Indische Philosophie
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Die indische Philosophie gehört zu den ältesten philosophischen Traditionen der Welt. Sie geht zurück auf die Veden ("Wissen"), eine Sammlung von geschichtlichen, naturwissenschaftlichen und religiösen Texten. Auf dieser Grundlage entwickelten sich neben dem Hinduismus weitere Strömungen: die wichtigsten sind der Buddhismus, eine atheistische Erlösungsreligion, und der Jainismus, dem die Achtung vor dem Leben ahimsa besonders wichtig ist.
| Inhaltsverzeichnis |
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2 Die sechs Darshanas
2.1 1. Nyaya
3 Zitate2.2 2. Vaiseshika 2.3 3. Sankhya 2.4 4. Yoga 2.5 5. Purva Mimansa 2.6 6. Uttara Mimamsa (Vedanta) 4 Literatur |
Einleitung
Obwohl die indische Philosophie sehr reichhaltig und vielfältig ist, sind kaum große Namen bekannt, verglichen mit der griechischen Antike. Eine der wenigen Ausnahmen bildet hier der Gelehrte Shankara, der für die Richtung des Vedanta steht und diese maßgeblich weiter entwickelte.Eine indische Eigenart ist auch die Methode der Überlieferung. Die indischen Lehren wurden vor allem in der Frühzeit mündlich vom Lehrer an den Schüler überliefert, und dies über Jahrhunderte hinweg. Die Aufgabe des Schülers bestand zuerst einmal aus Auswendiglernen. Es ist kein Zufall, dass die frühesten indischen philosophischen Überlieferungen "upanishad" heißen, das bedeutet wörtlich "um (den Lehrer) herum sitzen". Wer keinen Lehrer hatte, konnte nicht in den Genuß des philosophischen Lernens kommen. Philosophische Traditionen wurden innerhalb der eigenen Kaste bzw. Familie weitertradiert. Es gibt in Indien kaum sehr alte Funde von philosophischen bzw. religiösen Texten. Ein Grund ist, dass die schriftliche Fixierung relativ spät begann (weil man ihr wenig Wert beimaß) und zudem schlecht haltbare Materialien wie Palmblätter benutzt wurden. Erst in der klassischen Zeit (400 v.Chr. - 700 n.Chr.) und vor allem im Buddhismus wurde die schriftliche Fixierung üblicher.
Trotz aller Unterschiede gibt es eine Reihe von Gemeinsamkeiten, die sich in den meisten pilosophischen und religiösen Richtungen wiederfinden: die Vorstellung vom Kreislauf der Wiedergeburt (Samsara) bildet die Grundlage von Brahmanismus, Buddhismus, Jainismus und dem neueren Hinduismus. Das Gesetz der Tat (Karma) findet sich in gewissen Abwandlungen ebenso in allen Traditionen wieder. Die Vorstellung einer moralisch verpflichtenden, kosmologischen Instanz (Dharma) wurde von allen Philosophien aufgegriffen. Auch das Konzept der Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten und des damit einhergehenden Stillstands der karmischen Wirksamkeit, das in den diversen Traditionen mit verschiedenen Begriffen belegt ist (Moksha und Kaivalya in Hinduismus und Jainismus, Nirvana im Buddhismus), sowie der Begriff der "Unwissenheit" über die wahre Natur der Dinge (Avidya), die durch jene Befreiung aufgehoben wird, haben ihren festen Platz in den Lehrgebäuden fast aller Strömungen im philosophischen Kontext des Subkontinents.
Trotz dieser starken inhaltlichen Fundamente wurden in Indien auch Konzepte entwickelt, die aus völlig dem "mainstream" ausscheren und ganz eigenständige Ideen entwickelten, wie z.B. die Materialisten (Lokayatas), die Fatalisten (Ajivikas) oder die Nihilisten (als "Nihilisten" galten im philosophischen Kontext Indiens in der Regel all diejenigen, die in den Augen ihrer Kritiker eine Vernichtungslehre vertraten, d.h. den Kreislauf der Wiedergeburten und damit auch die Karmalehre bzw. deren Kausalitätsprinzip negierten).
In den Details unterscheiden sich die Richtungen stark voneinander. Es gibt monistische System (die den Ursprung der Welt in einem einzigen, alles durchdringenden Prinzip sehen) wie Vedanta und es gibt dualistische Systeme (die die Welt auf zwei, von einander unabhängige Prinzipien zurückführen) wie Sankhya oder Jainismus.
Üblicherweise wird zwischen den sog. orthodoxen Richtungen, d.h. den sechs klassischen Systemen (Darshanas), die mit dem Brahmanismus bzw. Hinduismus in Zusammenhang sehen, und den sog. heterodoxen Systemen, wie z.B. dem Buddhismus und dem Jainismus unterschieden.
Auf dieser Seite gibt es zu den meisten Systemen ein Kurzbeschreibung sowie einen Link zur jeweiligen Hauptseite, die eine ausführliche Darstellung enthält.
Die sechs Darshanas
In der klassischen indischen Philosophie wird zwischen zwei Hauptgruppen unterschieden:
Den orthodoxen Systemen, die die Autorität der Veden in ihrer Funktion als Lehr- und Erkenntnismittel anerkennen (Skrt.: astika), und den heterodoxen Systemen, die sich gegen eine derartige Autorität aussprechen (Skrt.: nastika).
Zu den sechs heterodoxen Systemen der indischen Philosophie gehören:
- 1. Charvaka oder Lokayata (Schule der Materialisten)
- 2. Jainismus
- 3. Vaibhashika, die "Schule der ausführlichen Erläuterung" (Hinayana-Buddhismus)
- 4. Sautrantika oder "Sutra-Schule" (Hinayana-Buddhismus)
- 5. Yogacara oder "Nur-Bewusstseins-Schule" (Mahayana-Buddhismus)
- 6. Madhyamaka, die "Schule des Mittleren Weges" (Mahayana-Buddhismus)
- 1. Nyaya. Schule der Logik. Beruft sich auf das "Nyaya-Sutra" von Gautama Rishi.
- 2. Vaiseshika. Lehre des Atomismus. Wird auf das "Vaiseshika-Sutra" von Kanada zurückgeführt.
- 3. Sankhya. Das älteste der sechs Systeme. Kapilas "Samkhya-Sutras" gelten als wichtigste Schrift.
- 4. Yoga. Die "Yoga-Sutras" von Patanjali gaben dieser Strömung ihre systematische Form.
- 5. Purva Mimamsa. Begründet durch Jaiminis "Mimamsa-Sutra".
- 6. Uttara Mimamsa (Vedanta). Erster maßgeblicher Impuls in Richtung eines philosopischen Systems erfolgte durch die "Brahma-Sutras" des Badarayana.
1. Nyaya
2. Vaiseshika
3. Sankhya
Das Sankhya gilt als älteste der orthodoxen philosophischen Systeme Indiens. Diese Philosophie sieht das Universum als aus zwei ewigen Realitäten bestehend: Purusha und Prakriti. Die Purushas (Seelen) sind viele, bewusst und haben keine Qualitäten. Sie sind die stillen Beobachter von Prakriti (Material oder Natur), das aus drei Gunas besteht. Die Gunas (Qualitäten) sind Sattva, Rajas und Tamas. Sattva ist Ruhe, Weisheit. Rajas ist Aktivität. Tamas ist Faulheit. Wenn die Harmonie der gunas gestört ist, ändert sich der Lauf der Welt. Die Störung ist durch die Nähe von Purusha und Prakriti verursacht. Befreiung (Kaivalya), besteht aus der Realisation von der Differenz zwischen den beiden. Das Sankhya ist eine dualistische Philosophie.
Ausführliche Darstellung: Zur Sankhya-Hauptseite
4. Yoga
5. Purva Mimansa
6. Uttara Mimamsa (Vedanta)
Der Vedanta gehört insbesondere seit der hinduistischen Gegenreformation, die um das 8. Jahrhundert einsetzte und den weitreichenden Einfluß des Buddhismus auf dem Subkontinent in den Folgejahrhunderten fast völlig zurückdrängte, bis heute zu den verbreitetsten philosophischen Systemen im indischen Raum. Er hat seine Anfänge in der Philosophie der Upanishaden und wurde später von Gelehrten wie Badarayana, Gaudapada, Shankara, Ramanuja, Vallabha und Madhva systematisiert, interpretiert und weiterentwickelt. Beim Vedanta handelt es sich grundsätzlich um ein monistisches System, da die Welt auf ein einziges, alldurchdringendes Prinzip zurückgeführt wird, doch gibt es in den insgesamt fünf Schulen dieser Tradition, die sich im Laufe der Jahrhunderte herausbildeten, einige Unterschiede in Detailfragen. Das wesentliche Charakteristikum der Lehre, auf das sich alle Schulen neben ihrer gemeinsamen Akzeptanz dreier Schriften als maßgebliche Erkenntnismittel (Brahmasutras, Bhagavad Gita und Upanischaden) einigen können, ist die fundamentale Wesensidentität von Atman (dem innersten, inhärenten Kern oder Selbst des Menschen) und Brahman (dem höchsten, transzendenten Selbst, der "letzten Wirklichkeit"), die beide mit Bewusstsein assoziiert werden. Das Ziel des menschlichen Strebens besteht darin, diese Einheit zu erkennen und zu verinnerlichen. In der durchsetzungsfähigsten Schule des Vedanta, dem von Shankara konkretisierten Advaita, der im 20. Jh. durch moderne Vertreter wie Ramana Maharshi oder Nisargadatta Maharaj über die indischen Grenzen hinaus auch im westlichen Kulturkreis Fuß fassen konnte, wird jene Einheit als "Nicht-Zweiheit" (Skrt.: Advaita) artikuliert. Diese strikt nondualistische Auslegung der upanischadischen Quintessenz nahm in der "Mandukya Karika" Gaudapadas (ca. 7. oder 8. Jh.), einer kommentierenden Abhandlung über die "Mandukya Upanisad", die Shankara als Vorlage für seine Erörterungen diente, erstmals systematische Gestalt an. Vor allem der Begriff der Maya in seiner entmythisierten und psychologischeren Darstellung als Grundlage der Unwissenheit (Avidya) ist ein hervorstechendes Merkmal jener Akzentuierung des Vedanta, deren Schwerpunkt nahezu vollständig auf dem eigenschaftslosen Absoluten (Skrt.: Nirguna Brahman) liegt, und die jeglicher Trennung (der Dualität von Wissendem und Gewußtem) die Wirklichkeit abspricht. Der von Gaudapada geprägte Ausspruch - "Es gibt weder Schöpfung noch Auflösung, weder Gebundenheit noch Befreiung, weder den nach Befreiung Strebenden noch den Befreiten, das ist die höchste Wahrheit" (Mandukya Karika, Kapitel II, Vers 32) - wurde zum Sinnbild dieser Auffassung und gehört zu den meistzitierten Sätzen innerhalb der Tradition des Advaita.
Andere Vertreter des Vedanta, die im Rahmen der zunehmenden Bhakti-Orientierung den späteren Verlauf der philosophisch-religiösen Geschichte Indiens prägten, widersprachen dieser Interpretation, wie zum Beispiel Ramanuja (1055-1137), auf den die Lehre des Vishishtadvaita zurückgeht. Er verlieh dem Vedanta eine theistischere Ausformung, indem er Narayana (Vishnu) als persönliche Gottheit mit in das Lehrgebäude des Vedanta aufnahm und es zudem nicht akzeptierte, dass der Jiva (die individuelle Seele) in der Selbsterkenntnis vollständig in Brahman aufgeht, so wie es Shankara beschrieb. Der Mannigfaltigkeit der Phänomene schrieb er eine Wirklichkeit zu, da sie seiner Ansicht nach den Körper Brahmans konstituiert und als dessen Manifestation nicht illusorisch sein kann - hierzu hob er den Aspekt des "Saguna Brahman" (Brahman mit Eigenschaften) hervor. Strenger als Ramanujas Betrachtungsweise stellt sich Madhvas Lehre des Dvaita dar. Der ebenfalls vishnuitisch ausgerichtete Reformator Madhva (1238-1317) betonte mit seiner Schule des Dualismus den Unterschied zwischen Brahman und den Jivas, zwischen Brahman und der Materie, zwischen den Jivas und der Materie, zwischen den Jivas untereinander und zwischen den materiellen Objekten. Die Aufgabe des Menschen lag Madhva zufolge in der Dienerschaft und Hingabe zu Vishnu. Wo Ramanuja noch auf eine "Einheit in der Verschiedenheit" hinweist, setzt Madhva absolute Differenzen - illustriert anhand des alten indischen Gleichnisses von der Beziehung der Wellen zum Meer greift Ramanuja den formellen Unterschied (Wellen sind nicht das Meer) und die essenzielle Identität (beides ist Wasser) gleichzeitig auf, während Madhva dieses als widersprüchlich zurückweist und die Einheit als eine Abhängigkeit der Welt und Seelen von Brahman äußert. Derartige Auseinandersetzungen führten zu weiteren Verästelungen innerhalb des Vedanta, wie zum Beispiel die auf Sri Chaitanya (1486-1534) zurückgehende Lehre des "Achintya Bhedabheda" (des "unvorstellbaren Unterschieds im Nicht-Unterschied") deutlich macht.
Ausführliche Darstellung: Zur Vedanta-Hauptseite
Zitate
"Nicht umsonst gibt es im Sanskrit vielleicht mehr Worte für philosophisch-religiöse Gedankeninhalte als im Griechischen, Lateinischen und Deutschen zusammengenommen." Graf Keyserling.Die indische Philosophie beginnt da, wo die europäische Philosophie endet - mit einer Untersuchung über die Natur des Wissens und über die Grenzen der Vernunft; sie beginnt nicht mit der Physik des Thales oder des Demokrit, sondern mit der Erkenntnistheorie Lockes oder Kantss. (Will Durant Das Vermächtnis des Ostens)
Literatur
- T.W. Rhys Davids: Dialogues of the Buddha
- Paul Deussen: Das System der Vedanta
- Will Durant: Das Vermächtnis des Ostens
- Wilfried Huchzermeyer: Die heiligen Schriften Indiens - Geschichte der Sanskrit-Literatur. (edition-sawitri.de) ISBN 3-931172-22-8
- Kapila: Aphorisms of the Sankhya Philosophy
- Radhakrishnan, S.: Indian Philosophy
- Swami Vivekananda: Jnana Yoga [1]
- Erich Frauwallner: Geschichte der indischen Philosophie. Otto Müller Verlag, Salzburg, 1953