Japanologie
Seit der Öffnung des Landes im Jahr 1854, insbesondere nach dem Russisch-japanischen Krieg (1904/5) und vor allem nach 1945 ist Japan immer stärker ins Blickfeld des Westens gerückt. Was die jeweiligen Institute unter 'Japanologie' bzw. 'Japanese Studies' verstehen, bestimmt Forschung und Lehre. Schwerpunkte können zum Beispiel vormoderne Kultur und Geschichte oder moderne Kultur und Geschichte oder Politik und Wirtschaft sein. Da Japan überwiegend durch seine sprachlichen Zeugnisse erforscht wird, spielt die praktische Sprachausbildung eine wichtige Rolle, an nicht wenigen Instituten aber auch die sprachwissenschaftlich-philologische Sprachausbildung einschliesslich der vormodernen Sprachstufen und diversen Sprach- und Schriftstile.
Geschichte der deutschsprachigen Japanologie
Hervorgegangen aus der Orientalistik, etablierte sich die Japanologie als eigenständige wissenschaftliche Disziplin Ende des 19./Anfang des 20. Jh., im deutschen Sprachgebiet zuerst in Wien (August Pfizmaier), Berlin (Seminar für Orientalische Sprachen) und Hamburg (Karl Florenz). Den ersten Lehrstuhl für Japanologie besetzte Karl Florenz 1914 am Kolonialinstitut der späteren Universität Hamburg. Einer der Begründer der Japanforschung ist Ende des 17. Jahrhunderts der deutsche Forschungsreisende Engelbert Kaempfer. Ein weiterer wichtiger 'Vorreiter' der Japanologie war Philipp Franz von Siebold, der wie Kaempfer in holländischen Diensten (Niederländische Ostindien-Kompanie) in Japan tätig war.Im Ersten Weltkrieg standen sich Japan und Deutschland als Kriegsgegner gegenüber. So erklärt sich, dass die Außenbeziehungen - auch die kulturellen - der beiden Länder zueinander in den 1920er Jahren kaum eine Rolle spielten. Erst im Nationalsozialismus fand wieder eine Annäherung statt. In den 1930er Jahren gingen deutscher Staat und Japanologie eine enge Wechselbeziehung ein: Teile der Japanologie nutzten die Gelegenheit, erstmals große Aufmerksamkeit auf sich ziehen zu können und stellten sich in den Dienst des Staates. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog sich die Japanforschung von politisch sensiblen Themen zurück und konzentrierte sich auf die Erforschung der traditionellen Kultur Japans. Manche sprachen deshalb auch von einer "Teehäuschen-Japanologie". Daraus ergab es sich, dass die Japanologie in Deutschland bis heute vorwiegend philologisch und historisch ausgerichtet ist. Das Verdienst der klassischen Japan-Wissenschaft ist es u.a., wichtige Primärquellen zu erschliessen und insbesondere die vormoderne Kultur Japans erforscht zu haben. Mit der Verbreitung der Japanstudien an den Universitäten des In- und Auslands, insbesondere in den Vereinigten Staaten von Amerika, entwickelten sich in den vergangenen Jahrzehnten auch geistes- und gesellschaftswissenschaftliche Teildisziplinen der Japanologie, deren Spektrum heute alle wichtigen Bereiche des kulturellen, religiösen, gesellschaftlich-politischen und wirtschaftlichen Lebens in Japan in Vergangenheit und Gegenwart umfasst. Daneben gibt es heute weltweit auch außerhalb der Japanologie in zahlreichen Disziplinen der Humanwissenschaften japanwissenschaftliche Aktivitäten.
Japanologiestudien in Deutschland
Etwa 40 Professorinnen und Professoren unterrichten an 18 Universitäten in Deutschland das Fach Japanologie. Die Regelstudienzeit liegt im Falle eines Magisterstudiums bei neun Semestern; das heißt aber nicht, dass das Studium in diesem Zeitraum tatsächlich abgeschlossen wird. In Deutschland studieren gegenwärtig etwa 5000 Personen das Fach Japanologie. Etwa 600 nehmen das Studium jährlich auf und um die 90 Personen (Frauenanteil etwa 75 Prozent) schließen das Studium mit dem Magister- oder Doktortitel ab. Die Absolvent/innen sind dann allerdings noch nicht für einen bestimmten Beruf qualifiziert. Einen guten Übergang in das Berufsleben ermöglicht die Teilnahme an einer innerbetrieblichen Ausbildung in Unternehmen, einer Ausbildung im diplomatischen Dienst, Bibliotheksdienst usw. Unter solcher Voraussetzung sind die beruflichen Möglichkeiten hier wie in den anderen "regionalwissenschaftlichen" Fächern des außereuropäischen Bereichs (Arabistik, Sinologie usw.) gut. Es sollte jedoch immer auch die Möglichkeit geprüft werden, ein Studium der Rechtswissenschaft, Ökonomie oder eines anderen konventionellen "praktischen" Faches mit einem Studium der Japanologie als Nebenschwerpunkt zu verbinden.Ein erfolgreiches Studium der Japanologie setzt neben einer starken sprachlichen Begabung Fleiß und Ausdauer voraus.Japanologie bzw. Studiengänge mit Japan-Bezug im deutschsprachigen Raum
Folgende Einrichtungen sind als Zentren mit verschiedenen Schwerpunkten zu nennen:- Universität Augsburg
- Freie Universität Berlin, Ostasiatisches Seminar
- Humboldt-Universität Berlin, Institut für Afrika- und Asienwissenschaften
- Berlin / Humboldt-Universität / Literatur, Geistesgeschichte
- Landesspracheninstitut Nordrhein-Westfalen
- Bochum / Ruhr-Universität Bochum / Fakultät für Ostasienwissenschaften Japanologie: Bachelor/Master, Schwerpunkte: Japanische Sprachwissenschaft, Japanische Geschichte
- Universität Bonn, Seminar für orientalische Sprachen und Japanologisches Seminar Diplomstudiengang Regionalwissenschaft; "BA Asienwissenschaft", "MA Japan", "MA Asiatische Sprachen (Übersetzen)" jeweils mit Japanisch als Erstsprache
- Hochschule Bremen, Studiengang angewandte Wirtschaftssprachen und internationale Unternehmensführung - Wirtschaftsjapanologie
- Technische Universität Dresden, Ostasienzentrum
- Heinrich Heine Universität Düsseldorf, Lehrstuhl Modernes Japan und Modernes China; Ostasien-Institut Modernes Japan: Bachelor/Magister
- Universität-GH Duisburg, Institut für Ostasienwissenschaften Modernes Japan: Magister, nur Nebenfach; Ostasienwissenschaften: Diplom (WS), Schwerpunkt: Japan/China
- Universität Erfurt, Lehrstuhl für Ostasiatische Geschichte
- Universität Erlangen-Nürnberg, Institut für außereuropäische Sprachen und Kulturen Japanologie: Magister
- Universität Frankfurt, Institut für orientalische und ostasiatische Philologien Japanologie: Magisterstudiengang
- Universität Göttingen, Ostasiatisches Seminar Japanologie: Magisterstudiengang
- Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, FB Geschichte, Philosophie und Sozialwissenschaften; Lehrstuhl für Japanologie Japanologie: Magisterstudiengang
- Hamburg / Universität Hamburg Japanologie: Magister
- Universität Heidelberg, Japanologisches Seminar Japanologie: Magister
- Friedrich-Schiller-Universität Jena, Fachbereich interkulturelle Kommunikation
- Universität Köln, Ostasiatisches Seminar, Abteilung Japanologie Japanologie: Magister (Studienbeginn WS empfohlen)
- Universität Konstanz, Sozialwissenschaftliche Fakultät, Orientierungsprogramm Modernes Japan
- Universität Leipzig, Ostasiatisches Institut Japanologie:Magister (WS)
- Ostasieninstitut der Fachhochschule Ludwigshafen am Rhein Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Wirtschaft Japans
- Universität Mainz, Institut für allgemeine und vergleichende Sprachwissenschaft
- Philipps-Universität Marburg, Japan-Zentrum
- Universität München, Institut für Ostasienkunde, Japanologie Japanologie: Magister
- Universität Münster, Institut für Sinologie und Ostasienkunde
- Universität Passau, SprachenzentrumSüdostasienkunde: Magister
- Universität Trier, Fachbereich II, Gegenwartsbezogene Japanologie Japanologie: Magister
- Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Seminar für Japanologie Japanologie: Bachelor of Arts/Master (WS); Japanologie: Magister(WS)
- Universität Ulm, Zentrum für Sprache und Philologie
- Universität Wien, Institut für Ostasienwissenshaften, Abt. Japanologie
- Universität Witten/Herdecke, Institute for comparative research into culture and economic systems
- Universität Würzburg, Institut für Kulturwissenschaften Ost- und Südasiens Japanologie: Magister
- Universität Zürich, Ostasiatisches Seminar, Japanologie und Sinologie
Japanologieprofessuren im deutschen Sprachgebiet
- Prof. Dr. Peter Ackermann, Universität Erlangen-Nürnberg:
- Prof. Dr. Klaus Antoni, Eberhard-Karls-Universität Tübingen: Religion and National Identity in the Japanese Context. Lit Verlag 2002; ISBN 3-8258-6043-4; Der himmlische Herrscher. Essays zur Stellung des Tenno im modernen Japan. 1991; ISBN 3-89129-283-X
- Prof. Dr. Florian Coulmas, Universität Duisburg-Essen
- Prof. Dr. Franziska Ehmcke, Universität Köln: Gelebte Zeitgeschichte. Alltag von Deutschen in Japan 1923-1947. Iudicium 2000; ISBN 3-89129-639-8; Von Helden, Mönchen und schönen Frauen. Böhlau 2000; ISBN 3-412-04497-0; Der japanische Tee-Weg. Bewußtseinsschulung und Gesamtkunstwerk. DuMont 1991; ISBN 3-7701-2290-9
- Prof. Dr. Steffi Richter, Universität Leipzig:
- Prof. Dr. Gesine Foljanty-Jost, Universität Halle: Schule, Schüler und Gewalt. Iudicium 2000; ISBN 3-89129-640-1; Schulbuchgestaltung als Systemstabilisierung in Japan. 1979; ISBN 3-88339-04-5 ??; Gewalt unter Jugendlichen in Deutschland und Japan: Ursachen und Bekämpfung. Nomos Verlagsgesellschaft; [ISBN 3-7890-4780-5]
- Prof. Dr. Lisette Gebhardt, Johann_Wolfgang_Goethe-Universit%C3%A4t_Frankfurt: Japans neue Spiritualität. Harrassowitz 2001; ISBN 3-447-04398-9
- Prof. Dr. Kay Genenz, Universität Bonn: Grundwortschatz Japanisch für junge Leute. Buske 1996; ISBN 3-87548-143-7; KanjiQuick Voice (http://www.kanji.de/KanjiQuick.html )
- Prof. Dr. Irmela Hijiya-Kirschnereit, FU Berlin: Das Ende der Exotik. Suhrkamp 1988; ISBN 3-518-11466-2; Japan. Insel 2000; ISBN 3-458-17011-1; Japanische Gegenwartsliteratur. Edition Text und Kritik 2000; ISBN 3-88377-639-4; Forschen und Fördern im Zeichen des Ginkgo. Zehn Jahre Deutsches Institut für Japanstudien. Iudicium 1999; ISBN 3-89129-505-7
- Prof. Dr. Sepp Linhart, Universität Wien: Ostasien 1600-1900. Promedia 2004; ISBN 3-85371-228-2; China und Japan. Die Kulturen Ostasiens. Gondrom-Verlag 1990; ISBN 3-8112-0731-8; Japan : Sprache, Kultur, Gesellschaft. Literas; ISBN 3-85429-046-2
- Prof. Dr. Michiko Mae, Universität Düsseldorf: Zwischen Globalisierung und nationaler Identität. Verlag für Sozialwissenschaften 2004; ISBN 3-8100-3304-9; Körperlichkeit, Identität und Sexualität in Japan. LIT; ISBN 3-8258-3977-X
- Prof. Dr. Regine Mathias, Ruhr-Universität Bochum: Die Hansestädte und Japan, 1855-1867 : Ausgewählte Dokumente. Marburger Japan-Reihe; ISBN 3-927607-06-1; Japanische Frauengeschichte(n). Marburger Japan-Reihe; ISBN 3-927607-13-4
- Prof. Dr. Heinrich Menkhaus, Universität Marburg: Das Japanische im japanischen Recht. Iudicium 1994; ISBN 3-89129-485-9
- Prof. Dr. Werner Pascha, Universität Duisburg-Essen: Die japanische Wirtschaft; Bibliographisches Institut 1994; ISBN 3-411-10401-5; Die Internationalisierung Japans im Spannungsfeld zwischen ökonomischer und sozialer Dynamik. Evangelische Akademie Loccum; ISBN 3-8172-5792-9
- Prof. Dr. Erich Pauer, Universität Marburg: Aso : Vergangenheit und Gegenwart eines ländlichen Raumes in Südjapan. Universität Wien; ISBN 3-900362-18-1; Technologietransfer Deutschland-Japan von 1850 bis zur Gegenwart. Iudicium 1992; ISBN 3-89129-482-4
- Prof. Dr. Peter Pörtner, Ludwig-Maximilians-Universität München: Japan. Dumont Reiseverlag 2002; ISBN 3-7701-4092-3; Aber die Mandarinen müssen heute abend noch geraubt werden. Konkursbuchverlag 2003; ISBN 3-88769-414-7; Japan, Bd.1, Ein Lesebuch. Konkursbuchverlag 1992; ISBN 3-88769-216-0; Japan, Bd.2, Lesebuch II. Konkursbuchverlag 1992; ISBN 3-88769-046-X
- Prof. Dr. Manfred Pohl, Universität Hamburg: Japan. C.H. Beck 2002; ISBN 3-406-48104-3; Geschichte Japans. C.H. Beck 2002; ISBN 3-406-47990-1; Kleines Japan-Lexikon. C.H.Beck 1996; ISBN 3-406-39861-8
- Prof. Dr. Jens Rickmeyer, Ruhr-Universität Bochum: Japanische Morphosyntax. Groos 1995; ISBN 3-87276-718-6; Klassischjapanische Lektüre Genji no Monogatari Kiritsubo: Satz 1 bis 30. H. Buske 1998; ISBN 3-87548-014-7
- Prof. Dr. Wolfgang Schamoni, Universität Heidelberg: Im Umbau. Insel 1994; ISBN 3-458-16627-0; Kitamura Tokoku. Steiner 1998; ISBN 3-515-03469-2; Trauriges Spielzeug. Insel 1994; ISBN 3-458-16604-1
- Prof. Dr. Wolfgang Seifert, Universität Heidelberg: Japan im Vergleich. Iudicium 2002; ISBN 3-89129-680-0; Gewerkschaften in der japanischen Politik von 1970 bis 1990. Der dritte Partner? Westdeutscher Verlag 1998; ISBN 3-531-13154-0
- Prof. Dr. Karen Shire, Universität Duisburg-Essen
- Prof. Dr. Cornelia Storz, Universität Marburg: Klein- und Mittelunternehmen in Japan. Nomos 2000; ISBN 3-7890-6927-2; Mittelständische Unternehmer in Japan. Nomos; ISBN 3-7890-4816-X
- Prof. Dr. Klaus Vollmer, Ludwig-Maximilians-Universität München: Gedichtwettstreit der Berufe : Eine japanische Bildrolle aus der Sieboldiana-Sammlung der Ruhr-Universität Bochum. Edition, Übersetzung und Kommentar. Harrassowitz; ISBN 3-447-03725-3
- Prof. Dr. Peter Wetzler, Ostasieninstitut der Fachhochschule Ludwigshafen: Hirohito and War: Imperial Tradition and Military Decision Making in Prewar Japan; University of Hawaii Press, 1998; ISBN 082481925X
- Prof. Dr. Reinhard Zöllner, Universität Erfurt: Einführung in die Geschichte Ostasiens. Iudicium 2002; ISBN 3-89129-780-7; Japanische Zeitrechnung. Iudicium 2003; ISBN 3-89129-783-1; Japans Karneval der Krise . Iudicium 2003; ISBN 3-89129-784-X
Japanologie in Europa
- Center for Asia Pacific Studies (CPAS ) – Stockholm/Schweden
- European Institute of Japanese Studies (EIJS) – Stockholm/Schweden
- Centre for Japanese and Korean Studies of Leiden University-Leiden/The Netherlands
- International Institute for Asian Studies (IIAS) – Leiden/The Netherlands
- Nissan Institute at University of Oxford – England
- Nordic Institute of Asian Studies (NIAS) – Kopenhagen/Dänemark
- School of Oriental and African Studies of the University of London (SOAS) – Japan Research Centre
- Department of Japanese Studies – Stockholm University, Stockholm/Schweden
- Suntory and Toyota International Centres for Economics and Related Disciplines (STICERD) – at the London School of Economics and Political Science (LSE)
- Department of East Asian Studies – University of Durham, England
- Institute for Japanese-European Technology Studies (JETS) – University of Edinburgh, Scotland
- The Centre for Japanese Studies (CJS) – University of Edinburgh, Scotland
- British Association for Japanese Studies (BAJS) – University of Essex, England
- Department of East Asian Studies – University of Leeds, England
- Japan Special Interest Group (SIG) of the Economic and Social Research Council (ESRC) – University of Sheffield, England
- School of East Asian Studies (SEAS) – University of Sheffield, England
- Scottish Centre for Japanese Studies (SCJS) – University of Stirling, Scotland
- Centro de Estudios de Asia Oriental – Universität Madrid, Spanien
- Japanology Section - Katholischen Universität Löwen, Belgien
Vereinigungen
- Gesellschaft für Japanforschung e.V.
- Vereinigung für sozialwissenschaftliche Japanforschung e.V.
- European Association for Japanese Studies (EAJS)
Konferenzen
- Deutschsprachige Japanologentage (alle 3 Jahre)
- Conferences of the EAJS (alle 3 Jahre)
Literaturverweise
Klaus Kracht u. Markus Rüttermann (Hrsg.): Grundriß der Japanologie. (Izumi - Quellen, Studien und Materialien zur Kultur Japans, Band 7). Wiesbaden: Harrassowitz 2001. Sepp Linhart: Japanologie heute. Zustände – Umstände. Universität Wien 1993; ISBN 3-900362-13-0Weblinks
Nichibunken, International Research Center for Japanese Studies, Kyoto, JapanJapanischunterricht in Deutschland