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Indogermanische Sprachfamilie

Die indogermanische Sprachfamilie, auch indoeuropäische Sprachfamilie genannt, deren Vokabular Übereinstimmung bei Flexion, Numerus, Genus und Ablaut aufweist, ist die mittlerweile vor allem auf Grund der Kolonisation meistverbreitete Sprachfamilie der Welt mit mehr als 2,5 Mrd. Muttersprachlern.

Inhaltsverzeichnis
1 Der Begriff "indogermanisch"
2 Ursprung und Entwicklung
3 Untergruppen
4 Verwandtschaftsverhältnisse
5 Literatur
6 Weblinks

Der Begriff "indogermanisch"

Bei der Bildung der Bezeichnung "Indogermanisch" im 19. Jahrhundert gingen die Sprachforscher von den beiden Sprachgruppen aus, die damals als die räumlich am weitesten voneinander entfernten angesehen wurden, d. h. der indischen und der germanischen Gruppe. Die keltischen Sprachen weiter westlich wurden wegen grammatischer Eigentümlichkeiten anfänglich nicht als indogermanisch angesehen und das Tocharische weiter östlich war noch nicht entdeckt (erst 1890).

Die Bezeichnung Indogermanisch wurde im deutschen Sprachraum, der in dieser Forschungsdisziplin weltweit immer noch führend ist, beibehalten, wurde allerdings in der DDR eher vermieden und ist daher heute auch bei deutschen Sprachwissenschaftlern verbreitet, allerdings nicht bei den Indogermanisten selbst. In vielen anderen Sprachen werden hingegen Bezeichnungen des Typs Indoeuropäisch verwendet. Der Linguist Merritt Ruhlen hingegen benutzt die Bezeichnung Indo-Hethitisch, um eine Sonderstellung des Hethitischen bzw. der anatolischen Sprachgruppe innerhalb des Indogermanischen hervorzuheben. Ein solcher Stammbaum wird von den meisten anderen Forschern jedoch abgelehnt, jedenfalls in dieser krassen Form. Heute glauben viele Forscher, dass die anatolischen Sprachen sich tatsächlich als erste abgespalten haben.

Ursprung und Entwicklung

Die indogermanischen Sprachen sind nach Meinung der Indogermanistik im linguistischen Sinne genetisch verwandt; dass ihre Ähnlichkeit nur auf typologischer Angleichung nach Art eines Sprachbunds zustande gekommen ist, kann heute ausgeschlossen werden.

Ende des 18. Jahrhunderts erkannte der englische Orientalist William Jones aus Ähnlichkeiten zwischen Sanskrit und einigen europäischen Sprachen, dass es für diese Sprachen eine gemeinsame Wurzel geben muss. Der Deutsche Franz Bopp brachte 1816 in seinem Buch Über das Konjugationssystem der Sanskritsprache in Vergleichung mit jenem der griechischen, lateinischen, persischen und germanischen Sprache den methodischen Beweis für die Verwandtschaft dieser Sprachen und gilt, zumindest im deutschsprachigen Raum, als Entdecker des Indogermanischen.

Diese Indogermanische Ursprache ließ sich sprachwissenschaftlich rekonstruieren, obwohl aus dieser Zeit keine Schriftdokumente vorliegen. Für die Sprachen, die auf das Indogermanische zurückgehen, lässt sich auf der Grundlage der Forschungsergebnisse des deutschen Linguisten August Schleicher ein „Stammbaum“ darstellen, der den Ursprung und die Verwandtschaftsstruktur dieser Sprachen wiedergibt. In diesem „Stammbaum“ gibt es sowohl gesicherte als auch spekulative Verzweigungen; letztere betreffen insbesondere ausgestorbene Sprachen, die keine Nachfolgesprachen hinterlassen haben. Schleicher versuchte das hypothetische Protoindogermanische zu rekonstruieren, indem er sich ursprünglicher Formen diverser indogermanischer Sprachen bediente. Daraus entstand eine Übersetzung der Fabel „Das Schaf und die Pferde“ als „Avis akvasasca“. Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass solche Rekonstruktionen in der Regel zu Wortwurzeln einerseits und morphologischen und phonologischen Erscheinungen andererseits führen. Auch syntaktische Merkmale des Indogermanischen konnten mit Einschränkungen rekonstruiert werden. Eine Grundsprache im Sinne eines kommunikativen Verständnisses wird mit dieser Rekonstruktion jedoch nicht erreicht.

Ausgehend von Wortstämmen, die allen indogermanischen Sprachen gemeinsam sind, wurde weiterhin in Zusammenarbeit mit der Archäologie versucht, das Ursprungsgebiet der Indogermanen zu bestimmen. Dabei wurden sowohl Ostanatolien, Gebiete nördlich des Schwarzen Meeres oder Südosteuropa vorgeschlagen. Von den zahlreichen Hypothesen über diese Urheimat der Indogermanen, beispielsweise Kurgan-These, Anatolien-These ist keine allgemein akzeptiert. Einige Wissenschaftler stellen den Migrationsmodellen die Konzeption eines ausgedehnten indogermanischen Sprachkontinuums gegenüber. Es ist sogar strittig, ob eine 'Urheimat' überhaupt definiert werden kann, weil schon deren Existenz nicht gesichert werden könne, geschweige denn eine auch nur mehr als vage zeitliche und räumliche Ansetzung möglich sei.

Auch die Methodik der Glottochronologie liefert nur vermeintlich exakte Daten. Sie versucht an Hand einer Testliste von Begriffen, die in möglichst vielen Sprachen vorhanden sind, Verwandtschaftsbeziehungen von Sprachen festzustellen: je größer der Prozentsatz an als verwandt vermuteten Wörtern der Liste, desto enger seien die Sprachen verwandt. Unter der Hypothese einer konstanten Ersetzungsrate (früher für alle Sprachen, heute je Einzelsprache oder gar Einzelwort) wird der Verlust an gemeinsamem Wortbestand in einem belegbaren Zeitraum mit verschiedenen Methoden einfach zurückprojiziert. Daraus ergäbe sich dann automatisch der zeitliche Abstand der Trennung der Schwestersprachen. Kritisiert an dieser Methodik wird v.a. die Überzeugung, dass für die verschiedenen Stufen der Ausgliederung eine absolute Chronologie bestimmt werden könne. Dies gilt auch für die in der Presse stark beachtete Berechnung von Gray/Atkinson von der Universität Auckland (Neuseeland) aus dem Jahr 2003, die mit Computerprogrammen der Bioinformatik arbeitet.

Wahrscheinlich lassen sich sprachliche Rekonstruktionen nur in der Zusammenarbeit von Sprachwissenschaft und Archäologie erarbeiten.

Ob die Humangenetik dabei eine Rolle spielen kann, ist umstritten. Populationsgenetiker wie Luigi Cavalli-Sforza versuchen nachzuweisen, dass sich zwischen der genetischen Verwandtschaft auch weit auseinander lebender Bevölkerungsgruppen und sprachlicher Verwandtschaft Parallelen ziehen lassen.

Vermutungen zu entfernter Verwandtschaft wurden zu beinahe allen Sprachen der Welt angestellt. Die engste Verwandtschaft wird auf Grund grammatisch-morphologischer Gemeinsamkeiten mit den uralischen Sprachen angenommen. Darüber hinaus wird eine lose Verwandtschaft mit unter anderem Afro-Asiatischen Sprachen, sowie mit den altaischen Sprachen angenommen und unter dem Begriff Nostratisch untersucht.

Eine überholte Unterteilung der indogermanischen Sprachen erfolgte früher nach dem Zahlwort für "hundert", der erschlossenen Urform *kmtom, siehe: Centum-Sprachen.

Untergruppen

Zu den indogermanischen Sprachen gehören die folgenden Gruppen:

Verwandtschaftsverhältnisse

Schon oft wurde versucht, die eben genannten Untergruppen zu größeren Einheiten zusammenzufassen. Nur in seltenen Fällen konnten sich diese Theorien in der Fachwelt durchsetzen, so z.B. die Zusammenfassung der indoarischen und der iranischen Sprachen zu den "indoiranischen Sprachen". Erwogen wurden, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, eine "balto-slawische" Sprachgruppe (balto-slawische Hypothese), die Abstammung des Albanischen vom Illyrischen, eine nähere Verwandtschaft zwischen den italischen und den keltischen Sprachen, die Zuordnung des Venetischen sowohl zum Illyrischen als auch zu den italischen Sprachen, eine "thrakisch-phrygische" Sprachgemeinschaft und vieles mehr. Da bisher keine dieser Theorien stichhaltig nachgewiesen werden konnte, wurde in der Liste oben darauf verzichtet, genauere Zuordnungen vorzunehmen, d.h. "Streitfälle" stehen oben als Einzelgruppen und ohne Hinweise auf vermutete Verwandtschaftsverhältnisse. Wer mehr dazu wissen will, kann sich in den Artikeln über die einzelnen Untergruppen genauer informieren.

Literatur

Weblinks



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Informationen über die Einrichtung am Institut für Griechische und Lateinische Philologie, Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften der Freien Universität Berlin. Informationen über die Einrichtung am Institut für Griechische und Lateinische Philologie, Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften der Freien Universität Berlin.
Beschreibung der Forschungsprojekte sowie der Lehraktivitäten. Beschreibung der Forschungsprojekte sowie der Lehraktivitäten.
Erlangen-Nürnberg (Deutschland) Erlangen-Nürnberg (Deutschland)
... Fachrichtungen Philosophie, Evangelische Theologie, Katholische Theologie, Geschichte, Vergleichende Indogermanische Sprachwissenschaft und Indoiranistik, Klassische Philologie, Vor- und Fr� ... Fachrichtungen Philosophie, Evangelische Theologie, Katholische Theologie, Geschichte, Vergleichende Indogermanische Sprachwissenschaft und Indoiranistik, Klassische Philologie, Vor- und Fr� ...
Scholarly journal (appearing twice a year) devoted to Indo-European studies. Articles in the journal may be in German, English, French, or Italian. Includes an index since 1997. Scholarly journal (appearing twice a year) devoted to Indo-European studies. Articles in the journal may be in German, English, French, or Italian ...

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