Johann von Staupitz
Staupitz stammte aus einer adeligen sächsischen Familie. Er trat 1490 in München in den Orden der Augustinereremiten ein und wurde 1497 Prior in Tübingen, wo er 1498 als baccalaurus biblicus die vorgeschriebene Vorlesetätigkeit aufnahm.Am 7. Juli 1500 promovierte er zum Doktor der Theologie. 1502 berief ihn Kurfürst Friedrich der Weise nach Wittenberg als Gründungsprofessor zum Aufbau der dort entstehenden Universität. 1502 bis 1512 war Staupitz Professor und erster Dekan der theologischen Fakultät an der neuen Universität Wittenberg. 1503 wurde Staupitz Prior des Augustinerkonvents in München gewählt und wurde am 7. Mai 1503 in Eschwege Generalvikar der deutschen Observanten-Kongregation des Augustinerordens, welches er bis zum 28. August 1520 blieb. 1512 machte er Martin Luther zu seinem Nachfolger, in den Bibelwissenschaften an der Wittenberger Universität. Für dessen persönliche und theologische Entwicklung, hatte Staupitz eine gewisse Bedeutung. Er verwies seinen mit sich selbst sehr strengen und um sein Seelenheil fürchtenden Mitbruder, immer wieder tröstend auf die Gnade Gottes und befreite ihn 1518 von der Gehorsamspflicht gegenüber dem Augustinerorden. Als er selbst der Ketzerei verdächtigt wurde und vor allem in den letzten Lebensjahren als Abt, distanzierte er sich vollkommen von der lutherischen Bewegung.
Von 1503 bis 1520 war Staupitz Generalvikar der deutschen Observanten-Kongregation, des Augustinerordens. Seine Reformbemühungen stießen auf Widerstand innerhalb des Ordens und auch seitens des Papstes, so dass sich Staupitz 1512 den praktischen Aufgaben seines Vikariats zuwandte. Dabei widmete er sich der Seeelsorge in Süddeutschland (München, Nürnberg, Salzburg) und führte 1513 Visitationsreisen nach Rom bis in die Niederlande durch.
1520 wurde er Domprediger in Salzburg, 1521 wechselte er mit päpstlicher Genehmigung in den Benediktinerorden und wurde Abt von St. Peter in Salzburg und wurde am 22. August 1522 zum Abt gewählt.
Staupitz verfasste zahlreiche religiöse Schriften, die stark von der mittelalterlichen Mystik beeinflusst sind.
Er ist Namensgeber für die Sodalitas Staupitziana, die 1517 in Nürnberg als reformatorischer Gesprächskreis errichtet wurde.
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2 Werke 3 Literatur 4 Weblinks |
Denkmäler
Eine Gedenktafel befindet sich am Wittenberger LutherhausWerke
- Decisio questionis de audientia misse in parochiali ecclesia dominicis et festivis diebus, Tübingen 1500
- Von der Nachfolge des willigen Sterbens Christi, 1515
- Libellus de executione aeternae praedestinationis, 1517
- Von der Liebe Gottes, 1518
- Von dem heiligen rechten christlichen Glauben, 1525
Literatur
- W. Eckermann: Neue Dokumente zur Auseinandersetzung zwischen Johann von Staupitz und der sächsischen Reformkongregation. In: Analecta Augustiniana 40(1977). 279-296.
- W. Günter: Johann von Staupitz (ca. 1468-1524). In: Iserloh, E. (Hrsg.) Katholische Theologen der Reformationsszeit. Bd. 5. Münster 1988. 11-31.
- R. Markwald: A Mystic's Passion: The Spirituality of Johannes von S. in his Lenten Sermons. Translation and Commentary. New York 1990.
- R. Wetzel: Staupitz und Luther. In: Press, V. (Hrsg.): Martin Luther. Probleme seiner Zeit. Stuttgart 1987. 75-87.
- M. Wriedt: Gnade und Erwählung. Eine Untersuchung zu Johann von Staupitz und Martin Luther. Mainz 1991.
- A. Zumkeller: Johann von Staupitz und die klösterliche Reformbewegung. In: Analecta Augustiniana 52 (1989).
- A. Zumkeller: Johannes von Staupitz und seine christliche Heilslehre. Würzburg 1994
- A.Jerimas: Johannes von Staupitz, Luthers Vater und Schüler, Leipzig 1926
- H.Fausel: Dr. Martin Luther. Sein Leben und Werk, Neuhausen - Stuttgart, 1996
- 700 Jahre Wittenberg herausgegeben von Stefan Oehmig im Verlag Hermann Böhlhaus 1995 ISBN 3-7400-00957-8
Weblinks
- Artikel im Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 10, Sp. 1250-1253
- Artikel in der Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 35, S.529ff. (Schulte 1893)