Haskala
Sie hatte ihren Ursprung im jüdischen Berliner Bürgertum, das von den Schriften vor allem der französischen Aufklärung inspiriert war und angesichts der durch die historischen und ökonomischen Entwicklung vorangetriebenen Veränderung der Sozialstrukturen eine weitere Isolierung des Judentums befürchtete. Die Haskala spielte in dem Prozess der Judenemanzipation als Mittler zwischen den Eliten der christlichen Mehrheitsgesellschaften und den jüdischen Gemeinden in Europa eine herausragendende Rolle.
Die Hauptziele richteten sich auf Säkularisierung, also Trennung von religiösem und weltlichem Leben, und Öffnung in die christliche Mehrheitsgesellschaft durch Herstellung persönlicher wie institutioneller Kontakte und Heranführung an jüdische Glaubenslehren. Dabei entwickelt sich eine Spannung zwischen der erstrebten Erneuerung des Judentums und der Konfrontation mit der jüdischen Orthodoxie.
Wichtige Vertreter der Haskala (Maskilim) waren:
- Moses Mendelssohn (1729 - 1786), ein auch bei Nicht-Juden anerkannter Philosoph. Einerseits konnte er durch seine Verteidigung der Dresdener Juden 1777 ihre Vertreibung mit verhindern. Andererseits hat er sich vor allem mit seiner deutschen Bibelübersetzung (in hebräischen Buchstaben) und die Aufsicht über den Biur, eine grammatikalische Bibelerklärung, bleibende Verdienste um die Hebung des Wissensstandes des bisher nur talmudisch gebildeten Judentums erworben und sowohl der deutschen als auch der hebräischen Sprache nachhaltige Impulse verliehen. Mendelssohn diente als literarisches Vorbild für Gotthold Ephraim Lessings dramatisches Gedicht Nathan der Weise.
- David Friedländer (1750 - 1834), gründete 1778 die erste jüdische Freischule in Berlin, die in ihrem Bildungsprogramm der Haskala verschrieben war und einen Gegenpart zur traditionellen Erziehung im Cheder bildete.
- Rahel Varnhagen (1771 - 1833), ihr Literarischer Salon in Berlin war ein Zentrum der deutschen Literatur der Romantik. In ihren Briefen trat sie für die Rechte der Frauen und der Juden/Jüdinnen ein.