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Ideologie

Der Begriff Ideologie (griechisch ιδεολογία - die Ideenlehre) wurde im Verlauf seiner Begriffsgeschichte auf vielfältige Weise bestimmt, so dass eine allgemein gültige Definition schwer angegeben werden kann. Zumeist wird mit dem Wort Ideologie ein System von Meinungen und Wertvorstellungen bzw. Denkweisen über den Menschen und die Gesellschaft beschrieben.

Der Begriff Ideologie wird auch als Synonym für ein fixiertes Weltbild gebraucht, das auf einer bestimmten (z.B. konservativen, sozialen, liberalen, ökologischen) Grundidee beruht, die in den Augen ihrer Vertreterinnen und Vertreter einen Idealzustand beschreibt.

Inhaltsverzeichnis
1 Begriffsgeschichte
2 Beispiele
3 Ideologie und Wissenschaft
4 Ideologiekritik
5 siehe auch
6 Literatur
7 Weblinks

Begriffsgeschichte

Der Begriff Ideologie entstand im Zuge der Aufklärung, deren Ziel es war, sich von Aberglauben, Irrtümern und Vorurteilen zu befreien, die den mittelalterlichen Machthabern zur Legitimation ihrer Herrschaft dienten.

Der Begriff Ideologie wurde 1796 von dem französischen Philosophen Destutt de Tracy geprägt. Die Schule der Ideologen verstand sich als Gegenströmung zum Rationalismus von René Descartes. Die Ideologen versuchten den Ursprung von Ideen als biologischen Prozess zu erklären, der ihrer Ansicht nach nicht ohne sinnliche Erfahrungen auskäme. Die französischen Ideologen standen in der Tradition der Aufklärung und waren demokratisch orientiert. Unter Napoleon verloren die Ideologen an Einfluss in der französischen Geisteswelt.

Mitte des 19. Jahrhunderts griffen Marx und Engels den von der Propaganda Napoleons stigmatisierten Begriff wieder auf und suchten, die bürgerliche Wirtschaftswissenschaft und Philosophie als Ideologie zu bewerten und den Marxismus als wissenschaftliche Analysemethode dagegen zu setzen. Dem Marxismus zufolge manifestiert sich die Ideologie in Gestalt von Philosophie, Religion und Recht. Ideologie wird hier nicht als bewusste Verführung, sondern als ein "notwendig falsches Bewusstsein" konzipiert, das sowohl den Beherrschten wie den Herrschenden zueigen sei. Bestandteile der kapitalistischen Ideologie seien der Lohn-, Geld-, und Warenfetisch sowie die Verdinglichung. Zusammen bedingten sie eine Verschleierung der gesellschaftlichen Verhältnisse, die als scheinbare Naturgesetze dargestellt werden (siehe auch Biologismus). Das Denken über die eigentlichen Probleme der Gesellschaft werde behindert und so das bestehende Wirtschafts- und Herrschaftssystem gestützt. Veränderung beginnt demnach mit Ideologiekritik. Lenin und Stalin benutzten den Marxismus als Ideologie, um die Herrschaft der Bolschewisten zu rechtfertigen, gleichzeitig wurde der Marxismus von Kritikern wie Pannekoek dazu benützt, um eben diese Herrschaft zu kritisieren.

Im Anschluss haben Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche, Vilfredo Pareto (dieser als "Derivation"), Ferdinand Tönnies, Karl Mannheim, Ernst Topitsch, Karl Popper, Hans Albert, Bertrand Russell, Louis Althusser und Jürgen Habermas in Wissenschaft und Technik als Ideologie den Themenkomplex behandelt.

Theodor W. Adorno differenziert im 20. Jahrhundert zwischen der Gesamtideologie eines Individuums und seiner Ideologie in verschiedenen Bereichen des sozialen Lebens wie Politik, Wirtschaft oder Religion. Demnach sind die Ideologien verschiedener Epochen Ergebnis historischer Prozesse. Die Anhängerinnen und Anhänger geschlossener Ideologien sind dem zufolge eine kleine Minderheit, da zumeist unterschiedliche ideologische Systeme absorbiert und zu einem Denkmuster verwoben werden.

Beispiele

Beispiele für Ideologien sind:

Ideologie und Wissenschaft

Die Abgrenzung von der Ideologie wurde zu einem konstitutiven Bestandteil der im Zuge der Aufklärung entstandenen neuen Wissenschaften, die sich im Gegensatz zur Ideologie und zum Glauben als wertfrei, neutral und objektiv setzten. Von manchen Wissenschaftstheoretikern (u.a. Bruno Latour) wird diese Entgegensetzung von Ideologie und Wissenschaft als moderner Machtmechanismus und Verschleierungstechnik der Aufklärung gesehen.

Ideologiekritik

Als früher Kritiker an Ideologien gilt Francis Bacon ((1561 - 1626)), der in seiner Idolenlehre die Reinigung des Denkens von Idolen (Trugbildern) als Voraussetzung von Wissenschaft sieht. Quellen dieser Trugbilder können Tradition, Sprache, Herkunft und Sozialisation sein. Die französischen Materialisten, u.a. Paul Heinrich Dietrich von Holbach und Claude Adrien Helvétius, kritisierten insbesondere die Religion und bezeichneten deren - im Interesse der Machterhaltung verbreiteten - Behauptungen als Priestertrug.

Kritikerinnen und Kritiker von Ideologien verbinden mit ihnen Einseitigkeit, Intoleranz, Manipulation und Herrschaft über andere Menschen. Diese Sichtweise geht davon aus, dass eine Ideologie grundsätzlich Bezug auf das Zusammenleben von Menschen nimmt und daher schon im Ansatz die mögliche Tendenz in sich trägt, anderen eine bestimmte Sichtweise aufzudrängen. Diese Kritikerinnen und Kritiker werfen Anhängerinnen und Anhänger von Ideologien vor, die Freiräume der Mitmenschen dem eigenen Idealbild unter zu ordnen und durch Dogmatisierung die Individualität der Gemeinschaftsmitglieder zu verletzen. Dabei wird oft auch ein abgeschlossenes Weltbild kritisiert, das jede Kritik am Weltbild ausschliesslich mit schlechten Absichten oder mangelnder Information des Kritikers erklärt, die kritisierten Eigenschaften des Weltbildes werden dabei nicht hinterfragt.

Der Vorwurf einer durch Ideologie bestimmten Argumentation ist häufig im politischen Diskurs anzutreffen. Damit soll ausgedrückt werden, dass ein Standpunkt deswegen als nicht stichhaltig angesehen wird, weil er auf einer Ideologie basiere. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus ist die Skepsis gegenüber umfassenden und mit Heilsversprechungen durchsetzten Theoriengebäuden gewachsen, insbesondere wenn sie mit Handlungsaufforderungen verbunden sind (eine Ausnahme: Religion). Unausgesprochene Ideologeme (einzelne Elemente einer Ideologie) beherrschen deshalb oft die Debatte, ohne dass dies in den Diskursen immer zu Bewusstsein käme.

Ein weitergehender Kritikpunkt ist, dass Ideologien (bzw. deren Anhängerinnen und Anhänger) Grundideen als gegeben voraussetzen, mit denen die Hauptidee begründet wird. Da die Wahrnehmung der Welt Grundideen voraussetzt, ist jegliche Aussage über die Realität ideologisch geprägt. Ideologiekritik ist demnach das Hinterfragen dieser Grundideen und der Grundkategorien in denen wir denken.

siehe auch

Literatur

Weblinks

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