Fledermäuse
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| Townsend-Langohr (Plecotus townsendii) | ||||||||||||
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Verbreitung
Fledermäuse kommen auf allen Kontinenten der Erde mit Ausnahme der Antarktis vor. Sie stellen eine sehr artenreiche Tiergruppe dar. So kennen wir bis heute weltweit ca. 200 Arten der Flughunde und ca. 800 Arten der Fledermäuse. Innerhalb der Klasse der "Säugetiere" sind die Fledertiere nach der Ordnung der "Nagetiere" (Rodentia) die artenreichste Ordnung.Entwicklungsgeschichte
Fledermäuse gibt es schon seit erdgeschichtlich langer Zeit. So ist in der Grube Messel bei Darmstadt ein Fledermaus-Fossil gefunden worden. Es stammt aus dem Eozän, einem Erdzeitalter, das ungefähr 50 Millionen Jahre zurück liegt. Der Körperbau der fossilen Fledermäuse aus jener Zeit entspricht bereits dem heutigen Bauplan dieser Tiere.Ernährung
Die meisten Fledermausarten ernähren sich von Insekten, die sie teilweise im Flug erbeuten. Größere Arten fressen auch kleinere Säugetiere, Frösche und Fische. Von einer Art ist bekannt, dass sie andere, kleinere Fledermausarten in der Luft jagt. In den Tropen und Subtropen gibt es aber auch eine Menge vegetarisch lebender Arten, die Früchte fressen oder Nektar trinken. Diese Arten spielen eine wichtige Rolle für die Pflanzen, deren Blüten sie bestäuben und deren Samen sie verbreiten.Vampirfledermäuse
Nur ganze 3 Arten in Südamerika, der Gemeine Vampir (Desmodus rotundus), der Weißflügelvampir (Diaemus youngi) und der Kleine Blutsauger, auch Kammzahnvampir genannt, (Diphylla ecaudata ) ernähren sich vom Blut anderer Säugetiere oder Vögel. Dabei saugen sie ihrem Opfer, z.B. Rindern, das Blut nicht aus, sondern ritzen mit ihren messerscharfen Zähnen die Haut etwas ein und lecken das ausfließende Blut auf, was ihre Opfer normalerweise nicht bemerken. Ihr Speichel enthält ein Enzym (Desmoteplase), das die Blutgerinnung unterbindet. Synthetisierte Präparate, die das Enzym enthalten, unterdrücken die Blutgerinnung bis zu 20 mal länger als herkömmliche Mittel und es soll nach ersten Studien bis zu 150 mal stärker sein.Vampirfledermäuse besitzen ein hoch entwickeltes Sozialverhalten; beim Gemeinen Vampir werden hungrige Tiere von Artgenossen gefüttert, weil diese Tierart auf tägliche Nahrungsaufnahme angewiesen ist.
Vampire können dem Menschen nur als Krankheitsüberträger gefährlich werden. Besonders die Tollwut wird von ihnen übertragen.
Echoortung
Ein erstaunliches Merkmal der Fledermäuse ist ihr Echoortungssytem. Dabei stoßen sie kurze Schreie im Ultraschallbereich aus und empfangen die reflektierten Echos. Dadurch sind sie in der Lage, sich auch in völliger Dunkelheit zu orientieren. Das Echoortungssytem der Fledermäuse ist so genau, dass sie damit fliegende Insekten in der Luft orten und jagen können. Manche Fledermäuse wie die Fransenfledermaus (Myotis nattereri) können noch Insekten und Spinnen fangen, die nur wenige Zentimeter vor der Vegetation hängen und deren Echos mit den Echos des Vegetationshintergrundes zeitlich überlappen. Mitglieder der Familie der Hufeisennasen (Rhinolophidae) können sogar einzelne Insektenarten aufgrund ihrer Größe und typischen Flügelbewegung unterscheiden. Zur präziseren Ortung verändern sie die Frequenz (Tonhöhe) und Länge des Rufes sowie den Abstand zwischen den Rufen und stoßen beim Suchen andere Rufe aus als direkt vorm Beutefang. Derartige Ortungs-Techniken kommen auch bei Radargeräten von Jagdflugzeugen zur Anwendung. Im Gegensatz hierzu ist das menschliche Richtungshören (ohne Ausstoßung von Schallwellen) keine Ortung, sondern wird mit Lokalisation bezeichnet.Daneben stoßen Fledermäuse zur Kommunikation auch Rufe aus, die nicht im Ultraschall-Bereich liegen und von Menschen gehört werden können. Die Annahme, dass bei den Fledermäusen der optische Sinn aufgrund der Entwicklung der Echoortung stark reduziert sei, ist durch Verhaltensversuche widerlegt worden. Fledermäuse können schwarz-weiß sehen und wie aufgrund jüngster Untersuchungen festgestellt wurde, können einige Arten auch UV-Licht sehen, das von einigen Blüten verstärkt reflektiert wird, die sie dann zur Nektaraufnahme anfliegen.
Das Fledermausjahr
Alle europäischen Fledermäuse haben einen Jahresablauf, der ihnen von unserem Klima diktiert wird. So benötigen sie Quartiere, die ihnen Schutz vor der Witterung und vor potentiellen Feinden bieten. Dabei lassen sich prinzipiell Sommer- von Winterquartieren unterscheiden. Diese verschiedenen Quartiere spielen ein wichtige Rolle im Leben der Fledermäuse.
Im Spätsommer, etwa ab Ende August, suchen die meisten europäischen Fledermausarten nach geeigneten Winterquartieren, die ihnen für die kalten Monate ausreichend Schutz bieten. Fledermäuse sind Winterschläfer und entsprechend während des Winters abhängig von Unterschlupfmöglichkeiten, wo sie gleichmäßige Witterungsbedingungen vorfinden und gleichzeitig für ihre Feinde nicht gut erreichbar sind. Perfekte Winterquartiere stellen Höhlensysteme (siehe auch Höhlentiere) dar, aber auch Stollen und Festungsanlagen werden gerne angenommen. So ist das größte bekannte Winterquartier das etwa 50 Meter unter der Erde liegende Bunkersystem des Ostwalles aus dem Zweiten Weltkrieg in Westpolen in Nietoperek bei Miedzyrzecz. Hier überwintern jährlich bis zu 30.000 Fledermäuse in zwölf Arten. Weitere wichtige Quartiere sind die Kalkberghöhle in Bad Segeberg und die Zitadelle Spandau, eine Festungsanlage in Berlin. Häufiger sind jedoch Quartiere, die nur eine relativ geringe Anzahl der Tiere beherbergen.
In diesen Winterquartieren findet häufig auch die Paarung der Tiere statt. Dabei suchen die brünstigen Männchen die Weibchen unter den meist in Gruppen hängenden Tieren auf , umklammern sie mit den Flügeln und beissen sie in den Nacken. Durch diese Behandlung wacht das Weibchen auf und wird, sobald es erwacht ist, vom Männchen begattet. Die Männchen sind bei der Verpaarung voll aktiv, während die Weibchen meist noch in der Aufwachphase sind. Eine Werbung um die lethargischen Weibchen ist nicht erforderlich. Nach dem Geschlechtsakt suchen sich beide Tiere wieder einen Schlafplatz. Im Laufe des Winterschlafes kann ein Weibchen mehrfach von verschiedenen Männchen begattet werden. Die Befruchtung der Eizelle erfolgt jedoch nicht im Anschluss an die Paarung, sondern erst nach Beendigung des Winterschlafes. So wird verhindert, dass das Weibchen durch die Schwangerschaft einen zu hohen Energieaufwand hat und die Jungtiere noch in der kalten Jahreszeit geboren werden. Nach Beendigung des Winterschlafes, etwa Ende März, wandern die Fledermäuse in ihre Sommerquartiere. Dabei suchen sich die Männchen meist Tagesquartiere, die als Ausgangspunkt für die Jagd dienen. Die Weibchen finden sich zu so genannten Wochenstuben zusammen, in denen die Jungtiere geboren und gemeinsam aufgezogen werden. Die Tragzeit der mitteleuropäischen Arten ist vom Nahrungsangebot abhängig. Sollte es für das trächtige Weibchen wenig zu fressen geben, so „regelt“ es Kreislauf und Stoffwechsel herunter. Die Tragzeit kann dadurch zwischen 40 und 70 Tagen variieren. Diese Wochenstuben umfassen meistens 20 bis 50 Muttertiere, die sich alljährlich wieder zusammen finden. Dabei lassen sie die Jungtiere im Quartier zurück, wo sie gemeinsam mit anderen verlassenen Jungtieren regelrechte Fledermaustrauben bilden. Nach dem Jagdflug erkennt jede Mutter ihr Junges und setzt es an ihren Zitzen zum Säugen an. Ab Ende August werden die Jungen dann von ihren Müttern verlassen und finden sich selbständig in den Winterquartieren ein.
Für den Winterschlaf legen die Fledermäuse spezielle Fettvorräte an, deren alleiniger Zweck es ist, während des Aufwachens die notwendige Energie zu liefern, mit der wieder die normale Körpertemperatur erreicht werden kann. Während des Winterschlafes sinkt die Körpertemperatur bis auf wenige Zehntel Grad über der Umgebungstemperatur, aber nicht tiefer als die Temperatur, bei der das Blut nicht mehr in der Lage ist, Sauerstoff zu transportieren.
Heimische Fledermäuse
In Deutschland leben 24 Fledermausarten, die größtenteils in ihrem Bestand gefährdet sind. 17 der heimischen Arten werden in den Gefährdungskategorien der Roten Liste Deutschlands geführt. Ihre Gefährdung geht vor allem durch Zerstörung ihrer Lebensräume aus, etwa durch die Sanierung von Altbauten und die Versiegelung von potentiellen Schlafplätzen, durch die Vernichtung von Insekten-Lebensräumen, durch die Zerstörung von Totholzbeständen und die Vergiftung mit Insektenschutzmitteln und Holzschutzfarben. Nicht mehr ganz so selten sind Großes Mausohr (Myotis myotis, siehe Foto oben), Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus), Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) und Wasserfledermaus (Myotis daubentonii) Mausohrfledermaus-Weibchen bilden sommers große Wochenstuben auf Dachböden, wo sie gemeinsam ihre Kinder gebären und aufziehen. Diese Wochenstuben und auch andere Fledermaus-Quartiere (Bäume mit Höhlungen, Spaltenquartiere, Höhlen und Stollen) gilt es wie auch die anderen Lebensräume zu schützen.
Heimische Arten
Zu den in Mitteleuropa heimischen Fledermäusen gehören die folgenden Arten. In der Liste sind auch einige Arten der Nachbarländer und Irrgäste aufgeführt.
- Hufeisennasen (Rhinolophidae)
- Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum)
- Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposiderus)
- Mittelmeer-Hufeisennase (Rhinolophus euryale)
- Blasius-Hufeisennase (Rhinolophus blasii)
- Meheley-Hufeisennase (Rhinolophus mehelyi)
- Glattnasen (Vespertilionidae)
- Wasserfledermaus (Myotis daubentonii)
- Teichfledermaus (Myotis dasycneme)
- Große Bartfledermaus (Myotis brandtii)
- Kleine Bartfledermaus (Myotis mystacinus)
- Wimperfledermaus (Myotis emarginatus)
- Fransenfledermaus (Myotis nattereri)
- Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)
- Großes Mausohr (Myotis myotis)
- Kleines Mausohr (Myotis blythii)
- Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)
- Kleiner Abendsegler (Nyctalus leisleri)
- Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)
- Nordfledermaus (Eptesicus nilssoniis)
- Zweifarbfledermaus (Vespertilio murinus)
- Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)
- Rauhhautfledermaus (Pipistrellus nathusii)
- Weißrandfledermaus (Pipistrellus kuhlii)
- Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus)
- Alpenfledermaus (Hypsugo savii)
- Braunes Langohr (Plecotus auritus)
- Graues Langohr (Plecotus austriacus)
- Balkan Langohr (Plecotus kolombatovici)
- Alpen-Langohr bzw. Kaukasisches Langohr (Plecotus macrobullaris)
- Sardisches Langohr (Plecotus sardus)
- Kanaren-Langohrfledermaus (Plecotus teneriffae)
- Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus)
- Langflügelfledermaus (Miniopterus schreibersii)
Fledermäuse in Mythologie und Symbolik
In China gilt die Fledermaus als Symbol für Glück und Gewinn, in Europa hingegen werden sie seit dem frühen Mittelalter dämonisiert. Fledermäuse werden mit der Seele und deshalb mit dem Tod assoziiert, auf einigen Darstellungen aus dem 14. Jahrhundert verlassen die Seelen beim Sterben den Körper in Form einer Fledermaus. Daraus könnten auch die europäischen Vampirsagen entstanden sein, die es bereits gab bevor die mittelamerikanischen Vampirfledermäuse bekannt waren.
Ein alter Aberglaube besagt, dass sich Fledermäuse gerne in Frauenhaare wickeln. Dieser entstand vermutlich aus dem christlichen Vorstellung heraus, dass die Haare von Frauen Dämonen bzw. allgemein "das Böse" anziehen (weshalb in vielen Glaubensvorstellungen Frauen ihre Haare bedeckt halten müssen).
Sonstiges
Am 24. November 2002 verursacht ein Fledermausbiss den ersten Tollwutfall bei einem Menschen in Großbritannien seit 100 Jahren.Siehe auch
Europäische Fledermausnacht, The Bat Conservation Trust, Naturschutzgebiet Nietoperek
Literatur
- Niethammer J., Krapp F. (Hrsg): "''Handbuch der Säugetiere Europas. Band 4/1: Fledertiere; AULA Verlag, Wiesbaden 2001, ISBN 3-89104-638-3 (sehr detailliertes und aktuelles Fachbuch)
- Niethammer J., Krapp F (Hrsg): "''Handbuch der Säugetiere Europas. Band 4/2: Fledertiere; AULA Verlag, Wiesbaden 2004, ISBN 3-89104-639-1 (sehr detailliertes und aktuelles Fachbuch)
- Björn Siemers/Dietmar Nill (Hg.): "Fledermäuse - das Praxisbuch" Echo-Ortung, Jagdverhalten, Quartiere, Fledermausdetektoren. blv
- Wilfried Schober/ Eckhard Grimmberger (Hg.) 1998: "Die Fledermäuse Europas. Erkennen - bestimmen - schützen." Kosmos, ISBN 3440075974
- Simmons, N. B. & J. H. Geisler. 1998. Phylogenetic relationships of Icaronycteris, Archeonycteris, Hassianycteris, and Palaeochiropteryx to extant bat lineages, with comments on the evolution of echolocation and foraging strategies in microchiroptera. Bulletin of the American Museum of Natural History, 235:1-82.
Weblinks
- Über Fledermäuse:
- Organisationen:
- Anderes: