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Electronic Data Interchange

Electronic Data Interchange (EDI) bezeichnet als Sammelbegriff alle elektronischen Verfahren zum asynchronen und vollautomatischen Versand von strukturierten Nachrichten zwischen Anwendungssystemen unterschiedlicher Institutionen.

Inhaltsverzeichnis
1 Merkmale
2 Implikationen
3 Abgrenzung
4 Grundidee und Potenzial
5 Geschichte
6 Herausforderungen
7 Aufgaben eines EDI-Systems
8 Einschränkungen
9 Nachrichtenstandards
10 Übertragungsprotokolle
11 Weblinks

Merkmale

Im Gegensatz dazu stehen synchrone Datenaustauschverfahren, bei denen auf eine Anfrage hin noch in der laufenden Verbindung beziehungsweise Session vom Gegenüber eine betriebswirtschaftlich-inhaltliche Antwort erfolgt. Ein Beispiel dazu ist die Abfrage eines Lagerbestandes zu einem Material. Die gewünschte Information wird dabei dem Pull-Prinzip folgend, eingeholt. Die synchrone, automatische und strukturierte Kommunikation zwischen Anwendungssystemen ist eine Einsatzmöglichkeit für Web-Services.

Implikationen

Die obige Definition ist unabhängig von der Anwendung, der Branche oder Nationalität der Beteiligten, den eingesetzten Produkten, Strukturen oder Protokollen. Es ist insbesondere kein Ausschlusskriterium für EDI, wenn das Internet oder XML-Strukturen für die konkrete Umsetzung verwendet werden, obwohl diese Meinung gelegentlich anzutreffen ist. Ursache für diese Auffassung sind Werbemaßnahmen für internetbasierte Datenaustauschprodukte, in denen suggeriert wurde, das angeblich teure EDI werde nun mit dem einfachen, billigen Internet und insbesondere mit XML abgelöst. Dieser Gedanke ist aber falsch, weil die Herausforderungen (siehe unten) an EDI-Implementierungen immer die gleichen sind und in der Natur der Sache liegen, nicht in den verwendeten Werkzeugen oder Standards. Beispielsweise ist die semantische Klärung eines Begriffes wie "Lieferbedingung" zwischen Kunde und Lieferant immer gleich aufwändig, unabhängig davon, ob nun eine XML-Nachricht oder eine EDIFACT-Nachricht verwendet wird.

Abgrenzung

Im Gegensatz zu EDI gibt es eine Reihe anderer Verfahren um elektronische Daten auszutauschen. Um EDI von einigen dieser Verfahren abzugrenzen, wird deshalb genauer von klassischem EDI gesprochen, im Gegensatz zum Beispiel zu WebEDI oder Internet-EDI.

Grundidee und Potenzial

Die Grundidee von EDI liegt in der hohen Geschwindigkeit der elektronischen Übertragung in Verbindung mit der Vermeidung menschlicher Fehler. In dieser Kombination ergibt sich die maximale Rationalisierung eines Geschäftsprozesses wie zum Beispiel der Übermittlung einer Bestellung: Die Bestellung des Kunden ist fast augenblicklich, zuverlässig und exakt übereinstimmend als Auftrag im System des Lieferanten erfasst. Es entfällt die Postlaufzeit gegenüber der Verwendung von Papier und gegenüber FAX entfällt die manuelle Erfassung des Auftrages im Lieferantensystem, ebenso wie die Nachbearbeitung einer Quote von fehlerhaft erfassten Aufträgen. EDI wird in aller Welt eingesetzt, in allen Branchen, für unterschiedlichste Anwendungen. EDI ist die wesentliche und mit Abstand größte Säule des elektronischen Volumens, das weltweit ausgetauscht wird. EDI ist trotz seiner für EDV-Verhältnisse langen Geschichte immer noch modern, seine Nutzung nimmt weiter zu.

Geschichte

Herausforderungen

Die Realisierung von EDI ist von den Voraussetzungen der beteiligten Partner abhängig. Da diese sehr unterschiedlich sein können und häufig auch gegenseitig unbekannt sind, ist die Realisierung immer ein Projekt. Es bestehen große Unterschiede zwischen EDI in der deutschen oder der japanischen Automobilindustrie, oder im Lebensmittelhandel in Spanien, oder im Interbankenverkehr in Österreich oder der amerikanischen Hightech-Industrie.

Daher ist ein Projektmanagement erforderlich. In der Praxis wird dieser Punkt häufig unterschätzt, was zu langen Projektlaufzeiten, Budgetüberschreitungen und allseitiger Frustration führen kann. Grundsätzlich sind neben einer Projektorganisation zunächst organisatorische Absprachen aller Beteiligten erforderlich: Welche Geschäftsprozesse sollen durch EDI unterstützt werden, wie sind für diese Geschäftsprozesse IST und SOLL auf beiden Seiten definiert, was geschieht im Falle eines Fehlers?

Ein häufig nicht ausreichend betrachteter Punkt sind auch die notwendigen Stammdaten. Bei manueller Bearbeitung von Geschäftsprozessen sind viele Informationen über den Geschäftspartner und seine Gepflogenheiten "im Kopf" der Bearbeiter vorhanden. Bei der Automation über EDI stellt man dann häufig fest, daß Stammdaten im Anwendungssystem nicht vollständig vorhanden sind. Ein weiteres Problemfeld stellen zum Beispiel Materialnummern in logistischen Abläufen dar. Es tauchen Fragen auf, wie: Verwendet der Kunde die Materialnummer des Lieferanten? Oder seine eigene? Kennt der Lieferant die Materialnummer des Kunden? Gibt es eine eindeutige Zuordnung zwischen Kunden- und Lieferantenmaterialnummern? Probleme in diesem Umkreis haben zum Beispiel in der Konsumgüterindustrie zur Entwicklung von EANCOM geführt, einem europaweiten System von Stammdaten für Artikel und Handelspartner.

Werden Unklarheiten im manuellen Prozess durch Rückfrage geklärt, so ist im automatischen Prozess dafür keine Chance. Alle Daten müssen vorab harmonisiert werden, sonst kann der automatische Prozess nicht funktionieren.

Im technischen Teil des Projektes sind folgende Punkte zu erledigen:

Die Nachricht muss Byte für Byte exakt den Vorgaben und Vereinbarungen genügen, damit eine automatische Verbuchung im Empfängersystem möglich ist. Wichtige Einzelpunkte, die zu vereinbaren sind: Fast immer stimmen die Struktur der Nachricht, die das Sendersystem abgibt und die Struktur, die das Empfängersystem verarbeiten kann, nicht überein. Dann benötigt man mindestens einen weiteren Verarbeitungsschritt:

Häufig verwendet man Standards, zum Beispiel EDIFACT, als Zwischenformat. Der Sender konvertiert seine Struktur, die vom Anwendungssystem vorgegeben ist, in EDIFACT. Der Empfänger könvertiert dann die EDIFACT-Nachricht in die Struktur, die sein Anwendungssystem "versteht". Es werden also zwei Konvertierungen angewendet. Der Grund für die Verwendung eines standardisierten Zwischenformates liegt darin, daß es viel zu kompliziert wäre, jede individuelle Struktur aller möglichen Partner durch eine direkte Konvertierung zu erzeugen.

Es muss bei einer sehr kleinen Fehlerquote gewährleistet werden, dass jede gesendete Nachricht den Empfänger einmal und nur einmal erreicht. Bei manchen Anwendungen ist dabei zusätzlich die Reihenfolge (Serialisierung) mehrerer Nachrichten einzuhalten oder es sind zusätzliche Schritte in Abhängigkeit von bestimmten Ereignissen oder Inhalten durchzuführen.

Aufgaben eines EDI-Systems

Für die laufende Verarbeitung, den Transport und gegebenenfalls die Konvertierung der Nachrichten und Statusmeldungen, also die Ausführung der EDI-Funktionalitäten gemäß den Punkten 1.4 und 2 wie oben beschrieben, ist auf Seiten des Senders und des Empfängers jeweils ein EDI-System oder ein EDI-Dienstleistungsunternehmen erforderlich. Einige Unternehmen werden im Folgenden aufgelistet:

Einschränkungen

Auch Prozesse wie Ausschreibungen und Auktionen, mit vorher unbekannten Geschäftspartnern lassen sich allein mit EDI nicht abbilden.

Nachrichtenstandards

Damit EDI-Nachrichten vom Empfänger verarbeitet werden können, müssen sie einer vorher bekannten Struktur, bei XML-Nachrichten heißen diese Strukturen Schemas, entsprechen. Es gibt weltweit unzählige verschiedene Strukturen für EDI-Nachrichten. Einige prominente Standards werden im Folgenden aufgelistet:

Darüberhinaus gibt es unzählige nationale, produkt- oder branchenspezifische Nachrichtenstandards sowie Standards im Rahmen von Marktplätzen und VANs wie

Übertragungsprotokolle

Für EDI ist erforderlich, die Nutzdaten vom Sender über eventuelle Zwischenstellen zum Empfänger zu transportieren. Dazu gibt es eine Vielzahl von Übertragungsprotokollen, von denen hier einige besonders gebräuchliche aufgezählt werden:

"Klassische EDI-Übertragungsprotokolle"

Darüberhinaus gibt es eine unbekannte Anzahl nationaler, produkt- oder branchenspezifischer Protokolle, etwa im Rahmen von Marktplätzen und VANs.

Außerdem sind natürlich die "Internetprotokolle" gebräuchlich, vor Allem:

Bei den klassischen Protokollen wird meist auf eine Verschlüsselung verzichtet, weil entweder eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung genutzt wird oder dem Netzwerk vertraut wird. Bei Nutzung des Internets wird dagegen meist eine Verschlüsselung eingesetzt.

Weblinks



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