Heimat (Film)
Im Vorfeld des Spielfilms drehte Reitz einen Dokumentarfilm über den Hunsrück. In Geschichten aus den Hunsrückdörfern (1980/1) werden Menschen gezeigt, die ihre Heimat, den Hunsrück, (noch) nicht verlassen haben, während in Heimat gerade das Weggehen, das Verlassen der Heimat, ein zentrales Thema ist.
| Inhaltsverzeichnis |
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2 Pressestimmen 3 Die Darsteller und ihre Rollen 4 Weblinks 5 Literatur |
Inhalt
Heimat 1
Der erste Teil (11 Teile in unterschiedlicher Länge zwischen 58 und 138 min) wurde 1981/1982 vor allem im Hunsrückdorf Woppenroth gedreht, das Drehbuch an selber Stelle 1979/1980 von Edgar Reitz und Peter Steinbach geschrieben; die Premiere fand am 30. Juni 1984 in München statt. Als Namen für den Filmort wählte der am 1. November 1932 in Morbach im Hunsrück geborene Edgar Reitz Schabbach, einen Familiennamen, den er auf einem Grabstein in Bischofsdhron (Ort im Hunsrück nahe Morbach) fand."Heimat" ist die Geschichte der Maria Simon geb. Wiegand und ihrer bäuerlichen Familie aus Schabbach. Sie wird vom 19. Lebensjahr (1919) bis zum 82. Lebensjahr (1982) begleitet. Sie heiratet Paul Simon, bringt zwei Kinder zur Welt, wird von ihrem Mann verlassen. Eingebettet in das dörfliche Leben verknüpfen und lösen sich die Lebenswege der Wiegands, Simons und Schirmers in chronologischer Folge.
Die dabei erzählten Begebenheiten sind zu einem großen Teil authentischer Natur. Reitz und sein Co-Autor Steinbach trugen sie aus alten Tageszeitungen, eigenen Erinnerungen und den Erzählungen der Dorfbewohner zusammen, und verknüpften sie zu einem fiktiven Gesamtwerk, das somit jedoch durchaus (semi-)dokumentarische Züge aufweist.
Heimat ist gleichzeitig eine Chronik deutscher Geschichte: "Der Film berichtet vom Weg in den Faschismus, von der Nazizeit, vom Wiederaufbau und vom Wirtschaftswunder mit seinen Spätfolgen. Es ist ein Film über Liebe und Tod, über Erinnern und Vergessen. Heimat ist die Geschichte von denen, die immer Verlierer bleiben, und von den anderen, die - wie die Katz oder Lucie - immer wieder auf die Füße fallen." (Quelle: www.absolutmedien.de)
Ein Kritiker der ZEIT schrieb dazu: "HEIMAT übersetzt die große deutsche Geschichte in eine Dimension, in der sie der Größe entkleidet wird, nämlich die der kleinen Leute, die ihr Leben in Würde auch ohne Größe führen. Reitz lenkt seinen Film durch den Wärmestrom der Geschichte: ein seltener Glücksfall!"
Anders als im Heimatfilm der 1950er Jahre wird Heimat nicht verklärt. Das Leben bedeutet Geborgenheit und Gebundenheit, ja Zwang; es ist zugleich weit und eng. Mundart ist damit nicht origineller Kitsch, sondern ländliche Realität. Heimat fand - ebenso wie Die Zweite Heimat (s. u.) - international große Beachtung.
Stilistisch besonders auffällig ist zum einen der Wechsel zwischen Schwarz-Weiß- und Farbfilmmaterial, über den nach Ausstrahlung der Filme gediegen philosophiert wurde, während Edgar Reitz und sein Kameramann Gernot Roll nicht häufig genug beteuern konnten, dass sie dabei keiner ausgeklügelten Theorie gefolgt seien, sondern die Materialauswahl oft spontan getroffen hätten. Ein wesentliches Kriterium dabei sei die Vorstellung gewesen, dass in unserer Erinnerung der Vergangenheit Farbeindrücke nur bei bestimmten Motiven eine Rolle spielten. Des weiteren fand die Präzision und Bedächtigkeit des Reitz'schen Erzählrhytmus viel Lob bei Zuschauern und Kritikern.
Heimat 2
Die Zweite Heimat - Chronik einer Jugend, 1992 fertig gestellt (13 Teile zwischen 108 und 133 Minuten), begleitet Hermann Simon, Marias Sohn, der bereits in der ersten Staffel eine wichtige Rolle spielt, vom Abitur 1960 über das Musikstudium in München bis zu seiner Rückkehr nach Schabbach 1970. Vom Charakter her unterscheidet sich Die Zweite Heimat deutlich von Heimat. Anstelle des dörflichen Rahmens aus Heimat entwickeln sich die Geschichten hier im Milieu der künstlerischen Avantgarde innerhalb der münchener Studentenszene der 1960er Jahre. Auch hier jedoch findet, wie in Heimat, die Verknüpfung von privater und (zeit-)geschichtlicher Perspektive statt.Heimat 3
Heimat 3 - Chronik einer Zeitenwende (6 Teile mit 100 bis 133 min Lauflänge) wurde 2002/2003 gedreht und kehrt in den Hunsrück und damit an den Ausgangsort des Geschehens zurück. Ausgangspunkt ist der Fall der Berliner Mauer 1989. Der Geschichtsbogen schließt mit der Jahrtausendwende. Die deutsche Fernseherstausstrahlung in sechs Folgen wurde vom 15.-29. Dezember 2004 in der ARD gesendet. Leider wurden dafür die Folgen leicht bis stark (40 Minuten in Folge 4) jeweils auf 90 Minuten gekürzt. In anderen Ländern, z. B. den Niederlanden, lief die ungekürzte Fassung (so im kommenden Herbst 2005 auch in England auf BBC 4), die auch in einigen Kinos gezeigt wurde und auf DVD erschienen ist. Im Zuge der DVD-Veröffentlichung aller drei Teile der Trilogie wurden die Teile in Heimat 1, Heimat 2 und Heimat 3 umbenannt.Pressestimmen
Heimat
- "HEIMAT ist nicht nur das Kronjuwel des Neuen Deutschen Films, sondern markiert darüber hinaus einen Wendepunkt im europäischen Film!" (The Guardian)
- "HEIMAT dürfte für den Neuen Deutschen Film das werden, was Die Blechtrommel für die deutsche Nachkriegsliteratur geworden ist." (Süddeutsche Zeitung)
- "Der wichtigste Film, der seit dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland entstanden ist!" (The Economist)
- "Doch bereits jetzt kann ich sagen, daß "Heimat" nicht nur das Kronjuwel des Neuen Deutschen Films ist, sondern darüber hinaus einen Wendepunkt im europäischen Film markiert. (The Guardian)
- Wenn man "Heimat" sieht, geht es einem wie bei diesen dicken Schwarten. wo man alles um sich herum vergißt und von der Lektüre so gefesselt wird, daß man seine eigene Existenz ablegt, um in die Haut der Romanfigur zu schlüpfen. (Le Figaro)
- "16 Stunden sind keine Minute zuviel!" (Volker Schlöndorff)
- "Ein deutsches Meisterwerk!" (FAZ)
- "Ein Kinoereignis, das alle Grenzen sprengt!" (SZ)
- "Ein vollkommener Film und ein Glücksfall!" (BR)
Die Zweite Heimat
- "Ein Jahrhundertwerk!" (AZ)
- "Die Zweite Heimat steht der ersten Heimat in nichts nach, übertrifft sie vielleicht noch, erweitert sie zu etwas, das man ohne Pathos ein Jahrhundertwerk nennen kann." (Die Tageszeitung)
- "Bewundernswert!" (Frankfurter Rundschau)
- "Das ist großes Kino!" (Le Monde)
- "In diesen 26 Stunden gibt es kein Abweichen vom großen Fluß dieser so wahren, emotionalen wie im Grunde alltäglichen Geschichte." (Süddeutsche Zeitung)
- "Die Geburt eines Kult-Werkes!" (Liberation)
- "Diese 26 Stunden Film sprengen jedes Maß, wie Wagners Ring oder Prousts Recherche das ihre gesprengt haben." (Süddeutsche Zeitung)
- "Das Lächerliche und das Geniale: Reitz trifft dieses Lebensgefühl und damit alle, die einmal zwanzig waren, mitten ins Herz." (Wochenpost)
- "Eine beeindruckende Qualität, eine unleugbare Größe!" (Süddeutsche Zeitung)
- "Die Zweite Heimat macht süchtig!" (Süddeutsche Zeitung)
Heimat 3
- "Was in der deutschen Literatur noch keinem Autor gelungen ist, schafft der Filmregisseur Edgar Reitz mit der nun vollendeten Kino-Trilogie »Heimat«: das zwanzigste Jahrhundert als einen Roman mit vielen Lebensgeschichten zu erzählen. Die Filmkunst kann das ruhig als stillen Triumph verbuchen." (Erna Lackner in »Deutschland«)
- "Die Vollendung eines urdeutschen Filmdenkmals: wunderbar provinziell, kulturell hochfahrend und am Ende siegreich." (Der Spiegel)
Die Darsteller und ihre Rollen
Heimat
- Marita Breuer als Maria Simon
- Michael Lesch als Paul Simon (jung)
- Dieter Schaad als Paul Simon (alt)
- Jörg Hube als Otto Wohlleben
- Jörg Richter als Hermann Simon
- Gudrun Landgrebe als Klärchen Sisse
- Gertrud Bredel als Katharina Simon
- Willi Burger als Mathias Simon
- Eva Maria Schneider als Marie Goot
- Rüdiger Weigang als Eduard Simon
- Karin Rasenack als Lucie Simon
- Arno Lang als Robert Kröber
- Eva Maria Bayerwaltes als Pauline Kröber geb. Simon (alt)
- Rolf Roth als Anton Simon (Kind)
- Markus Reiter als Anton Simon (mittl. Alter)
- Mathias Kniesbeck als Anton Simon (alt)
- Sabine Wagner als Martha Simon
- Ingo Hoffmann als Ernst Simon (Kind)
- Roland Bongard als Ernst Simon (mittl. Alter)
- Michael Kausch als Ernst Simon (alt)
- Johannes Lobewein als Alois Wiegand
- Hans Jürgen Schatz als Wilfried Wiegand
- Kurt Wagner als "Glasisch-Karl"
- Gabriele Blum als Lotti Schirmer
- Johannes Metzdorf als Fritz Pieritz
- Alexander Scholz als "Korbmachers Hänschen"
- Manfred Kuhn als Wirt Anton Jakob
Die Zweite Heimat
- Henry Arnold als Hermann Simon
- Salome Kammer als Clarissa Lichtblau
- Veronica Ferres als Dorli
- Hannelore Hoger als Elisabeth Cerphal
- Susanne Lothar als Esther Goldbaum
- Hannes Demming als Vater Aufschrey
- Tana Schanzara als Oma Aufschrey
- Anna Thalbach als Trixi
Heimat 3
- Salome Kammer als Clarissa Lichtblau
- Henry Arnold als Hermann Simon
- Michael Kausch als Ernst Simon
- Matthias Kniesbeck als Anton Simon
- Constanze Wetzel als Mara Simon
- Nicola Schössler als Lulu Simone Simon
- Patrick Mayer als Matko Misic
- Larissa Iwlewa als Galina
- Uwe Steimle als Gunnar Brehme
- Heiko Senst als Tobi
- Tom Quaas als Udo Trötzsch
- Peter Schneider als Tillmann Becker
- Julia Prochnow als Moni
- Peter Götz als Reinhold Loewe
- Karen Hempel als Petra Brehme (später Loewe)
- Antje Brauner als Jana Trötzsch
- Pfarrer Karl-August Dahl als Pfarrer Karl August Dahl
- Bertold Korner als Rudi Molz
- Christel Schäfer als Lenchen Molz
Weblinks
- "Geschichten aus den Hunsrückdörfern" (1980/1)
- Edgar Reitz Filmproduktions GmbH
- Eintrag in der IMDb
- Seiten des SWR zu HEIMAT 3
- Edgar Reitz Seiten zu HEIMAT 3
- Eintrag auf fernsehserien.de
- Raymond Scholz über HEIMAT 1, 2 und 3
- heimat123.de - Seiten über HEIMAT 1, 2 und 3 von Thomas Hönemann
- Seiten zur HEIMAT-Trilogie von ReindeR Rustema (englisch)
- Interaktive Fanpage von Fans für Fans zur HEIMAT-Trilogie
- Deutschlandfunk-Interview mit "Marie Goot" Eva Maria Schneider
Literatur
- Reitz, Edgar: Die Heimat-Trilogie; Rolf Heyne Collection, 2004; ISBN 3-89910-240-1
- Reitz, Edgar: Heinmat 3. Chronik einer Zeitenwende; München 2004, ISBN 3-8135-0248-1
- Reitz, Edgar: Drehort Heimat; Verlag der Autoren, 2004; ISBN 3-88661-272-4
- Reitz, Edgar und Steinbach, Peter: Heimat. Eine deutsche Chronik. Dreh- und Lesebuch mit allen 658 Szenen; 1988; ISBN 3-89190-899-7
- Reitz, Edgar: Heimat. Eine Chronik in Bildern; 1985; ISBN 3-76580-487-8
- Kobialka, Hans: Woppenroth - ein Grenzort mitten in der Welt; Hg: Ortsgemeinde Woppenroth; dort Seite 445-466 (zu Heimat 1)
- Palfreyman, Rachel: Edgar Reitz's "Heimat" : Histories, Traditions, Fictions; Peter Lang AG, Europäischer Verlag der Wissenschaften; ISBN 3-9067-6587-3
- LiteraturBüro Mainz e.V. (Hrsg.): Heimat - Die Zweite Heimat. Eine Dokumentation der Heimat-Projekte 1995 und 1997; Mainz 1997; ISBN 3-93055-939-0