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Kirchenkritik

Kirchenkritik setzt sich kritisch mit der Institution Kirche auseinander. Die Antwort auf (Kirchen-)Kritik wird als Apologetik bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis
1 Grundsätzliche Arten von Kirchenkritik
2 Unsachliche Kirchenkritik
3 Geschichte
4 Gegenwärtige Kritikpunkte
5 Reaktion der Kirchen
6 Literatur
7 Weblinks

Grundsätzliche Arten von Kirchenkritik

Kirchenkritik gibt es, solange es die Kirche gibt. Sie tritt auf sowohl von innerhalb (immanente Kritik) als auch von außerhalb der Kirche (externe Kritik).

Es gibt verschiedene Gründe für die Kritik an der christlichen Kirche. Einer liegt in dem grundsätzlichen kritischen Anspruch ihrer Botschaft (Gericht), der kritischen Widerspruch provoziert. Ein anderer in der Feststellung des Auseinanderklaffens von kirchlicher Lehre und Lebenspraxis.

Immanente Kritik entsteht, wo ein Abweichen von der für die Institution gemeinsam als verbindlich anerkannten Norm festgestellt wird. Die Kritik richtet sich gegen Repräsentanten wie auch ihre Anhänger. Bereits die den neutestamentlichen Briefen zugrundeliegenden Auseinandersetzungen zeugen von scharfer Kritik, die Repräsentanten, wie auch Anhänger untereinander üben.

So kritisiert und mahnt etwa der Apostel Paulus die christlichen Gemeinden hinsichtlich ihres Glaubens und Lebens. Umgekehrt kritisiert die Gemeinde seine Person (1. Korintherbrief 4).

Die Absicht, externe Kritik zu mildern, geht aus der Mahnung des Apostels hevor, denen, "die draußen sind", keinen Anstoß zu geben.

Schließlich wird kontroverse Kritik geübt von denen, die dezidiert unterschiedliche Normen vertreten. So gilt bereits die urkirchliche Botschaft den Juden als "Ärgernis" und den Griechen als "Torheit".

Unsachliche Kirchenkritik

Leider kommt es auch relativ häufig vor, dass an der Kirche keine konstruktive und sachliche sondern auch unaufgeklärte, von Vorurteilen und einem hohen Maß an Uninformiertheit geprägte Kritik geübt wird; Oftmals wird von einzelnen Personen kritisches Gedankengut gegenüber der Kirche ohne zu hinterfragen übernommen und die Kirche außerdem unangebrachterweise als durchgehend schlecht verurteilt.

Geschichte

Interne Kritik ist Bestandteil der ökumenischen Konzilien der frühen Kirche, die zunehmend verbindlichere Glaubensaussagen Dogmen formulieren, ein Vorgang der mit der Kritik abweichender Meinungen einhergeht, welche jeweils in Verwerfungen von Häresien mündet. Die jeweils kritischen Häretiker nehmen ihrerseits in Anspruch, die "wahre Kirche" zu sein. Siehe die Marcioniten, Ebioniten, Novatianer, etc.

Zu scharfen externen Kritikern werden u.a. der Satiriker Lucian von Samosata, der im Roman Über den Tod des Peregrinus (ca. 170) die christliche Bruderliebe und Martyriumsbereitschaft kritisiert, der Philosoph Celsus richtet 178 seine Schrift Der wahre Logos gegen die Unsinnigkeit des christlichen Glaubens, welchen er zugleich der Ablehnung des Kaiserkultes wie auch der Kriegsdienstverweigerung anklagt. Die umfassendste Kirchenkritik verfasst der Neuplatoniker Porphyrios († 304) mit der 15bändigen Schrift Gegen die Christen.

Im 2. Jahrhundert richtet die Gnosis im Streben nach einem höhergeistigen Christentum ihre Kirchenkritik gegen den "übermäßig anthropomorphen Gottesglauben" wie auch gegen die Vorstellung einer Offenbarung Gottes in Christus als "zeitgebunden" und "überholt".

Kirchenkritik auf interreligiöser Ebene erwächst seit dem 8. Jahrhundert aus der Begegnung der östlichen (bilderverehrenden) Kirche mit dem Islam, welcher den Vorwurf erhebt, dass die Bilderdarstellung im Gegensatz zum geistigen Charakter des Kultus und zum Bilderverbot der Schrift stehe.

Ab dem 10. Jahrhundert treten die Katharer als elementare Kirchenkritiker in Wort und Tat in Erscheinung.

Zu sozialer Kirchenkritik kommt es mit Arnold von Brescia gegen die feudalistische Papstkirche verbunden mit der Forderung nach Armut und Wanderpredigt. Ähnlich verhält es sich in den mit der Reformation aus dem schwärmerischen chiliastischen Prophetentum (Thomas Müntzer) erwachsenden Forderungen, die später in kritischen Ansätzen des Puritanismus und des Pietismus Gestalt gewinnen.

Martin Luther, Ulrich Zwingli und andere Reformatoren kritisierten den Ablasshandel, mit dem Menschen ein vermeintlich besseres Leben nach dem Tod verkauft wurde, sowie die Tatsache dass die Bibel nur in unverständlichen Latein gelesen werden durfte. Der gläubige Christ konnte also die Behauptungen der Priester weder anhand der Schriften überpfüfen noch widerlegen. Im 16. Jahrhundert kommt es als Folge der von Herrschern beschützten Kritik an der Römisch-Katholischen Kirche zu mehereren Abspaltungen: der reformierten, der lutherischen und der Anglikanischen Kirche.

Viele Errungenschaften der Wissenschaft wurden als Ketzerei von der Kirche verurteilt und verfolgt. Galileo Galilei beispielsweise bestätigte astronomisch die Entdeckung von Nikolaus Kopernikus, dass die Erde um die Sonne kreist. Diese Veröffentlichung verfolgte ihn mit vielen Prozessen vor der Inquisition bis an sein Lebensende. Obwohl er Priester war und eine heutzutage selbstverständliche Behauptung verteidigte wurde er mit lebenslangen Hausarrest bestraft.

Im 19. Jahrhundert, der Zeit drastischer Zuspitzung sozialer Gegensätze geht die interne Kritik der Kirche über Ansätze nicht hinaus und leistet somit der externen Kritik Vorschub.

Das atheistische oder agnostische Humanitätsideal, das zum einen auf den Menschenrechten, zum anderen auf Aufklärung und Idealismus basiert, richtet seinen kritischen Anspruch gegen die Kirche, welcher in der Formel "Religion ist Opium des Volkes" (Karl Marx) seinen Ausdruck findet. In den Augen der Kritiker sei die Kirche zur Bewältigung der gesellschaftlichen Probleme nicht in der Lage. Demnach greife die Bevölkerung zu den Mitteln der Kirche, um sich Illusionen hinzugeben, oder um von einer Gesellschaftsschicht betrogen zu werden.

Sören Kierkegaard warf dem kirchlichen Christentum Versagen vor. Das echte Christentum sei außerhalb der Kirche anzutreffen.

Friedrich Nietzsche sah dies ähnlich und hob den fundamentalen Unterschied zwischen den Lehren Christi und denen der Kirche hervor. Im Gegensatz zu Kierkegaard schätzte er aber deswegen das "echte" Christentum nicht mehr, sondern sah es nur als eine andere Form der Dekadenz.

Die heutige Kirchenkritik steht in einer kontinuierlichen in stetigem Wandel begriffenen Tradition. Sehr stark vereinfacht lassen sich zwei Kritikmuster formulieren:

Gegenwärtige Kritikpunkte

Römisch-katholische Kirche

Beispielsweise wird der römisch-katholischen Kirche folgendes vorgeworfen:

Fundamentale Ablehnung

Erwartungen an die Kirche

Politische Kritik

Die enge Verbindung christlicher Kirchen mit der Regierung verschiedener Reiche (Rom, Byzanz, Russland, England, lutheranische Teile Deutschlands) führte, ebenso wie die weltliche Machtausübung der römisch-katholischen Kirche in vielen Fällen dazu, dass aus machtpolitischen Gründen wesentliche Teile der christlichen Ethik durch führende Kirchenmänner nicht beachtet wurden.

Die meisten dieser eng mit einer Regierung verbundenen Kirchen profitierten auch finanziell von den herrschenden Verhältnissen und das führte oft dazu, dass Kirchenführer soziale Reformen oft verurteilten und nicht unterstützten. Die meisten sozialen Aktivitäten im Christentum wurden nicht von oben sondern von unten initiiert, oft gegen den Wunsch der Kirchenleitungen.

Reaktion der Kirchen

Aufgrund dieser vielfältigen Kritik und der sehr unterschiedlichen Erwartungen an die Kirchen werden innerkirchlich stetig Anpassungen diskutiert. Verändern sie daraufhin ihre Strukturen, droht ihnen dadurch der Verlust von konservativen Mitgliedern, geben sie den Forderungen jedoch nicht nach, müssen sie mit Austritten von sich für progressiv haltenden Mitglieder rechnen.

Benedikt XVI hat in "Salz der Erde" darauf hingewiesen, dass die Lutheraner bezüglich Frauenordination, Empfängnisverhütung, Zölibat und Wiederverheiratung Geschiedener alle Forderungen der Kirchenvolksbewegung erfüllt habe, aber deshalb der Lösung des Problems, in der heutigen Zeit als Kirche den christlichen Glauben zu leben, nicht näher gekommen sei.

Siehe auch: Apologetik, Religionskritik, Karlheinz Deschner Horst Herrmann

Literatur

Weblinks

Innerkirchliche Kritik

Externe Kritik

Polemik

Apologetik



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Im Artikel erwähnte Literatur