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Hellenismus

Der Begriff Hellenismus wurde durch den deutschen Historiker Johann Gustav Droysen um die Mitte des 19. Jahrhunderts geschaffen.

Er bezeichnet die geschichtliche Epoche vom Regierungsantritt Alexanders des Großen von Makedonien 336 v. Chr bis zur Einverleibung des letzten Diadochenreiches in das Römisches Reich 30 v. Chr.

Inhaltsverzeichnis
1 Geschichtlicher Grundriss
2 Merkmale der Epoche
3 Quellensituation
4 Literatur
5 Siehe auch
6 Weblinks

Geschichtlicher Grundriss

Weiterführende Informationen zu diesem Thema: Geschichte des Hellenismus

Nach dem Tod Alexanders erhoben sich seine führenden Generäle, die so genannten Diadochen, zu lokalen Machthabern; eine Wiedervereinigung des Alexanderreiches erschien spätestens 301 v. Chr aussichtslos, als Antigonos I. Monophthalmos in der Schlacht von Ipsos seinen Rivalen unterlag. Die sog. Diadochenkämpfe um Alexanders Erbe endeten schließlich 281 v. Chr nach insgesamt sechs Kriegen mit der Zuteilung Makedoniens und Teilen Griechenlands an Antigonos (dem Stammvater der Antigoniden), Syriens, Mesopotamiens und Persiens an Seleukos I (dem Stammvater der Seleukiden) sowie Ägyptens an Ptolemaios (dem Stammvater der Ptolemäer) und der Bildung dreier entsprechender Großreiche.

Hierdurch kam es zu einer vorübergehenden Stabilisierung der politischen Lage, bevor die Auflösungserscheinungen wieder voranschritten und Rom sich in die Konflikte einzumischen begann, so namentlich in Griechenland und im Konflikt der Seleukiden mit den Ptolemäern um Palästina: Antiochos III wurde 188 v. Chr von den Römern zum Verzicht auf Teile seines Reiches gezwungen, während auch Philipp V von Makedonien eine Einengung seines Handlungsspielraums in Griechenland akzeptieren musste.

168 v. Chr wurde Makedonien, nach der Niederlage des Sohnes Philipps V., Perseus, von den Römern in vier Bezirke aufgeteilt und 148 v. Chr endgültig in eine römische Provinz verwandelt. 64 v. Chr wurden mit der Eroberung Syriens durch Pompeius die Reste der Seleukidenherrschaft getilgt, 30 v. Chr mit der Einnahme Alexandrias durch Oktavian die Ptolemäer um ihr Reich gebracht.

Die politische Geschichte des Hellenismus, und damit auch der politischen Selbstständigkeit griechischer Staaten, endete somit, während die kulturelle Ausstrahlung des Hellenismus erhalten blieb (siehe auch Byzantinisches Reich).

Merkmale der Epoche

Der Hellenismus umspannte einen gewaltigen Raum: Von Griechenland bis nach Indien, vom Schwarzen Meer bis nach Ägypten. Auch in Baktrien setzten sich die Griechen fest und etablierten dort das so genannte Gräko-baktrische Reich, welches erst nach knapp zwei Jahrhunderten unter ging. Schwerpunkt der Handlungen während Hellenismus war aber der östliche Mittelmeerraum, auch wenn die Seleukiden immer wieder versuchten, ihre östlichen Besitzungen in Persien zu stabilisieren (siehe Antiochos III).

Die Zeit nach 280 war eine kulturelle Blütezeit, in der sich Mathematik, Philosophie und Kunst entfalten konnten, besonders, aber nicht nur, in Alexandria. Die Griechen in den hellenistischen Staaten waren allerdings immer in der Minderheit, während es immer mehr zu Konflikten mit der einheimischen Bevölkerung kam. So traten immer mehr interne Auflösungserscheinungen zu Tage, begleitet von einem Zerfall der Regierungsgewalt. Gleichzeitig gelang es den Reichen nicht, einen modus vivendi zu schaffen.

Kennzeichen dieser Geschichtsepoche ist die Hellenisierung: Die Durchdringung vor allem des Orients durch die griechische Kultur und im Gegenzug den Einfluss orientalischer Kultur auf die Griechen. Das Griechische war zu dieser Zeit Weltsprache, die so genannte Koiné (von koínos allgemein).

Besonders gut ablesbar ist dies am Hellenistischen Judentum von dem wir zum Glück eine größere Quellensammlung haben, durch die Schriften von Philo, Josephus, wie such den Apokryphen der Bibel. Hier ist erkennbar wie sich ein "orientalischer Kult" wie das Judentum (in sehr verschiedener Weise) mit griechischem Denken und griechischer Sprache verbinden, und so eine Weltreligion geboren wird.

Die Hellenisierung der orientalischen Bevölkerung sorgte dafür, dass noch bis weit ins Mittelalter hinein wenigstens die städtische Bevölkerung Syriens und Kleinasiens Griechisch sprach (Ägypten bildet dabei einen Sonderfall).

Somit brachen die Griechen aus dem engen Raum der Polis aus, und es kam zu einer ersten Globalisierung. Tatsächlich überdauerten die kulturellen Traditionen des Hellenismus den politischen Zusammenbruch und wirkten noch Jahrhunderte in Rom und im Byzantinischen Reich fort.

Quellensituation

Die Quellenlage zum Hellenismus ist mit die problematischste in der Alten Geschichte, da in weiten Teilen eine durchgehende Überlieferung fehlt. Somit ist man auf die Fragmente (wie von Hieronymus von Kardia) bzw. auf die nicht vollständig erhaltenen Schriften von Historikern angewiesen (Polybios, Diodor) sowie auf archäologische Quellen etc. Aus diesem Grund sind viele Sachverhalte umstritten, auch wenn im Großen und Ganzen ein Gerüst steht, welches jedoch komplexe Detailfragen aufwirft.

Literatur

Die klassische Darstellung ist Droysens Geschichte des Hellenismus, die inzwischen jedoch hoffnungslos veraltet ist. Neuere Darstellungen sind in englischer (Peter Green, Graham Shipley, Frank W. Walbank) und französischer (E. Will: Histoire politique du monde hellènistique) Sprache vorhanden. Im Folgenden werden vor allem Überblickswerke genannt, an Hand deren Bibliographien sich leicht spezialisiertere Literatur erschließen lässt.

Siehe auch

Weblinks



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