis
1 Charakteristik
2 Stilphasen
3 Bekannte Vertreter des Klassizismus

Charakteristik

Gegenüber dem vorangegangenen Rokoko zeichnet sich der Klassizismus durch eine Rückkehr zu geradlinigen Formen mit einer stärkeren Anlehnung an klassisch-antike Formen aus.

In der Malerei lösen sich die Künstler von dem meist allegorischen Programm der Barockzeit und malen Szenen aus der griechischen und römischen Antike, die oft einen "patriotischen" Hintersinn haben. Wichtig sind Gesten, Gebärden und die Komposition der Figuren in der Gruppe, was der Malerei einen theatralischen Zug verleiht. Die Konturen werden klarer und die pastose Farbgebung verschwindet zugunsten eines flächigen Farbauftrages mit klar abgegrenzten Farben. Manche Kunsttheoretiker sehen daher im Klassizismus eine Art "Zäsur" zwischen Rokoko und Impressionismus.

Stilphasen

Im späten 18. Jahrhundert galt der Klassizismus mit fast puritanischen Willen zur Vereinfachung als Gegenmodell zur barocken "Verschwendungssucht", die mit dem Feudalismus assoziiert wurde.

Den Übergang bildet der Zopfstil, in dem die spätbarocken Formen noch andeutungsweise weiterleben. Benannt ist er nach dem Zopf, in dem die barocke Blumengirlande zu einem dünnen Band reduziert wird.

Ab den 1790er Jahren galt der Klassizismus als der "Stil der Revolution", vor allem in der Architektur, wo wuchtige Formen bevorzugt werden. In Österreich fällt dies mit der Regierungszeit Josephs II zusammen, der auch neue Bauaufgaben initiiert (Kirchen für neue Pfarrsprengel, Krankenhäuser, öffentliche Schulen und Parks). Mit der Vereinnahmung der Revolution durch Napoléon Bonaparte kommt es dann zum dekorativeren Empirestil, der sich mit dem Kaiser über ganz Westeuropa ausbreitet. Auch Jacques-Louis David, der Begründer des Klassizismus in der Malerei wird zum Anhänger der Revolution und dann Napoleons, für den er eine Art Hofmaler wird.

Die Architektur und Malerei des Biedermeier stellt demgegenüber eine weitere Wendung ins Dekorative dar, die gleichwohl keine grundsätzliche ästhetische Abwendung bedeutet. In der Malerei hält sich diese Ästhetik bis in die 1870er Jahre, in der Architektur wird sie schon in der ersten Jahrhunderthälfte durch alternative Bauformen, am frühesten von der Neugotik in Frage gestellt. Gesellschaftlich werden die neuen Bauformen mit dem aufstrebenden Bürgertum und seiner Wünsche nach Repräsentation assoziiert. Paul Sprenger, ein wichtiger Repräsentant der klassizistischen Architektur in Österreich wurde geradezu als "Metternich der Architektur" bezeichnet.

Die Abgrenzung zum nachfolgenden Historismus ist weder chronologisch noch stilistisch ganz einfach. Einerseits ist der Klassizismus selbst ein "historisierender" Stil, der sich ja an die Antike und ihrer Interpretation in der Renaissance anlehnt. Andererseits teilt der Historismus zum Teil dasselbe Formenrepertoire, besonders deutlich in der Neorenaissance. Dazu kommt noch, dass der späte Klassizismus durchaus eine Vorliebe für bestimmte Dekorationsformen, etwa aus der byzantinischen oder arabischen Kunst, zeigt. Der Grundzug des Historismus ist dann auch nicht so sehr die "Ablösung" vom Klassizismus, sondern sein Einfügen in einen pluralistischen Kanon von Stilen. Der schlagendste Unterschied ist die weitaus größere Opulenz und Dekorfreudigkeit der historistischen Bauten und Ausstattungen, die dem in der Gründerzeit reichgewordenen Bürgertum eher zusagte als der spartanische Stil der ersten Jahrhunderthälfte.

Als Übergangsbauwerk zwischen Klassizismus und Historismus in Österreich gilt die Altlerchenfelder Pfarrkirche, bei deren Bau eine Debatte über den "richtigen Stil" geführt wurde, was schon die Geisteshaltung des Historismus ankündigt.

Die Schlichtheit der klassizistischen Formen machte diesen Stil im beginnenden, aber noch mehr in der Mitte des 20. Jahrhunderts wieder attraktiv. Adolf Loos fühlte sich weniger als Revolutionär denn als Fortsetzer Kornhäusels. Vor allem zwischen 1930 und 1960 lehnte sich die Architektur teilweise wieder an klassizistische Formen an, man spricht hier von Neoklassizismus.

Bekannte Vertreter des Klassizismus

Baugeschichte

Malerei

Bildhauerei



Limit search to: Body and Title Deutsche Seiten Path

Websites for Klassizismus
Showing page 1 (1 - 10 of 14 hits) Next »
Vorstellung der verschiedenen Stilphasen, bekannten Vertreter und weiterführenden Links. Vorstellung der verschiedenen Stilphasen, bekannten Vertreter und weiterführenden Links.
Stilmerkmale und Vertreter werden neben der Entstehungsgeschichte vorgestellt. Stilmerkmale und Vertreter werden neben der Entstehungsgeschichte vorgestellt.
Überlegungen zu Karl Philipp Moritz und seiner Ornamenttheorie. Überlegungen zu Karl Philipp Moritz und seiner Ornamenttheorie.
Skulpturen von der Antike bis zum Klassizismus werden gezeigt. Mit Informationen über die Sammlung ... und Programme. Skulpturen von der Antike bis zum Klassizismus werden gezeigt. Mit Informationen über die Sammlung ...
... und 17. Jahrhunderts und Skulptuern vom Mittelalter bis Klassizismus. Spezialisiert auf Exemplare deutscher Gold- und Silberschmiedekunst sowie ... und 17. Jahrhunderts und Skulptuern vom Mittelalter bis Klassizismus.
... zur Klassischen Moderne. Mobiliar vom Barock über Klassizismus, bis zum frühen Biedermeier komplettiert das Angebot ... zur Klassischen Moderne. Mobiliar vom Barock über Klassizismus, bis zum frühen Biedermeier komplettiert das Angebot ...
... Keller; die Umgestaltung im Stil des frühen Klassizismus wurde ab 1774 nach Plänen von Michel ... Keller; die Umgestaltung im Stil des frühen Klassizismus wurde ab 1774 nach Plänen von Michel ...
... von Kunstwerken der klassischen Antike, des Barocks, des Klassizismus und auch aus Ägypten sind Objekte aus ... von Kunstwerken der klassischen Antike, des Barocks, des Klassizismus und auch aus Ägypten sind Objekte aus ...
Kurzbiographie des Meisters des französischen Klassizismus und Gemälde "Paolo und Francesca" (1819). Kurzbiographie des Meisters des französischen Klassizismus und Gemälde "Paolo und Francesca" (1819).
Kurzbiographie des Hauptmeisters des französischen Klassizismus. Kurzbiographie des Hauptmeisters des französischen Klassizismus.

Next »

Help build the largest human-edited directory on the web.
Submit a Site - Open Directory Project - Become an Editor
Free thumbnail preview by Thumbshots.org

Search for products at amazon.com:
Search:
Keywords:
amazon.com books on 'Klassizismus':
Search at Google.com:
Google
WebCalSky.com Enzyklopädie

Suchresultate aus unserem günstigen CalSky-Shop