Chinesischer Film
Festlandchina
Kaiserreich und Republik (1896-1949)
Die Geschichte des Films in China beginnt mit Europäern und US-Amerikanern, die in den Konzessionen ihre neue Unterhaltungskunst präsentierten und gleichzeitig für ihr heimisches Publikum exotische Bilder aus dem Alltagsleben der chinesischen Bevölkerung einfingen. Die erste Filmvorführung fand am 11.August 1896 in Shanghai statt. Dort wurden im Xu-Vergnügungspark der französischen Konzession Filme der Brüder_Lumière gezeigt. Das Medium Film war zu diesem Zeitpunkt noch kein Jahr alt. Andere in China tätige Pioniere des Mediums Film waren z.B. Charles Pathé und James Ricalton.Die Geschichte des genuin chinesischen Films beginnt 1905 in dem Pekinger Fengtai-Photostudio mit dem Abfilmen der Pekingoper "Der Berg Dingjun" (Dingjunshan) mit dem damaligen Star der Pekingoper Tan Xinpei (譚鑫培). Die filmische Konservierung traditionellen Theaters dominiert die frühe Entwicklung des chinesischen Films bis in die 1920er Jahre.
Der Sturz des Kaisers, die Gründung der Republik, das Vordringen der westlich geprägten Moderne und des Kolonialismus und geistige Strömungen wie die 4.Mai-Bewegung erschütterten das Land und forcierten die Entwicklung des chinesischen Kinos. Zum Zentrum des chinesischen Films entwickelte sich Shanghai, wo in den 20er Jahren ein kommerzielles Unterhaltungskino entstand, das sich häufig an westlichen Genres orientierte. Daneben trat bald ein intellektuelles, sozial engagiertes Kino (社會片;shèhuìpiān), das in Personal und Themen eng mit der Entwicklung eines modernen chinesischen Sprechtheaters verknüpft war. Eine Pionierrolle kommt dabei Zhang Shichuan (張石川) und den von ihm 1922 gegründeten Mingxing Studios zu. Ein wichtiges frühes shèhuìpiān war der von ihm bereits 1916 realisierte "Unschuldiger Geist in der Opiumhöhle" (heiji yuanhun), in dem an Hand der Geschichte einer durch das Opium zerstörten Familie patriotische und gesellschaftskritische Ansichten ausgedrückt wurden. Weitere bedeutende Personen der Frühzeit des chinesischen Films sind Li Minwei (黎民偉) als Gründer der Minxin-Studios, die Autoren Hong Shen (洪深; 1894-1955) und Tian Han (田漢; 1898-1968), sowie der Schauspieler Ouyang Yuqian (歐陽予倩; 1889-1962).
Die Machtergreifung im ganzen Land durch die Kuomintang (KMT) unter Führung von Chiang_Kai-shek wirkte sich ab 1929 mit ersten Zensurmaßnahmen auf das chinesische Kino aus. Die auf gesellschaftliche Harmonie setzende Ideologie der Nationalisten duldete keine Darstellung sozialer Missstände durch die häufig links bzw. marxistisch geprägten Intellektuellen oder Kritik an der Appeasement-Politik gegenüber der japanischen imperialistischen Politik in China. Dennoch ging 1930 mit dem, in Zusammenarbeit mit Pathé produzierten, ersten chinesischen Tonfilm "Sängerin Rote Päonie" (genü hongmudan) zumindest die technische Entwicklung weiter. In ständigem Konflikt mit Zensur und Polizei der KMT, die in Morden und 1934 im Niederbrennen der Yihua-Studios gipfelten, wurden die unabhängigen Filmemacher allmählich in den Untergrund oder den kommunistischen Stützpunkt Yan'an getrieben. Unter diesen lebensgefährlichen Umständen konnten in Filmen wie "Das Lied der Fischer" (Yu guang qu, 1934) von Cai Chusheng (蔡楚生) gesellschaftliche Themen nur angedeutet und indirekt durch Schnitt und Montage ausgedrückt werden. Weitere bedeutende Persönlichkeiten des chinesischen Films der 1930er waren die Autoren Xia Yan (夏衍; 1900-1995), Yuan Muzhi (袁牧之) und der Darsteller Zhao Dan (趙丹; 1915-1980). Auch Jiang Qing (江青), die spätere Gemahlin Mao Zedongs und zentrale Figur der Kulturrevolution, erschien bis 1937 in mehreren Filmproduktionen als Schauspielerin unter dem Namen Lan Ping (藍蘋).
Der Ausbruch offener Kriegshandlungen zwischen Japan und China und die Besetzung Shanghais durch japanische Truppen im November 1937 machte der Geschichte der unabhängigen Shanghaier Studios ein Ende. Die folgenden Jahre werden durch Kriegspropaganda geprägt. Im japanisch beherrschten Bereich entstanden mit der Gründung der Filmgesellschaft der Mandschurei riesige Studios in Changchun, wo imperialistische Propagandafilme wie "Neues Land" (xin tu) gedreht wurden. Im kommunistischen Stützpunkt Yan'an formierte sich unter Führung von Yuan Muzhi 1938 die Yan'an-Filmgruppe, die mit sehr begrenzten finanziellen und technischen Möglichkeiten Propaganda für den Befreiungskampf der Kommunisten produzierte. Entscheidend für die weitere Zukunft der Filmkunst wie auch aller anderen Künste in China wurden Mao Zedongs Yan'an-Reden von 1942. Dort wurde unter dem Prinzip des sogenannten sozialistischen Realismus Kunst auf eine propagandistische Funktion reduziert und die selbständige Existenz ästhetischer Werte verneint. Mit dieser Verpflichtung auf einen didaktischen Zweck konnte in der Kunst jede Abweichung von der offiziellen Linie bei Bedarf geahndet werden.
Maostisches China (1949-1979)
Gegenwart (seit 1979)
Mit dem Tod Maos und dem Ende der Kulturrevolution eröffneten sich allmählich Freiräume für ein individuelleres Filmschaffen. Das Kino der Reformzeit wandte sich von Klassenkampf und Kampagnenpolitik ab und verlor damit - trotz weiter stattfindender Zensur - seinen Charakter als Sprachrohr der Partei. Zugleich wurden die staatlichen Subventionen zurückgefahren und auch der Film immer stärker den Mechanismen des Marktes ausgesetzt.Die neuen Freiheiten wurden zuerst von den Filmemachern der sogenannten "vierten Generation" genutzt, die ihre Ausbildung bereits in den 1960er Jahren erhalten hatten, aber erst jetzt die Möglichkeit erhielten, Filme zu drehen. Dazu gehörten Regisseure wie Xie Fei (谢飞;*1942) und Wu Tianming (吴天明;*1939). In ihren Filme lösten sie sich von den oberflächlichen, propagandistischen Darstellungen gesellschaftlicher Verhältnisse und nutzten Film wieder als künstlerisches Medium, das sich autonom seinen Themen widmet. Die handelnden Personen wurden damit von Vertretern gesellschaftlicher Klassen wieder zu Individuen. Eine grundsätzliche Konfrontation mit der Herrschaft der Partei bedeutete dies allerdings nicht. Ihre Werke liefen im allgemeinen auf eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte hinaus oder betrieben Vergangenheitsbewältigung in politisch akzeptierten Grenzen. Ästhetisch war der Wandel allerdings unübersehbar.
Die Filmemacher der "fünften Generation" revolutionierten ab der Mitte der 80er Jahre das chinesische Kino und fanden erstmals internationale Resonanz. Filme wie Chen Kaiges „Gelbe Erde“ (1984), Tian Zhuangzhuangs (田壯壯; *1952) „Der Pferdedieb“ (daomazei; 1986) und Zhang Yimous „Rotes Kornfeld“ (1987) setzten sich auf formal wie inhaltlich hohem Niveau mit den Verhältnissen der chinesischen Gesellschaft auseinander. Auf beiden Ebenen gingen sie entscheidend über die "vierte Generation" hinaus. Inhaltlich lösten sie sich vollständig von den Vorgaben traditioneller Moral und herrschender Partei und stellten sie stattdessen in Frage, wenn sie sich mit Themen wie der Kontinuität autoritärer Herrschaft in China beschäftigten. Formal erweiterten sie das chinesische Kino sowohl in der Anwendung expressiver als auch realistischer Mittel. Über die kritische Rezeption ausländischer Filmtheorien wandten sie sich der internationalen Filmkunst zu, erhielten sich aber zugleich ihre chinesische Eigenständigkeit. Der Einfluß der KPCh zeigte sich allerdings noch in der Verhinderung von öffentlichen Vorführungen in China, so dass einige dieser Filme eine Zeit lang im Ausland besser bekannt waren als in ihrem Entstehungsland.
Seit dem Ende der 1990er macht sich eine "sechste Generation" an Filmemachern bemerkbar. Charakteristisch für ihre Werke ist die unverhohlene Kritik an den Lebensumständen in China, meist anhand der Erfahrungen städtischer Jugendlicher. In hartem Realismus unter Verzicht auf Stilisierung, oft dokumentarisch angelegt und auf Videomaterial gedreht, zeigen sie die Schattenseiten von Modernisierung und Werteverfall. Regisseure dieser Generation sind u.a. Zhang Yuan (张元;*1963) und Liu Jiayin (刘佳茵,*1982).
Insgesamt existiert Anfang des 21.Jahrhunderts allerdings ein breites Spektrum des Filmschaffens, so daß sich die Zählung nach Generationen wohl allmählich erledigt. Ein Beispiel für sozialen Realismus ohne die Härte der "sechsten Generation" wäre Zhang Yang (张杨;*1965).
Neben den Werken der filmischen Erneuerer der "fünften Generation" entwickelte sich vor dem Hintergrund der Wirtschaftsreformen auch ein politisch desinteressiertes Kino, das Film primär als Unterhaltung versteht, die sich ökonomisch rentieren muss. Häufig als Historiendrama angelegt, beeindruckten diese Werke durch monumentale Schauwerte. Ein Beispiel dafür ist der Film „Der Opiumkrieg“ (1997) von Xie Jin (谢晋; *1923), der bis zur Uraufführung von Chen Kaiges Drama „Der Kaiser und seine Attentäter“ (1999) die teuerste Produktion in der Geschichte des chinesischen Films darstellte. Auch einige chinesische Schauspieler wie Gong Li (巩利); Jet Li (李连杰) und Zhang Ziyi (章子怡) sind inwischen weltweit bekannt geworden.
Ausländisches Kino in der VR China
Ausländische Filme werden aufgrund von Importbestimmungen nur in begrenztem Umfang zur Aufführung gebracht. Neben politischen und puritanischen Beweggründen spielt dabei auch die wirtschaftliche Komponente eine große Rolle. Der florierende Strassenhandel mit (häufig illegal kopierten) VCDs und DVDs bietet allerdings ein reiches Angebot internationaler Filme, die auch in ebenso semilegalen Kleinkinos zur Aufführung kommen.Hong Kong
Die Filmindustrie Hongkongs stand bis zum Ende des zweiten Weltkriegs klar im Schatten von Shanghai und spielt höchstens als Exil für von der KMT verfolgte Regisseure eine Rolle. Diese meist linksgerichteten Filmemacher verloren ab 1949 angesichts der aggressiven Politik der VR China und antikommunistischer Maßnahmen der Regierung der Kronkolonie rasch an Bedeutung. Stattdessen etablierte sich ein kommerzielles Kino, das weniger an gesellschaftlicher Avantgarde als an Unterhaltung und Rendite interessiert war. In den 50ern etablierten sich mit "Shaw Brothers", "Cathay Film Productions" und "Golden Harvest" die Konzerne, die das Hongkonger Filmschaffen bis heute beherrschen.Weltweiten Einfluss erlangte das HK-Kino in den 70ern, als Martial-Arts-Filme in Europa und Amerika ein Publikum fanden. Von Cineasten wegen simpler Handlungsstrukturen geschmäht, boten sie ihren Fans eine im Westen bis dato unbekannte Show der Körperbeherrschung. Bedeutendster Darsteller dieser ersten Welle von Kungfu-Filmen war Bruce Lee (李小龙/ 李小龍), der in kurzer Zeit zu einem Weltstar wurde. Sein Erbe wurde von Jackie Chan (成龙/成龍) angetreten, bis heute einer der produktivsten Kungfu-Darsteller. Einer der einflussreichsten Regisseure und Produzenten ist Tsui Hark, der gemeinsam mit Ching Siu-Tung (程小东/程小東) für Klassiker des Wuxia-Genre wie die 'Swordsman'-Trilogie verantwortlich ist.
Seit den 90er Jahren hat auch das Genre Actionfilm aus HK kräftige Impulse erhalten. Dafür stehen Regisseure wie Johnnie To (杜琪峰) oder John Woo, der nach Hollywood gerufen wurde, um auch dort das Genre wiederzubeleben. Der Einfluss des HK-Kinos auf Hollywood zeigt sich nicht zuletzt in Filmen wie Matrix, die sich an der Akrobatik des Vorbilds orientieren oder an Personen wie Tarantino, die sich offen zu ihrer Vorliebe für den HK-Film bekennen.
Trotz der Dominanz des reinen Unterhaltungskinos haben sich einige Filmemacher aus Hongkong mit anspruchsvollen Inhalten einen Namen gemacht. Dazu zählen Ann Hui (许鞍华/許鞍華), Wong Kar-wai und Fruit Chan (陈果/陳果).
Taiwan
Liste chinesischer Regisseure
VRCh TW HKListe chinesischer Schauspieler
VRCH HK- Michelle Yeoh
- Tony Leung
- Jackie Chan
- Chow Yun-Fat
- Andy Lau
- Maggie Cheung
- Anita Mui
- Brigitte Lin
- Leslie Cheung
Liste chinesischer Filme
VRCh- House of Flying Daggers
- Rote Laterne
- Rotes Kornfeld
- Hero
- Suzhou He
- Chinese Ghost Story (Filmserie)
- Fallen Angels
- Chungking Express
- Peking Opera Blues
- Zu - Warriors from the Magic Mountains
- The Heroic Trio
Literatur
- Lexikon des internationalen Films, Reinbek 1995
- Stefan Kramer, Geschichte des chinesischen Films, Stuttgart 1997
Dokumentarfilme über das chinesische Kino
- "Meine Kamera lügt nicht", 92 min, China, Deutschland, Österreich 2003, Regie: Solveig Klassen, Katharina Schneider-Roos. - Film über die sechste Generation und die Homosexuellen-Filmszene. Die Filme werden ohne staatliche Genehmigung gedreht und sind nur im Untergrund zu sehen.
Links
- Chinesisch/Englische Filmdatenbank
- http://www.lovehkfilm.com" class="external">Englische Seite zum HK-Film