Held
Zur Heldin vgl. auch Virago.
| Inhaltsverzeichnis |
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2 Der Propagandaheld 3 "Helden" heute? 4 Bekannte Helden 5 Wissenschaftliche Behandlung 6 Zitate 7 Literatur 8 Siehe auch 9 Weblinks |
Der Held als Heros
Abstammung oder Vorzeichen können vor allem einen antiken Heros ankündigen, doch kann (etwa in den isländischen Sagas) der kommende Held ein nichtsnutziger junger Mann sein, der immer nur hinter dem Ofen liegt. Zum "Helden" wird er jedenfalls durch seine erste außergewöhnliche ("heroische") Tat, wenn er etwa ein Ungeheuer oder einen Riesen erschlägt, eine Blutrache ausführt oder Menschen (gerne Jungfrauen) aus Bedrängnis rettet. Ein Held entspricht normalerweise der Definition dessen, was in der jeweiligen Kultur als vortrefflich gilt. Dass ihm das Glück ("Heil") regelmäßig zur Seite steht, ist dabei nicht notwendig.Bekannte Helden näherten sich in einigen Kulturen dem Status von Göttern an. Viele waren Halbgötter, Nachkommen von Sterblichen und Göttern. Das Wort "Heros" kommt aus dem Altgriechischen "ήρoς" und bezeichnet den Kulturheros der Mythologie. Die griechischen Heroen (ήρóες) waren häufig die Gestalten, die als mythische Gründer der griechischen Städte, Staaten und Länder galten. Diese mythischen Helden waren nicht immer tadellose Vorbilder. Das Zeitalter, in dem Helden dieser Art wirkten, und wo die Geschichten der griechischen Mythologie spielten, wird auch das "Heroische Zeitalter" genannt. Diese Ära endete kurz nach dem Trojanischen Krieg, als die legendären Kämpfer fast ausnahmslos fielen oder auf der Heimkehr umkamen.
Zuweilen vermochte auch eine historische Person so viel Ansehen zu erzielen, dass sie ein Held in den Augen des Volkes wurde (Volksheld, vgl. auch Nationalheld). Dieses Phänomen war häufig begleitet von einem schnellen Wachstum an Mythen um die Person; häufig wurden ihr besondere Kräfte zugeschrieben.
Der Propagandaheld
Trivialliteratur und Film zehrten noch vom Image des Helden, machten ihn aber bereits unterschwellig lächerlich.Ganz aus der Mode gekommen war er zumindest in Deutschland und Österreich seit dem verlorenen Zweiten Weltkrieg, weil propagandistisch allzu Vielen der Status des "Kriegshelden" und dann der "Heldentod" zugesprochen wurde, so dass aus für das Heldische begeisterten Kindern die "Skeptische Generation" des Nachkriegs wurde.
In der ehemaligen DDR waren Helden der Arbeit jene Kollegen, die die Norm deutlich übererfüllten.
Heute (2005) wird das Wort fast nur noch ironisch verwendet: Du bist mir vielleicht ein Held.
"Helden" heute?
In der heutigen Zeit gibt es keine eindeutige Definition für Held mehr. Der Versuch einer Definition von Held in der heutigen Zeit kann lauten: Ein Held setzt sich für eine uneigennützigee Sache ein und ist dabei bereit, seine Existenz aufzuopfern, wobei er eine Vorbildfunktion erfüllt, mutigig und willensstark ist.Bekannte Helden
- Samson (altes Israel)
- David (altes Israel)
- Herakles (Heros der Griechen; lateinisch "Hercules")
- Odysseus (griechischer Held der Odyssee und der Ilias)
- Achill (berühmtester griech. Held vor Troja)
- Hektor (berühmtester trojanischer Held ebenda))
- Paris (berühmter trojanischer Held und Frauenräuber, ebenda))
- Perseus (Griechenland)
- Totila und Teja (Ostgotenkönige, Italien)
- Beowulf (Skandinavien, England)
- Siegfried (germanischer Held, in Skandinavien "Sigurd")
- König Artus und seine Ritter der Tafelrunde (spätantikes/frühmittelalterliches England)
- Sindbad, der Seefahrer (arabisch, aus Tausendundeiner Nacht)
- Hua Mulan (China)
- Ilja Muromez (russischer Bogatyr, wird in versch. Bylinen besungen)
- Stenka Rasin (russischer Volksheld)
- Fürst Igor (historisch, wird im Igorlied besungen)
- Die zwölf Paladine Karls des Großen waren wichtige Helden, deren Geschichten in der Entwicklung der höfischen Liebe und der Ritterromanze wichtig waren
- Roland (Deutschland, Frankreich)
- Grettir und Gisli (Island)
- Winkelried (Schweiz)
- El Cid (Spanien)
- Fra Diavolo (Italien)
- Zorro (Spanien, Mexiko)
- Buffalo Bill (Wilder Westen)
- Musashi Miyamoto (Japan)
Wissenschaftliche Behandlung
Soziologie
Soziologen sehen in Zeiten sozialer Umwälzungen (vgl. Barbarei) oder nationaler Krisen nachgerade die Notwendigkeit eines Helden. Solche Helden bilden dann ein bestimmtes Vorbild (teilweise ein Klischee), besonders für die Jugend. Solche Mythenbildungbildung scheint früher wirksamer gewesen zu sein; heute hat sie sich unter dem Einfluss der Massenmedien zum Starkult fortgebildet.Religionswissenschaft
Der Religionswissenschaftler Georges Dumézil wies im indoeuropäischen Vergleich darauf hin, dass viele strukturell vergleichbare Götersagen von Indien bis Europa auf gemeinsame urgeschichtliche Heldensagen zurück gehen könnten. Der Religionsphilosoph Hermann Usener dreht in seinem Buch "Götternamen" den Spieß um, indem er folgendes Postulat aufstellt: ...daß alle Heroen, deren Geschichtlichkeit nicht nachweisbar oder wahrscheinlich ist, ursprünglich Götter waren. Interessanterweise kommt Norbert Lönnendonker in seinem Buch "Als die Götter noch jung waren; Namenkundliche Untersuchungen zur Nibelungensage" zu dem gleichen Ergebnis - zumindest was die Helden Siegfried/Sigurd (Drachentöter), Hagen von Tronje (Högni in der Thidrekssaga) und Dietrich von Bern (Thidrek af Berne in der Thidrekssaga) betrifft.Literaturwissenschaft
Literaturwissenschaftlich ist ein Held - mit abweichender Wortbedeutung - in literarischen Werken ganz allgemein die Hauptperson einer Erzählung oder eines Bühnenstückes, unabhängig von seinen Fähigkeiten oder seinem moralischen Status. Man spricht dann auch vom Romanhelden oder Protagonisten. Er kann dann auch schwach oder böse sein (Antiheld) oder ernste Fehler begehen, die zu seinem Fall führen (besonders in der Tragödie, siehe zum Beispiel Hamlet).Zitate
- Zeige mir einen Helden und ich schreibe dir eine Tragödie. -- F. Scott Fitzgerald
Literatur
- Hermann Usener Götternamen, Klostermann, September 2000, ISBN 3465031148
- Norbert Lönnendonker Als die Götter noch jung waren; Namenkundliche Untersuchungen zur Nibelungensage, . Rhombos-Verlag, 340 Seiten. 2003, ISBN 3930894920, auch [1]
- Nicolaus Sombart: "Die deutschen Männer und ihre Feinde. Carl Schmitt - ein deutsches Schicksal zwischen Männerbund und Matriachatsmythos", Reihe Geschichte Fischer, 1997, Fischer-Taschenbuchverlag, ISBN 3-596-11341-5, Erstausgabe 1991 im Carl Hanser Verlag
Siehe auch
- Heldensage
- Volksheld, Nationalheld, Held der Sowjetunion, Held der Arbeit, Superheld, Superman
- Antiheld
Weblinks