Hohes Lied
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Titel
Die Bezeichnung "Hohes Lied" geht auf Martin Luther zurück. Der hebräische Name Shir ha Shirim bedeutet wörtlich »Lied der Lieder«. Dem entspricht auch der Titel in der griechischen Septuaginta Ασμα Ασματων (asma asmatôn) und in der lateinischen Vulgata Canticum Canticorum.Textgestalt
Ob man das Hohelied eher als einheitliche Komposition oder eher als Liedersammlung ansehen soll, ist umstritten. Jedenfalls treten wechselweise ein Mann, eine Frau und eine Art Chor als Sprecher auf. Der Mann wird mit Salomon identifiziert (die Zuschreibung im Gedicht ist unklar; dort wo der Name "Salomon" fällt, muß dies nicht der männliche Sprecher sein), der Name der Frau ist Sulamith.Seit dem Mittelalter wird das Hohelied in acht Kapitel unterteilt.
Datierung
Aramäisierende Sprachformen belegen, daß das Hohelied seine Form in der es uns heute vorliegt, erst nach 500 v.Chr. erhalten hat. Es ist allerdings nicht auszuschließen, daß wesentlich ältere Vorformen in den heutigen Textbestand eingegangen sind, die aus der Zeit bis 700 v.Chr. stammen. Gelgentlich werden für die Vorformen sogar noch ältere Datierungen vorgeschlagen.Religionsgeschichtliche Einordnung
Eine kultisch-mythologische Theorie betont die Übereinstimmungen mit sumerischen Texten über die heilige Hochzeit, insbesondere die Verbindung des Fruchtbarkeitsgottes Tammus und der Göttin Ischtar. Gegen diese Theorie wird angeführt, dass das Alte Testament sich ansonsten deutlich gegen die vorderasiatischen Fruchtbarkeitskulte wendet. Die Übereinstimmungen können nach einer anderen Theorie auch darauf beruhen, dass Anregungen aus der profanen syrischen oder altägyptischen Liebeslyrik eingeflossen sind.Auslegungstradition
Als Verfasser des Hohenliedes wurde in der Antike der (legendäre?) biblische König Salomon angenommen. Dies geht vermutlich darauf zurück, daß im Hohenlied Salomon selber genannt wird (1,5; 3,7ff.; 8,11f.) und Salomon nach 1Kg5,12 als Autor von 1005 Gedichten galt. Diese Verfasserzuschreibung wurde auch vom Mittelalter übernommen und hatte bis in die Neuzeit Anhänger.Gemäß der allegorischen Auslegungsmethode wurde in Antike und Mittelalter von Juden und Christen die erotische Annäherung, von der das Gedicht handelt, als Beschreibung der Liebe zwischen Gott und seinem auserwählten Volk (im Judentum) bzw. der Kirche als Braut Christi (im Christentum) interpretiert. Im christlichen Mittelalter wurde dann auch Sulamith als Repräsentation von Maria angesehen. Das Hohelied spielte darum auch eine hervorgehobene Rolle in der Marienfrömmigkeit der christlichen Mystiker.
Während das Hohelied im Mittelalter sehr häufig kommentiert und als Predigtstoff verwendet wurde, spielt es in der heutigen Frömmigkeitspraxis der Großkirchen kaum noch eine Rolle.
Siehe auch: Bibel, Liste der Bücher der Bibel, Altes Testament, Buch Kohelet, Jesaja (Buch)
Weblinks
- Das Hohelied Salomos in der unrevidierten Elberfelder-Bibelübersetzung
- Andreas Schmidt: Stark wie der Tod (Interpretation)
- Brun von Schonebeck, Das Hohe Lied. Hrsg. von ARWED FISCHER (StLV 198), Tübingen 1893 (Nachdr. Hildesheim/New York 1973). Online im Mittelhochdeutschen Textarchiv (mhgta)