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Kirchenbuch

In den Kirchenbüchern werden Aufzeichnungen über kirchliche Handlungen, wie Taufen, Trauungen, Einsegnungen sowie Kirchenein- und austritte, zumeist in chronologischer Folge festgehalten.

Man unterscheidet:

Oft sind zusätzliche Daten wie Wohnort oder Beruf der jeweiligen Person angegeben. Der Umfang der Eintragungen ist verschieden und hängt von den Gewohnheiten des zuständigen Pfarrers und dessen Kenntnisstand über die Personen ab. Weil die Kirchenbücher in erster Linie kirchliche Handlungen belegen, werden in historischer Zeit oft nur Ort und Datum der Taufe bzw. der Beerdigung genannt, nicht aber Geburt und Tod.

Die Kirchenbücher, auch als Matrikel bezeichnet, stellen oft die einzigen Aufzeichnungen von Personen dar, da die Eintragungen unabhängig von Stand, Geschlecht und Vermögen gemacht wurden. Kirchenbücher gibt es im deutschen Sprachraum etwa seit 1550 (in Sachsen z. B. seit 1548, in anderen Gebieten später), und die Kirchen führten diese Aufzeichnungen auch im staatlichen Auftrag. Verwirrend sind oft Aufzeichnungen in den Zeiten, in denen bestimmte Religionen illegal waren und dann z.B. Protestanten in katholischen Kirchenbüchern eingetragen wurden.

Bereits 1547 im Konzil von Trient wurden die Pfarrer angewiesen Matriken über Geburten, Heiraten und Todesfälle zu führen. Der größte Teil der Aufzeichnungen beginnt jedoch erst Anfang des 17. Jahrhunderts, wobei aus dieser Zeit durch Kriegswirren nur wenige Aufzeichnungen übrig blieben. Erst nach Ende des Dreißigjährigen Krieges begann die systematische Erfassung der kirchlichen Ereignisse. Viele gingen jedoch während des Türkenkrieges verloren.

In der Regierungszeit des Kaisers Josef II wurden die Kirchen gesetzlich verpflichtet diese Aufzeichnungen für den Staat zu übernehmen.

Zu einem weiteren Verlust an Matriken kam es während der Napoleonischen Kriege 1797-1809 und nicht zuletzt im 2. Weltkrieg.

Zum 1. Januar 1876 wurde im deutschen Reich mit dem Personenstandsgesetz ihre Bedeutung durch die staatlichen Standesämter abgelöst, während in Österreich die Religionsgemeinschaften diese Aufgaben bis 1. Jänner 1939 durchführten. Heute dienen diese Bücher nur noch innerkirchlichen Aufzeichnungen. Für die Zeit vor 1876 und bei Verlust der Personenstandsregister im Krieg gelten die Kirchenbücher immer noch als Nachweis.

In zahlreichen Pfarreien beginnen die Kirchenbücher erst nach 1648, da die älteren Bände in den Wirren des 30jährigen Krieges verloren gingen. Durch Brände in den Pfarrhöfen gingen gelegentlich auch spätere Aufzeichnungen verloren. Um weitere Verluste vorzubeugen, sind heute in katholischen Teilen Deutschlands die älteren Bände in zentralen Archiven der Bistümer gelagert und nur noch als Mikrofilm zugänglich, während in Österreich die Originale bei den Pfarreien verblieben und Kopien bei den Diözesen aufbewahrt werden. - In der Zeit des Nationalsozialismus sind durch das Reichssippenamt viele Kirchenbücher der früheren deutschen Ostgebiete verfilmt worden. Diese Filme sind heute in der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig archiviert und zugänglich. Diese Filme und andere Kirchenbücher wurden auch von der Genealogischen Gesellschaft von Utah kopiert und so einem großen Forscherkreis zugänglich gemacht.

Um eine Person im Kirchenbuch auffinden zu können, reicht oft das Datum der entsprechenden kirchlichen Handlung aus. Auf Urkunden findet man darüber hinaus folgende Angaben:

die Nummer des Kirchenbuches,
die Seite, lateinische Bezeichnung pagina, abgekürzt pag.
die Nummer, lat. folio, abg. fol.
(es gibt aber auch andere Bezeichnungen wie tom.).

Das Lesen der Original-Kirchenbücher setzt entsprechende Kenntnisse der Schreibschrift früherer Zeit voraus (siehe Paläografie). Oft wurden auch lateinische Ausdrücke verwendet.

In Sachsen sind Kirchenbücher seit 1800 generell mit alphabetischen Namensregistern ausgestattet, vielfach auch in der Zeit davor. Kirchenbücher vor 1700 (und ebenso Gerichtshandelsbücher) besitzen manchmal Register, die nach den Vornamen geordnet sind. Ein weiteres Hindernis bei der Register-Benutzung ist die Veränderlichkeit von Familiennamen, so dass man nicht selten unter mehreren möglichen Schreibweisen und sogar verschiedenen Anfangsbuchstaben (siehe auch phonetisches Alphabet und Toter Punkt) suchen muss.

Politische Bedeutung erlangten die Kirchenbücher in der NS-Zeit, in der Beamte ihre Abstammung mit dem so genannten Ariernachweis nachweisen mussten. In dieser Zeit mussten sich sehr viele in den älteren Kirchenbüchern Abschriften über ihre Vorfahren machen lassen, um deren Religionszugehörigkeit bestätigen zu lassen.

In dieser Zeit wurden viele Matrikeln durch Dorfsippenbücher erschlossen, die die Daten der Matrikeln über den Zwischenschritt der Kirchenbuchverkartung zu Familien zusammenfasst und verbindet. - Bereits weit vor 1933 einsetzend und über das Jahr 1945 hinaus bis zur Gegenwart sind mit dieser Methode die Kirchenbücher von bisher mehr als 2000 Gemeinden in einem Ortsfamilienbuch zusammengefasst und durch Drucklegung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.

Die Kenntnis der Kirchenbücher ist bei der genealogischen Forschung wichtig. Eine formelle Beglaubigung des Kirchenbuchauszuges durch den zuständigen Pfarrer ist jedoch bei privater genealogischer Forschung überflüssig. Heute können viele Pfarrer die alte Schrift selbst gar nicht mehr ausreichend lesen und würden dann etwas bestätigen, was sie selbst gar nicht beurteilen können. Wissenschaftlich orientierte Genealogie kann in der Regel auf Beglaubigungen verzichten.

Die Kirchenbücher sind nicht zu verwechseln mit dem Messbüchernn, auch 'Missale genannt, die liturgsichen Zwecken dienen.

Inhaltsverzeichnis
1 Erhaltene Kirchenbücher
2 Literatur
3 Weblinks

Erhaltene Kirchenbücher

Das älteste erhaltene Kirchenbuch der Mark Brandenburg aus dem Jahr 1575 befindet sich in Gröben (Ludwigsfelde), einem brandenburgischen Dorf südwestlich von Berlin. Der Schriftsteller Theodor Fontane reiste in den Jahren 1860 und 1881 mehrfach nach Gröben, um das Kirchenbuch einzusehen und berichtet in seinem Werk Wanderungen durch die Mark Brandenburg ausführlich über das Buch.

Literatur

Weblinks



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