Doyen
In Staaten, die mit dem Heiligen Stuhl diplomatische Beziehungen pflegen, ist der Nuntius immer auch Doyen des örtlichen diplomatischen Korps. Dadurch werden Konflikte zwischen den Botschaftern um die Führungsrolle bei Staatsempfängen vermieden. Die Rangfolge nach Dienstalter würde unter Umständen den Vertretern kleinerer Staaten automatisch eine Führungsrolle zuweisen, die möglicherweise nicht beabsichtigt wird. Falls hingegen ein Vertreter eines größeren oder einflussreicheren Staates unangemessen bevorzugt würde, so würden die Vertreter des jeweils anderen Staates dies als diplomatischen Affront empfinden.
In der akademischen Welt werden angesehene, ältere Wissenschaftler als Doyen ihres Faches bezeichnet, wenn ihr Lebenswerk die allgemeine Denkschule ihrer Disziplin in herausragender Weise geprägt hat.
Doyen stammt aus dem Französischen und bedeutet "Dekan, Ältester". Der Ursprung liegt im lateinischen decanus. Der Plural Doyens wird aufgrund der Alleinstellungswirkung des Titels selten benutzt.
Ähnlicher Begriff: Die Doyen-Klemme ist ein chirurgisches Gerät, benannt nach Eugène Louis Doyen (1859–1916).
Siehe auch: Nuntiatur