Historische Schule
| Inhaltsverzeichnis |
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2 Die Historische Methode 3 Jüngere Historische Schule 4 Literatur |
Ältere Historische Schule
Hauptvertreter:
- Wilhelm G. F. Roscher (1817-1894)
- Bruno Hildebrand (1812-1878)
- Karl G. A. Knies (1821-1898)
Roscher - als Hauptvertreter dieser Schule - will die wirtschaflichen Gegebenheiten und Vorstellungen einzelner Epochen und geographischer Räume erkunden. Daraus, erwartet er, lassen sich durch empirische Auswertung Entwicklungsgesetze ableiten. Diese sind zwar nicht per se für die Vorhersage geeignet, können aber helfen aktuelle Entwicklungen besser zu verstehen. Hildebrand erklärt die Nationalökonomie sogar zur Keimzelle einer allgemeinen Kulturtheorie (Die Soziologie war zu diesem Zeitpunkt noch nicht als eigene Wissenschaftsdisziplin etabliert).
Als Ergebnis ihrer Forschungstätigkeit entstanden nicht nur zahlreiche Detailstudien von der Entwicklung kommunaler Handwerksbetriebe bis zum Entstehen ganzer Wirtschaftsbereiche. Ihr gebührt auch der Verdienst, den Begriff der Kultur als Einflussgröße auf historische Veränderungen in die Nationalökonomie eingeführt zu haben.
Die Historische Methode
Die Historische Schule versucht, ihre Hypothesen in der Wirklichkeit zu verankern. Dazu war es notwendig, die eigenen Studien mittels empirischer Erhebungen abzusichern beziehungsweise auf Erkenntnisse der Geschichtswissenschaft zurückzugreifen. Da alle so herausgearbeiteten Entwicklungsgesetze abhängig von ihrem Kontext in Raum und Zeit sind, sind sie zwar nicht universell anwendbar, es ist aber möglich, so genannte Entwicklungsstufen herauszuarbeiten, die sich trotz ihrer räumlichen oder zeitlichen Entfernung ähneln. Dort, so die Annahme, würden auch die Entwicklungen ähnlich verlaufen.
Diese Vorstellungen stehen der individualistisch, utilitaristisch und deterministisch angesehenen Klassik diametral entgegen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die allen Vertreten gleiche Grundauffassung darin bestand, alle Lebensvorgänge als geschichtliche Ereignisse zu begreifen. Die Menschen motiviert nicht nur der Eigennutz zum Handeln, sondern auch andere kulturelle Faktoren. Da aber Kultur Veränderungen unterworfen ist und die Nationalökonomie sich mit Menschen beschäftigt, kann sie auch nur eine Sozialwissenschaft sein, keine Naturwissenschaft, als die sie die Klassiker aufgefasst hatten. Ziel ist denn keine Erfassung von Naturgesetzen, sondern die Systematisierung und Verallgemeinerung von historischen Daten, um zu empirisch haltbaren Aussagen zu gelangen.
Jüngere Historische Schule
Hauptvertreter:
- Gustav von Schmoller (1838-1917)
- Karl Bücher (1847-1930)
- Lujo Brentano (1844-1931)
Besonders Gustav von Schmoller beschäftigt sich intensiv mit gesellschaftlichen Institutionen. Dem Eigennutz - als klassischem Antrieb für menschliches Verhalten - fügt er den Wunsch nach ethischem Handeln, Anerkennung, die Angst vor Strafe und gelebte Gewohnheiten in Recht und Moral hinzu, die sich in diesen Institutionen manifestieren.
Darüber hinaus sind die Vertreter der jüngeren Historischen Schule häufig normativ tätig. Sie sehen es als ihre Aufgabe an, der Ethik verpflichtet Ratschläge zur Lösung politischer und vor allem sozialer Probleme zu geben. Viele dieser Probleme führen sie auf Nebenwirkungen der Marktwirtschaft zurück und fordern Eingriffe in den Markt. Freiheit -so weiter - sei zwar notwendig, aber nicht hinreichend, um Wohlstand zu schaffen. Hinzu müsse ein Staat kommen, der ungewollte Ergebnisse wie industrielle Konzentrationsprozesse oder steigende Vermögensungleichheit korrigieren könne. Diese Sichtweise, die auch nicht unerheblich die Ausgestaltung der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland nach 1945 geprägt hat, bringt ihren Vertretern die Bezeichnung Kathedersozialisten ein.
Zur besseren Beleuchtung sozialer Fragestellungen gründen Vertreter der Historischen Schule und andere sozialpolitisch engagierte Wissenschaftler 1872 den Verein für Socialpolitik, der Bühne für die großen wissenschaftstheoretischen Debatten - den Methodenstreit und die Werturteilsdebatte wird.
Das verbindende Element der Vertreter der jüngeren Historischen Schule findet sich vor allem in den Anschauungen zur Methode, der Gesellschaft und der Wirtschaft. Dem Staat und der Staatswirtschaft fällt hier die Aufgabe zu, gesamtwirtschaftliche Ziele, insbesondere das Gemeinwohl zu verfolgen und die Privatwirtschaft zu sittlichem Handeln zu bringen. Der Wirtschaftsprozess wird als ein sozial-organischer gesehen, evolutorisch und nicht als ewiger Kreislauf. Und schließlich bildet die Einbeziehung von Gruppeninteressen und die Untersuchung des Verhältnisses von Recht und Wirtschaft eine gemeinsame Anschauung dieser Schule.
Literatur
- Böhm-Bawerk, Eugen: Historische und theoretische Nationalökonomie. In: Franz X. Weiss: Gesammelte Schriften von Eugen Böhm-Bawerk. Wien, Leipzig, 1924. S. 157-188.
- Brandt, Karl: Geschichte der Volkswirtschaft. Band 2: Vom Historismus bis zur Neoklassik, Freiburg, 1994.
- Schachtschabel, Hans, G.: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Stuttgart, Düsseldorf, 1971.
- Diefenbach, Nicolas: Historische Schule der Nationalökonomie in Deutschland, Marburg, 2002.